Dienstag, 23. August 2016

Roy Stark und die Zeitmaschine

Vor einer Stunde habe ich die Arbeit an einem sehr umfangreichen Manuskript abgeschlossen, und zwar an einer weiteren Romanadaption nach Comics von Hansrudi Wäscher. Es handelt sich jedoch weder um Tibor, noch um Nick oder Falk, sondern um – Roy Stark. Ich berichtete an dieser Stelle schon vor längerer Zeit, dass Peter Hopf plant, neben den bei ihm erfolgreich laufenden Romanserien auch den Roy Stark zu bringen, aufgrund der überschaubaren Materialmenge allerdings nicht als Serie, sondern in einem abgeschlossenen Roman, so wie es bereits mit Bob & Ben aus der Feder von Thomas Knip geschehen ist.
 
Die Comicserie Roy Stark schuf Wäscher in den Sechziger Jahren wie so viele andere für den Walter Lehning Verlag. 1967 und 1968 erschienen insgesamt 18 Großbände. Es war die letzte Serie, die HRW für Lehning konzipierte und die schließlich dem Konkurs des Verlages zum Opfer fiel. Im neuen Jahrtausend wurden die Comics als Hardcover bei Hethke neu aufgelegt und mit zwei Heften fortgesetzt, die auf Telefonkarten-Motiven von Wäscher beruhten.
 
Roy Stark ist ein arbeitsloser Stuntman und Abenteurer, nicht ganz so der saubere Typ, wie man es gewöhnlich von Wäscher-Figuren kennt. So sorgt er sich mehr um seinen bei einem Unfall verschrotteten Sportwagen als um den Fahrer, der dabei den Tod findet. Im Grunde ist Roy Stark eine bloße Abenteuergeschichte – wäre da nicht ein lupenreines Science Fiction-Element, das nicht einmal bei dem in dieser Hinsicht sonst prägenden Weltraumfahrer Nick vorkam, nämlich eine Zeitmaschine. Roy erhält den Auftrag, mit diesem geheimen Wunderwerk der Technik in die Karibik des 18. Jahrhunderts zu reisen, um nach dem sagenhaften Schatz des Piraten Bloody Jack Henderson zu suchen.
 
Oh ja, das gestehe ich gern, die Piraten haben mir eine Menge Spaß gemacht. Ein wenig fühlte ich mich an die von mir so sehr gemochte Schatzinsel erinnert. So ließ ich es mir nicht nehmen, als kleine Reminiszenz Bloody Jacks Seeräuber Bones und Flint zu nennen, Silver und Gunn, Pew und Hands. Diese Namen dürften jedem, der die Schatzinsel kennt, bestens in Erinnerung sein. Außerdem verschlägt es den verwegenen Abenteurer ins Jahr 1864, in den Sezessionskrieg und in die Schlacht um Atlanta.
 
Passend zum Schauplatz der Handlung, der Halbinsel Yucatan, hat HRW zahlreiche Versatzstücke eingebaut, wie sie in jeden Tibor gepasst hätten und dort auch wiederholt zu finden waren: Dschungelatmosphäre und Urwaldriesen, Affen und andere wilde Tiere, Lianen als Fortbewegungsmittel, an denen sich Figuren von einem Baum zum nächsten schwingen, sowie Gruben mit angespitzten Pfählen, um wilde Tiere zu fangen.
 
Roy Stark ist mein bisher umfangreichstes Manuskript geworden, nicht nur bei den Wäscher-Adaptionen, sondern überhaupt. So übertrifft der Roman selbst die Atlan-Taschenbücher noch deutlich an Länge. Wann das Buch erscheinen soll, kann ich noch nicht sagen. Dieses Jahr voraussichtlich nicht mehr.

Montag, 22. August 2016

Falk und der kopflose Ritter

Vor ein paar Tagen machte ich Anmerkungen zum nächsten Falk-Abenteuer und den Titelbildern der zugrunde liegenden Comics. Inzwischen habe ich mit dem Schreiben des Romans begonnen, und heute erreichte mich das Cover für mein Buch.

Die Szene liefert einen recht guten Anhaltspunkt darauf, worum es im nächsten Roman geht. Falk und Bingo bekommen es mit einem Spuk aus der Vergangenheit zu tun. Eine kopflose Schreckensgestalt scheint Rache nehmen zu wollen und geht dabei über Leichen.


Mittwoch, 17. August 2016

Eine dynamische Falk-Ansicht

Pünktlich wie die Maurer, könnte man sagen. Oder: der Postbote hat mit seiner Lieferung gewartet, bis ich mit meinem neuen Manuskript für Ren Dhark fertig bin. Eben jenes schloss ich gestern ab, und heute traf nun ein Stapel Comics bei mir ein. Sie bilden die Vorlagen für das nächste Romanabenteuer des Ritters ohne Furcht und Tadel.
 
Das oben liegende Heft empfing mich gleich mit einem dynamischen Galopp. Ritter Falk und der Gaukler Bingo preschen auf ihren Pferden durch eine Schlucht. Die Umhänge der Freunde flattern im Wind, die Hufe der Pferde wirbeln Staub und Geröll auf. An einem über die Felsklippe hinausragenden Baumstamm hängt ein Mann. Die Szene wirkt ein wenig düster, und passend dazu ist das finstere Rot und Gelb des Bildhintergrunds gehalten, das den Sonnenuntergang andeutet.
 
Ich habe den Stapel Comics gleich einmal durchgeblättert, um mir auch die anderen Titelbilder anzusehen. Es gibt ein weiteres, das ich herausragend finde und das ich als Buchcover für meinen Roman favorisieren würde: Falk und ein weiterer Ritter stehen mit erhobenen Fackeln in einem kahlen Kellerverlies. Der Fackelschein entreißt der Dunkelheit einen steinernen Sarkophag, und aus Betrachtersicht gleiten Fledermäuse ins Bild.
 
Mit der Arbeit an dem Roman beginne ich noch diese Woche, die Buchveröffentlichung ist für den Jahreswechsel geplant. Bevor ich loslege, muss ich jedoch noch die Schlussszene für eine andere Wäscher-Adaption fertigstellen.

Dienstag, 16. August 2016

Ren Dhark trifft auf ein seltsames Völkchen

Ren Dhark sucht seine Gefährtin Amy Stewart, Wächterin Doris sucht ihren Partner Arc Doorn, und der Roboterhund Jimmy sucht seinen Konstrukteur Chris Shanton. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen ist also nichts dagegen.

 Inzwischen gibt es einen Hinweis darauf, wohin es die drei Verschollenen verschlagen hat. Kein Wunder also, dass Ren Dhark sich mit seinem Ringraumer POINT OF auf den Weg macht, um die verschwundenen Freunde zu suchen. Was natürlich nicht so einfach ist, wie es sich anhört. Der intergalaktische Leerraum mit seinen Millionen Lichtjahren Entfernung von einer Galaxis zur nächsten ist nach unserem heutigen Verständnis unüberwindlich, doch auch in der fortgeschrittenen und technologisch fortschrittlichen zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts stellt dieser Abgrund aus Raum und Zeit Raumfahrer von der Erde vor ein kaum lösbares Problem.
 
