Dienstag, 20. Juni 2017

Ein sicherer Hort?

Gleichzeitig mit meiner Fertigstellung von Weg ins Weltall 71 ist Band 69 erschienen. Die Belegexemplare fanden heute den Weg zu mir. Das Buch habe ich gemeinsam mit Jan Gardemann und Nina Morawietz ist geschrieben, das Exposé stammt von Ben B. Black, das Titelbild wie gewohnt von Ralph Voltz.

Inhaltlich geht es rund, und das auf zwei Handlungsebenen. Ren Dhark sucht mit der in der Kleingalaxis Voktar gestrandeten Point of nach einem Weg zurück in die heimatliche Milchstraße. In eben jener schlägt sich die Galaktische Sicherheitsorganisation mit einem gewissen Utaren herum. Der Klappentext klingt folgendermaßen:

"Der Utare Yak Yakis erweist sich als harter Brocken für die GSO-Agenten Ömer Giray und Liv Sanders. Bevor sie mit ihren Ermittlungen in Sachen der illegalen Cyborg-Technologie fortfahren können, müssen sie zuerst ein Mittel gegen die Bedrohung finden, die der Blaue darstellt. In der Galaxis Voktar werden unterdessen Ren Dhark und seine Getreuen zu Gejagten, deren Chancen äußerst schlecht stehen. Doch es gibt Hoffnung. Ist das, was sie auf ihrer Flucht entdecken, vielleicht ein sicherer Hort?"

Sonntag, 18. Juni 2017

Historische Enthüllungen in Voktar

Ich habe mein Manuskript für den 71. Band des Ren Dhark-Epos fertiggestellt. Mit meinem Beitrag für Lorrons Erbe knüpfe ich unmittelbar an meinen Handlungsstrang aus dem vorangegangenen Buch an. Weiterhin befindet sich das Außenteam um Ren Dhark in einem merkwürdigen Sonnensystem der Kleingalaxis Voktar.
 
Die gestrandeten Raumfahrer von der Erde stoßen auf eine Wesenheit, die schon seit undenklich langer Zeit über diesen Bereich der Kleingalaxis wacht. In welcher Weise und zu welchem Zweck dies geschieht, sei hier natürlich nicht verraten. Jedenfalls erhalten die Terraner Einblick in Ereignisse, die sich vor einer Viertelmillion Jahren in Voktar ereignet haben.
 
In beiden Handlungssträngen schreiten die Handlung und mit ihr die Enthüllungen über die Hintergründe dessen, was sich in Voktar und anderenorts ereignet, mit großen Schritten voran. Als Leser wie als Autor merkt man, dass die Handlung auf einen Höhepunkt zusteuert. In diesem Zusammenhang denke ich bereits an die Ren Dhark-Konferenz, die am kommenden Wochenende in einem Hotel in Bonn stattfindet.

 

Samstag, 17. Juni 2017

The Joshua Tree 1987 im Müngersdorfer Stadion

U2 sind derzeit auf großer Tour. Anlass ist der 30. Geburtstag ihres bahnbrechenden Albumklassikers The Joshua Tree. Spätestens diese Veröffentlichung hatte die vier Iren nach The Unforgettable Fire endgültig zu Superstars gemacht, die weltweit die Stadien füllten.

So auch in Köln, wo sie am 17. Juni 1987 im Müngersdorfer Stadion vor 67.000 Zuschauern spielten. Einer davon war ich. Als Vorgruppen traten Big Audio Dynamite auf, Lou Reed sowie The Pretenders. Weder habe ich Erinnerungen an Lou Reed, noch an die wunderbare Chrissie Hynde. Schade.

Bevor die begeisternde Show begann, ärgerte ich mich gleich am Eingang, und das nicht wenig. Der Abrissstreifen an den Eintrittskarten interessierte die Eingangskontrolleure nämlich herzlich wenig. An der Vorkontrolle, also am Stadioneingang, wurde die halbe Karte abgerissen, am Zugang zum Innenraum dann die zweite Hälfte einbehalten. Für jemanden, der die Karten der von ihm besuchten Konzerte sammelt, ein Unding, ja eine Frechheit. Bloß interessierte das die Deppen an den Kontrollpunkten herzlich wenig. Da half weder gutes Zureden noch Fluchen oder Schimpfen. So etwas habe ich weder vorher bei einem Konzert noch später jemals wieder erlebt.

Das Konzert selbst hielt, was die Erwartungshaltung versprach: Die Stücke, die ich inzwischen auswendig kannte, eine großartige Performance und eine Band auf ihrem vermeintlichen Höhepunkt. Jetzt, 30 Jahre später, spielen U2 im Gegensatz zu damals das komplette Album. Das allein wäre schon Grund genug, sich einen Auftritt anzusehen. Allerdings, und das ist ein schwaches Bild, findet nur ein einziger Auftritt in Deutschland statt, und zwar im Juli in Berlin. Das ist mir doch zu weit, da bleibe ich lieber bei der Erinnerung an den famosen Auftritt 1987 in Müngersdorf, auch wenn die Erinnerung an das Konzert gern deutlicher sein dürfte.