Ich habe die Arbeit an einem weiteren Ren Dhark-Roman abgeschlossen, wie man beim Lesen dieser Zeilen merken dürfte. In meinem Manuskript konnte ich mit einer Reihe beliebter Figuren aus der klassischen deutschen Science Fiction-Serie hantieren, die gerade ihren 50. Geburtstag gefeiert hat. Dabei handelt es sich nicht nur um den harten Kern der POINT OF-Besatzung, sondern auch um jemanden aus dem Wächter-Orden. Ob männlich oder weiblich, verrate ich an dieser Stelle nicht.
 
Der Abenteurer Ren Dhark muss in dieser Geschichte mit seinem Raumschiff und seinen Freunden jedenfalls eine der weitesten Reisen unternehmen, mit denen er sich jemals konfrontiert sah. Wohin mag es also gehen, nachdem es ihn bereits in die Galaxien Andromeda und Orn und sogar in die aus einem anderen Universum stammende Sterneninsel Drakhon verschlagen hat? Auch das verrate ich selbstverständlich noch nicht.

Es ist mir aber erlaubt zu sagen, dass ihre Bewohner diese Galaxis Vortak nennen, obwohl sie bei unseren heutigen Astronomen eine ganze andere Bezeichnung besitzt. (Oder ist es nicht erlaubt, den Namen bereits zu nennen, lieber Chefredakteur? Dann bitte melden. :-) ) Aber woher sollen unsere Astronomen den wahren Namen dieser Zwerggalaxis auch kennen? Sie waren meines Wissens ja noch nicht dort. Es handelt sich um eine in mancherlei Hinsicht interessante Zwerggalaxis mit farbig-exotischen Bewohnern. Um sie zu erreichen, muss Ren Dhark die Lokale Gruppe nicht verlassen.
 
Wer nun nicht weiß, was die Lokale Gruppe ist, der sollte im Netz nachschlagen. Denn das führe ich an dieser Stelle gewiss nicht aus.

Mittwoch, 10. August 2016

Ne kölsche Jung hürt op

Er heißt Hans-Dieter, alle nennen ihn H.D., und er selbst stellt sich in seinem Brauhaus immer als der kölsche Jung vor. Oder besser: er stellte sich so vor – denn damit ist es nach mehr als einer Dekade nun vorbei.

Vor über elf Jahren hängte H.D., damals sechzigjährig, seinen bürgerlichen Beruf an den Nagel. Finanziell konnte er sich nicht beklagen, deshalb brauchte er nicht weiterzumachen. Stattdessen tat er das, wovon er sein Leben lang geträumt hatte. Einmal ein eigenes Brauhaus führen, und zwar so, wie es ihm vorschwebte, urkölsch, gemütlich, mit traditioneller Atmosphäre, leckerer Küche, kölscher Musik und natürlich kaltem Kölsch. Ein Jahr wollte er es auf jeden Fall machen, maximal fünf - es wurden mehr.

Das Haus Schulz am Barbarossaplatz erwies sich dabei als Glücksgriff. Es ist alteingesessen, liegt mitten im Veedel und mitten im Leben. Zudem war es brauereifrei, H.D. konnte also ausschenken, was er wollte. Das machte er sich zunutze, indem er – was es in Köln nur extrem selten gibt – gleich zwei Kölschsorten anbot, nämlich das lieblichere Reissdorf und das herbere Gaffel. Diese Politik wurde gut angenommen. Betrat man die Schänke, sah man auf Theke und Tischen immer Kölschstangen sowohl mit rotem (Reissdorf) als auch mit blauem (Gaffel) Emblem stehen.

Ich ging gern hin und wieder dorthin, denn die Atmosphäre war schön, die Leute angenehm, und H.D. grundsätzlich gut aufgelegt und einem Schwätzchen an der Theke nie abgeneigt. Oft genug kam es vor, dass man, bevor man das erste Kölsch bestellte, schon ein Mini vor sich stehen hatte. „Ein Stößchen aufs Haus zur Geschmackskontrolle“, pflegte H.D. dann zu sagen.
Fast immer lief kölsche Musik, und wenn die Stimmung ausgelassen war, setzte H.D. sich sein Hütchen auf, nahm seine Quetsch von der Ablage und ging musizierend und singend im Laden auf und ab. Die Gäste waren begeistert. Und schnell wurde mitgesungen. Zu seinen Stammgästen gehörten musikalische Legenden wie Ludwig Sebus und Hans Süper.
Nun, im Alter von 71 und nach über elf Jahren in seinem Laden, in dem er sich seinen Lebenstraum verwirklicht hat, hat sich der H.D. endlich aufs Altersruheteil zurückgezogen. Es war eine schöne Zeit mit ihm im Veedel, und seine Gäste werden ihn vermissen. Mach et jot, leeven Hans-Dieter, und genieße dein Leben. Du hast dir deinen Ruhestand wohlverdient.

Montag, 8. August 2016

Robert Feldhoff: Grüße vom Sternenbiest

Im Jahr 1997 versuchte die Verlagsunion Pabel Moewig die Reihe "Space Thriller" am Markt zu etablieren. Sie wurde eröffnet mit Robert Feldhoffs Roman Grüße vom Sternenbiest, dem drei weitere Hardcover von Peter Terrid, H. G. Francis und Konrad Schaef folgten. Danach war Schluss, also verkauften sich die Bücher wohl nicht gut genug, um weitere zu publizieren. Sind die Folgebände ähnlich gelungen wie Feldhoffs Opener, so ist diese Entscheidung zu bedauern.
 
Als Grüße vom Sternenbiest erschien, schrieb der 1962 geborene Robert Feldhoff bereits seit zehn Jahren für Perry Rhodan. Er wurde nicht nur Exposé-Autor und einer der bei den Lesern beliebtesten Autoren der Serie, sondern entwickelte sich zu einer Speerspitze, wenn es galt, ein neues Produkt zu etablieren. So schrieb er den ersten Band für Perry Rhodan Extra, den ersten Band für Perry Rhodan Action, den ersten Band für die Atlan Miniserien und halt auch für die Space Thriller.
 
Bei diesen handelte es sich um abgeschlossene Science Fiction-Abenteuer, die zwar vor dem Hintergrund des Rhodan-Kosmos angesiedelt, aber von der Serienhandlung völlig losgelöst waren. Unabhängig zu lesende spannende Thriller sollten es sein, auch für ein Lesepublikum, das sonst mit Perry Rhodan nicht viel am Hut hat, nehme ich an.

Die Geschichte beginnt mit dem Sturz eines vierjährigen Jungen aus dem Fenster eines Hochhauses. Ein Unfall, sollte man meinen, doch ein solcher Unfall ist ausgeschlossen, da auf der hochtechnisierten Erde des 49. Jahrhunderts spezielle Rückhaltevorrichtungen verhindern, dass jemand einfach so aus dem Fenster fällt. Sholter Roog, ausgefuchster Agent des irdischen Geheimdienstes TLD, vermutet hinter dem Kindstod nicht nur einen Mord, für den er zunächst die Eltern verantwortlich macht, sondern noch viel mehr. Roogs Problem ist nur, dass er wegen überdurchschnittlicher Gewaltbereitschaft auf einen Schreibtischposten abgeschoben wurde. Seine Vorgesetzte erlaubt ihm zwar, seine Nachforschungen zu betreiben, stellt ihm aber mit Fee Kellind eine Agenten-Anwärterin zur Seite.

Das passt Sholter Roog zwar nicht, doch er muss sich arrangieren, um nicht von dem Fall abgezogen zu werden. Dabei erweist er sich als ausgesprochener Kotzbrocken, und die Vorwürfe überdurchschnittlicher Gewaltbereitschaft sind nicht aus der Luft gegriffen, wie sich im Fortgang der Handlung zeigt, und zwar bei der Innenbetrachtung der Figur, bei ihrer Gedankenwelt und bei Übergriffen gegen Personen, die Roog unsympathisch sind. Zudem ist er ein Sexist, der sich, nachdem er mit Fee Kellind im Bett gelandet ist, ihr gegenüber erst recht widerlich verhält. Beide raufen sich jedoch immer wieder zusammen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt.

Robert Feldhoff packt die Interaktion der beiden Agenten in einen spannenden Thriller, einen Agentenroman mit Nachforschungen und technischen Spielereien, die auch einem James Bond gut zu Gesicht stünden, mit Verfolgungsjagden, Kämpfen und Actionszenen, die jedoch allesamt die eigentliche Geschichte tragen und unterstützen. Denn Sholter Roogs Spürnase trügt ihn nicht. Es geht – als ob der nicht tragisch genug wäre – um viel mehr als den Tod eines Kleinkindes. Die galaktische Verbrecherorganisation Galactic Guardians plant einen folgenschweren Schlag gegen die Menschheit. Sie will sich in den Besitz eines Geheimcodes bringen, mit dem sich Nathan, der auf dem Mond ansässige Großrechner der Menschheit, manipulieren lässt, und Nathan steuert so ziemlich alles, was im Sonnensystem geschieht. Um dieses Ziel zu erreichen, hält sich unerkannt einer der führenden Köpfe der Galactic Guardians auf der Erde auf: Schelm.
 
Schelm, verborgen unter einem täuschenden Schutzfeld, ist eine tolle Figur, deren wahre Natur sich häppchenweise über den ganzen Roman erschließt. Nicht minder interessant ist der Killer, der in Schelms Auftrag mordet. Es handelt sich um den Tomopaten Felsenheimer, ein menschenähnliches Wesen, das seine Arme jedoch mit einem Ghyrd, einer Art Zwangsjacke, bändigen muss. Diese Arme besitzen nämlich ein mordlustiges Eigenleben und lassen sich anders nicht unter Kontrolle halten. Öffnet Felsenheimer den Ghyrd, beginnen die Arme ihr tödliches Werk, indem sie andere Intelligenzen regelrecht frikassieren.
 
Dramaturgisch ist es fast unabdingbar, dass Schelm seinen Killer Felsenheimer irgendwann auf Scholter Roog ansetzt, und der Agent und Schelm schließlich sogar persönlich aufeinandertreffen. Der Kotzbrocken Roog und seine Darstellung als Unsympath, der doch nur das Richtige tun will und dafür auch sein Leben einsetzt, ist mir durchaus sympathisch. Schließlich kriegen nur die auf die Schnauze, die es verdient haben. Mancher Leser mag das anders sehen, aber ich unterschreibe jede seiner Handlungen, auch wenn er am Schluss suspendiert wird. Ganz am Ende des Romans hat Robert Feldhoff für Sholter Roog dann noch eine richtig fiese Gemeinheit in petto, die ich hier aber ebenso wenig verraten möchte wie weitere Aspekte der Handlung.
 
Stattdessen empfehle ich die Lektüre von Grüße vom Sternenbiest. Der Roman, der soweit ich weiß kürzlich als E-Book erschienen ist, hat Spaß gemacht und animiert mich dazu, mal wieder ein paar andere Werke des 2009 verstorbenen Robert Feldhoff zu lesen. Der frühe Tod des „großen Stillen aus dem Norden“, wie Robert auch genannt wurde, ist bei Perry Rhodan ebenso wenig zu kompensieren wie der von William Voltz oder Thomas Ziegler.
 
Robert Feldhoff: Grüße vom Sternenbiest
Verlagsunion Pabel Moewig, 1997
Hardcover, ca. 240 Seiten

Samstag, 30. Juli 2016

Steve Kups. 1970 - 2015

Der Tod von Steve Kups wäre ohne Horst Illmers Nachruf im SF-Magazin Phantastisch 62, das ich erst in den vergangenen Tagen gelesen habe, glatt an mir vorbeigegangen. Durchaus ein wenig befremdlich, dass man auf diese Weise vom Ableben eines Menschen erfährt, den man zumindest in bescheidenem Umfang kannte.
 
Wenn auch nicht persönlich, denn Steve und ich sind uns bei keiner Gelegenheit über den Weg gelaufen. Wir waren lediglich bei Facebook und dort seit ein paar Jahren miteinander verknüpft, da es zwischen der SF- und der Comicszene eine Menge Berührungspunkte gibt. Dort tauschten wir äußerst sporadisch und ebenso knapp den einen oder anderen Gedanken aus. Wie sporadisch dieser reine Online-Kontakt war, zeigt eben die Tatsache, dass ich mit dem traurigen Ereignis erst jetzt, Monate später, konfrontiert wurde.
 
Steve war Journalist und Comic-Übersetzer. Seit vielen Jahren betreute er vor allem die deutschen Ausgaben von Batman, übersetzte aber auch noch einige andere Serien von DC und Marvel, hauptsächlich für Panini.
 
Er starb bereits am 26. Dezember des vergangenen Jahres an den Folgen eines Herzinfarkts. Steve Kups wurde gerade einmal 45 Jahre alt.
 
Nachfolgend möchte ich Steve noch einmal persönlich zu Wort kommen lassen, und zwar mit einem Kommentar, den er im Oktober 2014 auf meinen Nachruf zu dem damals verstorbenen Hajo F. Breuer anfügte. Dieser Kommentar ist bestens dazu geeignet, einiges über Steve Kups selbst zu erfahren:

 

"Wir begegneten uns nur hie und da in unserem Leben und jeweils auch nur sehr kurz, aber haben uns dabei auf ganz komische Art jedes Mal wie die besten Freunde gefühlt und gegenseitig behandelt, die wir niemals waren.
Führte zu skurrilen Situationen wie der, dass er mir damals ohne dass wir uns überhaupt groß und lange kannten, einfach so einen Schreibjob für Ren Dhark und andere Projekte anbot, den ich zu jeder anderen Zeit auch sofort jubelnd angenommen hätte, da es die Erfüllung eines meiner ältesten Träume dargestellt hätte.
Aber gleichzeitig hatte ich meine früheren Autoren-Träume zu diesem Moment bereits auf andere Arten so erfüllt, dass mich der Weg dahin an einen neuen Punkt gebracht hatte, wo ich dies in dieser Form dann nicht mehr brauchte. Die Chance, die er mir darbot, war also etwas, was ich ganz am Anfang mal suchte, nun aber nicht mehr benötigte, aber noch als Bonus auf eine Art von ihm angeboten bekam, die gleichzeitig damals die Erfüllung meines Traums dargestellt hätte.
Falls das irgendeinen halbwegs verständlichen Sinn zu ergeben mag gerade für Dich.
Und so war ich ihm für die nicht mehr benötigte Chance endlos dankbar, hatte sie gleichzeitig als stetige Option weiter offen aber konnte auch meinen damaligen und auch noch heutigen Weg als Übersetzer weitergehen, ohne was zu verlieren.
Und all das was ich nun hier für mich aufzählte, hatte er bei sich selbst auf irgendeine Art, die nur er für sich zu beschreiben wusste und musste und bei der ich auf irgendeine Weise praktisch die Spiegelung dessen mit erfüllte.
Dieses schwer zu beschreibende Gefühl zog sich dann kreuz und quer durch unsere wenigen Begegnungen, aber war für jeden von uns von Anfang an immer auf diese Art irgendwie da, ohne dass wir peilten, was da überhaupt abgeht. Und durch die verrückte Art, wie es immer da war, auch niemals erforderte, dass wir mehr daraus machten.
Die wohl paradoxeste Art von Nicht-Freundschaft, die ich jemals nicht hatte.
Und das die ganze Zeit noch manifestiert in einem Gefühl von Dankbarkeit und Liebe zu einem Menschen, den ich darüber hinaus nie richtig kennengelernt habe, der dies aber jedes Mal automatisch von sich aus erwiderte, wenn sich unsere Wege mal wieder kreuzten.
Als ich gerade Deinen Nachruf las, habe ich erst an den Stellen bezüglich der Comics wieder erkannt, dass er es ja damals auch noch mit gewesen war, der mich durch sein eigenes Wirken motivierte, selbst mal Redakteur und Übersetzer von den Dingern zu werden. Und das lange, bevor ich ihn kennenlernte. Was eben den oben erwähnten neuen Weg darstellte, der mich vom Autorentraum hierher führte.
Und das dann auch noch auf die ebenso kuriose Weise gespiegelt mit Giesa, mit dem ich ebenfalls auf solch merkwürdige (und in seinem Fall auch noch so sehr viel schmerzhaftere Weise durch den von mir empfundenen Verlust und auch sein eigenes Leiden) verbunden war und der wiederum auf verschiedenste Art der Grund und auch der Weg war, wie ich den Autorentraum überhaupt erst zu erfüllen schaffte.
Zwei der wichtigsten Menschen in meinem Leben, die ich nie wirklich in meinem Leben hatte. Aber die auf irgendeine Art immer da waren. Von Anfang an und bis zu ihrem Ende und darüber hinaus. So fühlt sich das wohl an, wenn sich verschiedenste Multiversen in einer Realität wie dieser hier kreuzen und manifestieren, ohne dass man dabei begreifen kann oder muss, was dabei vor sich geht."
 

Freitag, 29. Juli 2016

Phantastisch 62

Gut möglich, dass Ausgabe 63 just erschienen ist, ich bin aber jetzt erst dazu gekommen, phantastisch 62 zu lesen. Macht aber nichts, denn das Magazin aus Guido Latz' Atlantis-Verlag, unter der Redaktion von Klaus Bollhöfener und mit einem Titelbild des aus der Szene längst nicht mehr wegzudenkenden Arndt Drechsler ist wieder einen näheren Blick wert.
 
Noch einmal Hansrudi Wäscher. Anlässlich Wäschers Tod beleuchtet Achim Schnurrer das Werk des Comic-Vorreiters, die von HRW entworfenen ersten popkulturellen Ikonen, als es diesen Begriff noch gar nicht gab, und den Weg zu einer neuen, einer eigenständigen Jugendkultur. Schnurrer skizziert Wäscher als künstlerischen Avantgardisten, schlägt den Bogen vom neuen Selbstverständnis der frühen Jugendkulturen, in dem Wäschers Helden hierzulande gar eine Speerspitze darstellten, hin zu popkulturellen Massenbewegungen und attestiert Wäschers Comics eine humanistische und aufklärerische Grundhaltung. Ein fesselnder Artikel, weit mehr als ein bloßer Nachruf, und für mich das Highlight der vorliegenden Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden Magazins.
 
Sonja Stöhr geht dem Begriff Utopie auf den Grund und stellt die Frage, was im Zeitalter der heute allgegenwärtigen Dystopien von der Idee positiver Zukunftsutopien aus Thomas Morus' Erzählung „Utopia“ von 1516 übrig geblieben ist. Dazu äußern sich SF-Schaffende wie Heyne-Lektor und Herausgeber Sascha Mamczak, die walisisch-kanadische Autorin Jo Walton, der amerikanische Autor Kim Stanley Robinson und andere.
 
Dirk Berger interviewt den SF-Schriftsteller Gregory Benford. Benfords Name steht für fundierte Beschreibungen wissenschaftlicher Methoden und deren Auswirkungen auf Forscher, erfahre ich da. Womit der Autor nur bedingt etwas für mich sein dürfte. Auch wenn die Wissenschaft für viele untrennbar mit der SF verbunden ist, war ich doch immer mehr ein Anhänger der New Wave der Sechziger Jahre.
 
Weitaus mehr sprechen mich da die Bücher an, die Armin Möhle in „Vergessene Welten“ bespricht. Es handelt sich um Alternativweltromane, um Werke also, in denen ab einem bestimmten historischen Punkt ein alternativer Geschichtsverlauf eingeschlagen wird. Klassisches Beispiel ist für mich Philip K. Dicks „Das Orakel vom Berge“, in dem die Achsenmächte den zweiten Weltkrieg gewonnen haben, sowie auch Thomas Zieglers „Die Stimmen der Nacht“, einem düsteren Werk, das ein Deutschland schildert, in dem der Morgenthau-Plan verwirklicht wurde. Die Alternativweltromane von Harrison, Chandler, Silverberg, Amis, Aldiss und Stableford, die Armin Möhle vorstellt, klingen spannend, auch im historischen Kontext. Zumindest das eine oder andere davon sollte und werde ich mir zulegen.
 
Christian Endes interviewt den italienischen Zeichner und Zombiefanatiker Elia Bonetti, Achim Schnurrer porträtiert das Multitalent Holger Much, mit dessen grafischen Werken, ich gebe es zu, ich nicht viel anfangen kann, und Jan Niklas Meier sucht in George R.R. Martins Epos „A Song of Ice and Fire“ die realen Spuren des europäischen Mittelalters. Fand ich interessant, nicht nur als Gucker von „Game of Thrones“. Carsten Kuhr interviewt Daniel Suarez, der als Spezialist für Zukunftsthriller gilt und der packende Action mit aktuellen Problemen und der Warnung vor gewissen Entwicklungen verbindet. Bernd Jooß befasst sich mit der „Southern Reach“-Trilogie von Jeff VanderMeer, von dem auch eine sehr interessant aufgebaute und mich nachdenklich zurücklassende Kurzgeschichte im Heft enthalten ist.
 
Schließlich gibt es einen Blick auf neue südafrikanische Literatur und da besonders auf Lauren Beukes' „Moxyland“. Sonja Stöhr präsentiert „Phantastisches Lesefutter für junge Leser“, und Horst Illmer, der zudem Nachrichten vermeldet und Neuerscheinungen vorstellt, erinnert an den vor zwei Jahren verstorbenen Mythopoeten Patrick Woodroffe. Dessen phantastischer Realismus fiel mir tatsächlich schon auf, als ich begann, mich für SF und Phantastik zu begeistern, und nicht nur auf Titelbildern von Heyne, sondern auch auf verschiedenen LP-Covers.

Samstag, 23. Juli 2016

Classic Rock 52

Der Boss auf dem Cover der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK und mit der Titelstory, das hätte schon gereicht, um mir das Magazin zuzulegen, wenn ich es nicht ohnehin regelmäßig lesen würde. In Paul Rees' Artikel „Glory Days“ geht es zurück in die Achtziger und zu Licht und Schatten der erfolgreichsten Jahre von Bruce Springsteen.

Schon in den Siebzigern war Springsteen als die Zukunft des Rock'n'Roll gepriesen worden, doch erst in der folgenden Dekade katapultierte ihn das „Born in the USA“-Album in die Stratosphäre und machte ihn zum Superstar, dem die Massen folgten. Was Springsteen gar nicht so recht war, wie man meinen sollte und wie der Artikel aufzeigt. Da wollte er wieder raus, deshalb das reduzierte, fast minimalistische und vor allem düstere Album „Nebraska“ ohne die E-Street Band. Interessant, wusste ich nicht. Die Achterbahnfahrt aus epischen Höhenflügen und niederschmetternden Tiefpunkten war hausgemacht, weil der Boss mit sich selbst, seinem Leben und seinen Erfolgen zurechtkommen musste. Allein dieser Artikel, der mir einiges Neue vermittelte, war die komplette Ausgabe wert. Meinetwegen hätte er länger und ausführlicher sein können. Ergänzend bespricht David Numberger die – seiner Meinung nach – besten Springsteen-Songs des damaligen Jahrzehnts. Einige davon sind auch für mich unverzichtbar, andere nicht. Das ist wie immer Geschmackssache.
 
Die beiden anderen längeren Artikel des Hefts beschäftigen sich mit Janis Joplin und den Ramones. Bill DeMain beleuchtet Janis' Schicksal, als sie nach anfänglichen Erfolgen in ihren Heimatort Port Arthur zurückkehrte, um ein normales Leben zu führen, dann aber doch wieder in San Francisco landete und zum Superstar wurde. Kris Needs beleuchtet die dunkle Seite der Ramones, ihre Traumata, ihre Krankheiten und das gegenseitige Mobbing. Traurig, im Nachhinein erst recht, und da sie nun alle tot sind sowieso. Mitte der Siebziger waren die Ramones etwas Besonderes, etwas Neues, und wie Motörhead traten sie dem Rock'n'Roll richtig in den Arsch. Heute, vierzig Jahre nach Erscheinen ihres selbstbetitelten Debütalbums, sind sie immer noch etwas Besonderes, auch wenn keiner von ihnen mehr da ist.

Von Mudcrutch hatte ich bis zu dieser Ausgabe von Classic Rock noch nie gehört. Es handelt sich um die Band, in der Tom Petty – am Bass! – spielte, bis sie sich Mitte der Siebziger Jahre auflöste und er die Heartbreakers gründete. Nun sind Mudcrutch wieder zusammen, mit Tom Petty, und haben kürzlich ein Album veröffentlicht. Das interessiert mich natürlich, kein Wunder bei Pettys kompromisslosem Gitarrenrock, egal ob mit den Heartbreakers oder den Traveling Wilburys. Danke an den Artikelschreiber Jörg Staude, der mich mit der Nase auf Mudcrutch gestoßen hat.
 
Und was gibt es darüber hinaus sonst noch? Beach Boy Brian Wilson, geistiger Vater von „Pet Sounds“ und „Smile“, zeigt sich im Interview knapp und kurz angebunden, aber begeistert. Die Rock-Mythen beleuchten das zweite Leben der Anna Mae, und das ist keine geringere als Tina Turner. In der Rückblende beleuchtet Joe Perry Dude und das dazugehörige Album „Permanent Vacation“, das Aerosmith 1987 zurück in die Rock-Oberliga schoss. Gitarrenikone Michael Schenker, einer der wenigen deutschen Gitarristen von Weltrang, ist mit seiner aktuellen Truppe „Temple of Rock“ aktiver denn je. Allerhand und allerlei also, und wie immer eine lesenswerte Ausgabe für den geneigten Rockmusikkonsumenten.

Freitag, 15. Juli 2016

Cover für Promet 16 und 17

Heute habe ich zwei weitere Titelbilder für Raumschiff Promet erhalten, für die Bände 16 und 17 der Neuschreibung. Bis zur Veröffentlichung der Taschenbücher dauert es zwar noch ein paar Monate, aber die Bilder präsentiere ich gern schon vorab. Mir gefallen sie, und beide passen inhaltlich zu den Romanen.


Montag, 11. Juli 2016

Die Sprechblase 235

Das Comicmagazin „Die Sprechblase“ war Hansrudi Wäscher stets eng verbunden. Kein Wunder also, dass die aktuelle Ausgabe den Verstorbenen ausführlich würdigt. Mehr noch, das 100 Seiten dicke Heft entpuppt sich als Special rund um den Künstler, der verschiedene deutsche Comicklassiker wie Nick und Sigurd, Tibor und Falk, Roy Stark, Nizar, Bob & Ben schuf, für Bastei den Buffalo Bill ebenso zeichnete wie die Gespenstergeschichten.

Herausgeber Gerhard Förster geht dabei einen anderen Weg als gewohnt. Normalerweise versucht er soviel Text und Inhalt wie möglich auf kleinem Raum unterzubringen. Ohnehin liegt ihm meistens so viel Material vor, dass er nicht alles veröffentlichen kann, was er gern möchte, und oft genug Beiträge in die folgende Ausgabe verschieben muss. Diesmal jedoch gibt er Text und Bildern Raum zu atmen. Das stellt sich sowohl optisch gefällig als auch inhaltlich spannend, interessant und abwechslungsreich dar. Die meisten kleinen Geschichten und Anekdoten von und rund um HRW, die hier versammelt sind, sind mir neu und geben mir eine Menge mir bislang unbekannter Einblicke in das Leben des Künstlers, der nach dem Krieg maßgeblich dazu beitrug, den Comic in Deutschland populär zu machen, wenn auch gegen zahlreiche Widerstände.

„Wäschers Leben in kommentierten Bildern“, so die Überschrift des Ganzen, trifft es ausgezeichnet. Eine Fülle von Fotografien, Titelbildern und Comicauszügen vollzieht die Lebensgeschichte Wäschers vom kleinen Jungen bis zum mit diversen Preisen ausgezeichneten Idol einer ganzen Lesegeneration nach, von ersten öffentlichen Auftritten bis hin zum letzten Besuch der Intercomic. Dabei kommen interessante Details zutage. Wer weiß schon, dass HRW den Bill Cody, den er als Buffalo Bill zeichnete, unter anderem wegen dessen unmäßigen Büffeljagden als äußerst unsympathischen Menschen empfand? Genau wie ich, und das gefällt mir. Der Bogen spannt sich von Betrachtungen über Lehning und Hethke bis zum Ärger mit der Bundesprüfstelle und Wäschers Alterswerk.

Auch neben dem Hauptartikel ist HRW das zentrale Thema der vorliegenden Ausgabe: Gerhard Förster interviewt Wäscher-Verleger Manfred Wildfeuer, Klaus Papendorf befasst sich in „Mit flacher Klinge“ mit des Meisters Werk, und Herbert Heinzelmann erinnert sich in „Die Kunst im Keller“ an die Entdeckungen, die er bei einem Wäscher-Besuch machte. Der ehemalige Ren Dhark-Autor Ewald Fehlau, jahrzehntelang für Bastei tätig und dort mit Wäscher zusammenarbeitend, wagt den „Versuch einer Annäherung an ein unvergessenes Phänomen“. Gerhard Förster erinnert sich daran, wie der Kaplan seinen geliebten Sigurd in die Badewanne warf, und „Das Beste aus 13 Interviews mit Hansrudi Wäscher“ lässt einen schmunzeln, nachdenken und fast ein wenig melancholisch werden.

Und abseits von Herrn Wäscher? Gibt es wie üblich Harrys bunten Medienmix und eine Besprechung des neuen Comic-Preiskatalogs, dazu einen Blick auf den Künstler Philippe Druillet und seinen Weltraumhelden Lone Sloane, auf den amerikanischen Superheldencomic Secret Wars und auf ASH, die Austrian Superheroes. Ich gebe zu, neben der geballten Wäscher-Ladung interessierte mich der ohnehin nur marginale Rest diesmal eher wenig, doch allein der reich bebilderte Hauptartikel macht Spaß. Fazit: Eine sehr gelungene und im Hinblick auf Hansrudi Wäschers Tod mehr als würdige Ausgabe der Sprechblase.

Sonntag, 10. Juli 2016

Der kleine Drache Huck-Huck

Kürzlich fragte mich jemand, ob ich nicht noch ein Exemplar von HUCK-HUCK, DER KLEINE DRACHE übrig habe, das ich ihm vermachen können. Das schmale Kinderbuch habe ich vor vielen Jahren geschrieben, und es ist seinerzeit im Nitzsche-Verlag in Kaiserslautern erschienen.

Beim Durchstöbern meines Bucharchivs fiel mir zu meinem Schrecken auf, dass ich nicht mal mehr ein eigenes Belegexemplar besaß. Ich wandte mich kurzerhand an den Verlag, und siehe da, es gibt tatsächlich noch Restbestände. Ich orderte gleich einen Schwung und blätterte das kleine Buch, das ich schon so lange nicht mehr in Händen gehalten hatte, gleich durch.

Der Text war mir kaum noch gegenwärtig, ebenso wenig die sehr schönen Schwarzweiß-Illustrationen von Frans Stummer, die sich übrigens prima zum Ausmalen eignen. Gleich zehn Stück davon sind enthalten. Das Titelbild finde ich ohnehin wunderbar gelungen. Das Original hat Frans mit damals zukommen lassen, und es ist sicher verwahrt und in Folie aufgehoben.

Als ich nach dem Eintreffen der Bücher einen Blick ins Impressum warf, traf mich fast der Schlag. Der Huck-Huck ist nämlich noch viel älter, als ich es im Kopf hatte. 1992 ist er erschienen. Inzwischen treibt er also als ausgewachsener Drache irgendwo in der Welt sein Unwesen. Die Geschichte beginnt jedoch mit Huck-Hucks Schlüpfen aus dem Ei und seinen angestrengten Versuchen, zum ersten Mal ein Feuer zu entzünden.

Jetzt spiele ich mit dem Gedanken, die Geschichte als Ebook erneut zu veröffentlichen. Auch könnte ich mir vorstellen, eine (oder gar mehrere?) Fortsetzung(en) zu schreiben. Was natürlich vor allem eine Frage der Zeit ist. Im Moment hätte ich sie nicht, aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

Wie gesagt, beim Nitzsche-Verlag gibt es noch Restexemplare der Druckversion. Wer sich dafür interessiert, wendet sich am besten gleich an den Verlag:
http://www.nitzscheverlag.homepage.t-online.de/

Mittwoch, 6. Juli 2016

Ren Dhark - Autorenkonferenz 2017

Die Ren Dhark-Autorenkonferenzen sind immer eine äußerst produktive Angelegenheit. Etwa alle zwei Jahre treffen sich die Dhark-Autoren, um den Handlungsablauf für den kommenden Zyklus festzulegen. Ein solcher Zyklus umfasst stets zwölf Bücher, also 36 Heftromane. Ein ganzes Wochenende, von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag, lassen wir dabei die Köpfe rauchen. Was im Laufe eines solchen Brainstormings und der daraus resultierenden intensiven Ausarbeitung herauskommt erstaunt mich im Nachhinein immer wieder.
 
Wenn ich mich recht erinnere, nahm ich zum ersten Mal 2005 an einer solchen Konferenz teil. Die letzte ging im vergangenen Jahr über die Bühne. Nun, mit einem Jahr Vorlaufzeit, wurde bereits der nächste Termin festgelegt. Ich glaube, so früh wie noch nie.
 
Im Sommer 2017 treffen wir uns in einem Hotel mit Tagungsraum, um gedanklich die nächste Episode in der Historie des Raumfahrers Ren Dhark aufzuschlagen. Ich weiß von Kollegen anderer Serien, dass sie solche Konferenzen als notwendiges Übel ansehen, das sich nicht umgehen lässt. Ich freue mich aber schon wieder darauf, mit den Kollegen und der Kollegin im Tagungsraum zu hocken und die Ideen fließen zu lassen. Macht nämlich echt Spaß.

Dienstag, 5. Juli 2016

Zehn Jahre Geisterspiegel

Ein schönes Jubiläum kann sich das Online-Portal Geisterspiegel auf die Fahne schreiben. Das phantastische Onlinemagazin, wie es sich nennt, feiert sein zehnjähriges Bestehen. Ich bin zwar kein regelmäßiger Leser, schaue aber immer mal wieder rein.

Der Geistspiegel berichtet über alle Spielarten phantastischer Literatur, veröffentlicht mit "Timetraveller" und "Paraforce" zwei eigene SF-Serien, dazu Kurzgeschichten, Kolumnen, Rezensionen, Szene-News und vieles mehr. Ein Blick lohnt sich also, und er kostet nichts.

Ich gratuliere den Machern des Zauberspiegels und wünsche weiterhin gutes Gelingen.

http://www.geisterspiegel.de/

Montag, 4. Juli 2016

Die Promet und Stimmen aus der Vergangenheit

Als Anfang der Siebziger Jahre die Raumschiff Promet-Heftromane erschienen, war ich noch zu jung, um sie zu lesen, und in den Folgejahren hat es sich nie ergeben. Dazu bin ich erst viel später gekommen, nämlich als Thomas Ziegler in den späten Neunziger Jahren die Exposes für die im Blitz-Verlag angedachte Fortsetzung verfasste und Ziegler sowie Jörg Kaegelmann mich als Mitautor für die neuen Abenteuer auserkoren.
 
Einen Begriff aus der Serie kannte ich da dennoch längst, trotz meiner Unwissenheit um den Serieninhalt: Das Galaktische Archiv. Bei Promet-Lesern fiel der Name immer wieder, und gedanklich brachte ich ihn mit einem großen Handlungsrätsel in Zusammenhang. Und das trifft zu, wie ich nach der Arbeit an einem weiteren Manuskript für den Serienkosmos um die Raumjacht Promet versichern kann.
 
In Band 17 der Neuschreibung der Klassiker erreichen Peet Orell und seine Freunde eben jene uralte Einrichtung eines längst untergegangenen Volkes. Auf eine Weise, die sich keiner der Raumfahrer von der Erde und von Moran je hätte vorstellen können, tauchen sie tief in die Vergangenheit ein und werden Augenzeugen des Wütens der Zyklops und ihrer Schwarzen Raumer. Der Roman wird den Titel Das Galaktische Archiv tragen.
 
Ein zweiter Handlungsstrang, den es damals in den Klassikern nicht gab, den ich also hinzugedichtet habe, ist auf der Erde angesiedelt. Er beschäftigt sich mit dem im Koma liegenden Harry T. Orell und der fremdenfeindlichen Organisation „Terra den Terranern“. Da inzwischen ziemlich weit vorgearbeitet wurde, wird der Roman voraussichtlich im Frühjahr kommenden Jahres erscheinen.

Dienstag, 28. Juni 2016

Eine Rezi zu Nick 6

Anlässlich der Intercomic im Mai ist mein sechster NICK-Roman mit Titel Gefährlicher Ehrgeiz im Verlag Peter Hopf erschienen. Ich berichtete an dieser Stelle darüber. Nun gibt es bei phantastik-news eine Besprechung von Carsten Kuhr. Wie meist hat der Rezensent sich zeitnah nach Bucherscheinen dazu geäußert. Unabhängig vom Inhalt der Rezension gefällt mir das.
 
„SF der guten alten Zeit, so könnte man die Reihe um Nick und seine Freunde kurz und überaus treffend überschreiben“, so Carsten Kuhr, und weiter: „Zwar darf man die Logik getrost einpacken, dafür aber punktet der Text einmal mehr mit dem Sense of Wonder.“
 
Im Fazit steht zu lesen: „So wird man mit staunenden Augen und klopfendem Herzen die Roman-Umsetzung der genialen Comics lesen, wird sich vorstellen, in der überbrodelnden, riesenhaften Wildnis der Venus gestarndet zu sein und doch wird man sicher sein dürfen, dass am Ende der Schurke seine gerechte Strafe bekommt. Wenn es doch im wahren Leben ein wenig mehr so zuginge, die Welt wäre eine bessere.“
 
Die komplette Besprechung ist hier zu finden:

Montag, 27. Juni 2016

Götz George. 1938 - 2016

Da komme ich von einem langen und schönen Fußballabend nach Hause, schalte noch kurz den Rechner ein und werde mit der Eilmeldung empfangen, Götz George sei gestorben. Das betrübt mich wirklich, denn er hat eine meiner liebsten Fernsehfiguren geprägt.

Ich oute mich ja immer wieder gern als Schimanski-Fan, und zwar als einer der ersten Stunde. Götz George war zweifellos ein großer deutscher Schauspieler mit verschiedenen anspruchsvollen Rollen in Film und Fernsehen, doch für mich ist er eng mit der Rolle des Ruhrpottbullen aus Duisburg verbunden. Von Anfang an hat mich die Rolle gleichermaßen wie Georges Darstellung begeistert, seit 1981 im Tatort und später, nach einigen Jahren Pause, in der eigenen Schimanski-Reihe der ARD.

Das letzte Mal spielte er den Rentner 2013 in der Folge "Loverboy". Seitdem hatte ich gehofft, dass es vielleicht einmal noch eine weitere Folge geben wird. Dazu kommt es leider nicht mehr, da Götz George seinem 1994 verstorbenen Kollegen Eberhard "Christian Thanner" Feik nun gefolgt ist. In bester Schimanski-Tradition kann ich dazu nur sagen: SCHEISSE.

Sonntag, 26. Juni 2016

Der Klang der Stille

Erik Schreiber ist Verleger, und Erik Schreiber ist bekennender Anhänger von Kurzgeschichten. Nun weiß, wie ich erst kürzlich wieder gelesen habe, selbst Stephen King, dass sich Kurzgeschichten nicht sonderlich gut verkaufen. Ich nehme an, das gilt für die meisten Genres, für Science Fiction aber ganz besonders, und zumal in Deutschland. Wenn sie denn erscheinen, so handelt es sich zumeist um Übersetzungen aus dem englischsprachigen Raum, ganz selten aus dem europäischen Ausland oder gar aus anderen Kontinenten.

Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? fragte sich Erik Schreiber. So begann er vor über drei Jahren mit dem äußerst ambitionierten Projekt „In 80 SF-Geschichten um die Welt“, für das es galt, Stories aus aller Herren Länder zusammenzutragen. Der Buchtitel war als Hommage an Jules Verne gedacht, und Eriks Traum war es, 80 Science Fiction-Geschichten aus 80 verschiedenen Ländern zu vereinen und sie als einzigartiges Werk in seinem VERLAG SAPHIR IM STAHL zu veröffentlichen.

Wie erwähnt, hat der Verleger mehr als drei Jahre investiert, um seinen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen. Letzten Endes sind keine 80 Länder zusammengekommen, doch das tut dem Projekt und dem dabei entstandenen Buch keinen Abbruch. Nun, nach Erscheinen, trägt es den endgültigen Titel „Rund um die Welt in mehr als 80 SF-Geschichten“. Ohne den persönlichen Einsatz des Herausgebers, ohne seinen Enthusiasmus und seine Vorliebe und Wertschätzung für diese Literaturform hätte ein solches Buch niemals zustande kommen können, schon gar nicht mit der Aussicht, dass damit kein Pfennig zu verdienen ist. Kein großer Verlag hätte ein solches Projekt, zu dem man Erik Schreiber nur gratulieren und auf das er zurecht stolz sein kann, auf den Weg gebracht.

Insgesamt sind 93 Autoren aus 41 Ländern (Deutschland, Schweiz, Tschechien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Russland, Polen, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Ukraine, Zypern, Syrien, Israel, Ägypten, Südafrika, Indien, China, Japan, Philippinen, Indonesien, Australien, Chile, Argentinien, Uruguay, Peru, Kolumbien, Venezuela, Kuba, Mexiko, USA, Kanada, Spanien, Großbritannien, Niederlande, Belgien) in dem rund 640 Seiten dicken Buch mit Erzählungen aus dem Bereich der Science Fiction vertreten. Schön finde ich, dass es von jedem beteiligten Autor eine Kurzbiographie gibt.

Sechs der Geschichten kommen aus Deutschland. Verfasser sind Frank Lauenroth, Sven Klöpping, Michael Schmidt, Peggy Weber und Sascha Vennemann. Eine Story stammt aus meiner Feder. Ich bin stolz, und es ist mir eine große Freude, dass ich Der Klang der Stille zu dieser sicherlich einmaligen Story-Zusammenstellung beisteuern durfte. Dass meine Erzählung zudem das Buch eröffnet, kommt mir irgendwie unwirklich vor.

Samstag, 25. Juni 2016

Von Cyborgs und Instanzen

Die vergangenen zwei Ren Dhark-Bücher habe ich ausgesetzt, doch nun ist meine Pause vorbei. Ich habe kürzlich die Arbeit an einem weiteren Roman für das Dharksche Weltraumepos abgeschlossen.
 
Noch immer ist Ren Dhark mit der POINT OF auf der Suche nach drei Verschollenen, auf deren Aufenthaltsort es keinen Hinweis gibt. Wir erinnern uns: Dharks Herzdame, der weibliche Cyborg Amy Stewart, sowie seine langjährigen Weggefährten Arc Doorn und Chris Shanton, die übrigens beide - erwähnte ich das schon mal? - zu meinen Lieblingsfiguren in der Serie zählen, verschwanden auf geheimnisvolle Weise aus einer uralten Station der Wächter. Jetzt endlich erhält Dhark einen Hinweis auf Schicksal und Verbleib der Gesuchten, einen Hinweis, der ihn vor ein gewaltiges Problem stellt.
 
Mehr verrate ich natürlich nicht zum Inhalt. Sehr wohl sagen kann ich jedoch, dass es zu einem unerwarteten Zusammentreffen kommt und dass diverse Figuren, auch länger nicht aufgetauchte, wichtige Rollen spielen und sich unversehens im Zentrum der Handlung wiederfinden. Das trifft auf Agenten der GSO ebenso zu wie auf einen unbeliebten alten Bekannten, der Dhark und den Terranern schon mehr als einmal das Leben schwergemacht hat.
 
Der Roman dreht sich um Grüne Technologie, jene legendäre Hinterlassenschaft der Wächter, die den Menschen mehr Fragen aufgibt als sie Antworten liefert. Die Wächter tauchen auf und Cyborgs – und zwar ganz spezielle Cyborgs, die in Vergessenheit geraten sind, dazu eine abgeschiedene menschliche Kolonie und die INSTANZ von Erron-2. Außerdem Sandwürmer, aber in welchem Kontext und welche Rolle sie spielen, das müsst ihr schon selbst lesen.

Samstag, 11. Juni 2016

Gefährlicher Ehrgeiz

Schon zum sechsten Mal habe ich Hansrudi Wäschers Weltraumhelden Nick auf eine abenteuerliche Mission geschickt. Kaum aus dem Mikrokosmos zurückgekehrt, muss der Weltraumfahrer zur Venus aufbrechen, denn zwei Tierfänger liefern sich einen außergewöhnlichen Wettstreit. Derjenige von ihnen, der für einen irdischen Zoo das außergewöhnlichste außerirdische Tier fängt, darf Nick bei seiner nächsten Weltraummission begleiten - und die führt nach Proxima Centauri.

Der neue Roman ist bereits zur Intercomic erschienen, und jetzt komme ich endlich dazu, das schnieke Hardcover auch an dieser Stelle gebührend zu erwähnen. Denn wie immer macht es Spaß, das Buch in Händen zu halten, auch wenn sich der Umfang diesmal in Grenzen hält. Das liegt an der Comicvorlage des Meisters, die ein vergleichsweise kurzes Abenteuer schilderte.

Folgende Piccolo-Hefte dienten als Vorlage für meinen Roman: 67 Jack, der Jäger, 68 Gefährlicher Ehrgeiz, 69 Der Tod ist an Bord, 70 Die Hölle ist los, 71 Nick setzt sein Leben ein, 72 Jane Lee wehrt sich, 73 Letzter Verrat, 74 Keine Hoffnung mehr, 75 Wettlauf mit der Zeit, 76 Schon gestartet, 77 Wo ist das Sternenschiff?, 78 Ein verzweifelter Versuch, 79 Proxima Centauri, 80 Unendliches All.

Hinweisen möchte ich noch einmal auf die Besonderheit des nächsten Nick-Romans. Band 7 wird, wie ich schon früher erwähnte, ausnahmsweise nicht von mir, sondern von einem Gastautor geschrieben. Sein Name ist in der deutschen Roman- und Science Fiction-Szene sehr bekannt und der Autor äußerst beliebt. Es darf gerne spekuliert werden, um wen es sich handelt. Ich selbst habe in mindestens drei verschiedenen Serien Romane von ihm gelesen. Da ich ihn persönlich kenne, kann ich mit Fug und Recht sagen, dass es sich um einen sehr sympathischen Menschen handelt. Ich freue mich auf seinen Gastbeitrag zu Nick.