So sah die Setlist damals aus:

Stand By Me
C'mon Everybody
I Will Follow
I Still Haven't Found What I'm Looking For / Exodus (Snippet)
MLK
The Unforgettable Fire
Sunday Bloody Sunday
Exit / Riders On The Storm (Snippet) / Gloria (Van-Morrison-Song) (Snippet)
In God's Country
The Electric Co.
Help!
Bad / Ruby Tuesday (Snippet) / Sympathy For The Devil (Snippet)
New Year's Day
Pride (In The Name Of Love)
Zugabe(n):
Bullet The Blue Sky
Running To Stand Still
With Or Without You / Love Will Tear Us Apart (Snippet)
Party Girl
'40'

Donnerstag, 8. Juni 2017

Einmal noch Smoke on the Water

Als ich Smoke on the Water zum ersten Mal im Radio hörte, hatte ich noch keine Ahnung von Musik, und auf Konzerte ging ich erst recht noch nicht. Ich war auf Anhieb begeistert, auch wenn ich nicht verstand, um was es in dem Lied ging. Doch ähnlich wie später Sultans of Swing von den Dire Straits war es wie eine Initialzündung. Deep Purple hieß die Band, erfuhr ich. Als ich dann zum Konzertgänger wurde, noch nicht ahnend, dass das jahrzehntelang so bleiben sollte, wollte ich diese Band natürlich unbedingt auf der Bühne sehen. Doch Pech gehabt, Deep Purple hatte sich bereits 1976 aufgelöst. Schweren Herzens akzeptierte ich, dass es mir niemals vergönnt sein würde, die Musiker und dieses Stück live zu erleben.

Im Jahr 1984 war ich bei der Bundeswehr und hatte bereits einige Konzerte hinter mir. An einen Auftritt von Deep Purple dachte ich da längst nicht mehr. Wie denn auch? Schließlich existierte die Band seit acht Jahren nicht mehr. Dann berichteten die Kölner Tageszeitungen, die Rocklegenden hätten sich wieder zusammengerauft und ein neues Album sowie eine ausgedehnte Tour ständen auf dem Programm. Ich erinnere mich an ein Preisausschreiben. Ich glaube, es war im Express, aber die Erinnerung könnte mich trügen. Es galt zu raten, welche der alten Stücke die wiederformierte Band auf ihrer Konzertreise spielen würde.
 
Ein neues Album, die Vorstellung fand ich nett. Da ich aber inzwischen von „Machine Head“, „In Rock“, „Fireball“ und dem Live-Meisterwerk „Made in Japan“ infiziert war, erwartete ich keinen großen Wurf. Was sich als Irrtum erweisen sollte, denn das Reunion-Album „Perfect Strangers“ zählt für mich zu den besten Purple-Platten. Ungleich mehr als auf die Scheibe freute ich mich jedoch auf die Tour. Mein Jahre zuvor gehegter und schließlich ad acta gelegter Traum schien in Erfüllung zu gehen. 1985 war die Band auf Tour, und sie spielten ein Open Air auf dem Maimarktgelände in Mannheim. Vermutlich gab es kein Konzert in meiner Nähe, sonst wäre ich nicht nach Mannheim gefahren, per Anhalter, wenn ich mich recht entsinne. Oder doch mit der Bahn? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls hätte mich nichts davon abhalten können.
 
Vor den Headlinern traten vier Bands auf: Meat Loaf, Mountain, Roger Chapman und die Lokalmatadoren Rodgau Monotones. Gleichwohl teils klingende Namen, dürften mir die Vorgruppen ziemlich egal gewesen sein. Ebenso dass es, so meine ich mich zu erinnern, über weite Strecken des Tages regnete. Es war der 29. Juni und mein erstes, jahrelang nicht für möglich gehaltenes Deep Purple-Konzert. Zwei Jahre später sah ich sie in der alten, heute längst nicht mehr existenten Kölner Sporthalle und in den folgenden drei Dekaden immer mal wieder, zuletzt 2015 in der Arena in Oberhausen.
 
Vor wenigen Monaten wurde dann ein neues Album angekündigt. Bei dem Titel „inFinit“ schossen die Spekulationen über ein bevorstehendes Ende der Band ins Kraut. Zudem wurde die anstehende Welttournee als „The Long Goodbye Tour“ angekündigt. Verdenken könnte man den altgedienten Recken den Rückzug ins Privatleben nicht, schließlich sind sie um die Siebzig. In einem Interview in der April-Ausgabe des Musikmagazins Classic Rock und auch an anderer Stelle relativierte Schlagzeuger Ian Paice, der übrigens als Kind zwei Jahre in Köln lebte, die schlimmsten Befürchtungen. Zwar sei das Ende der Band unvermeidlich, doch auch wenn dies die letzte ausgedehnte Welttour sei, können die Musiker sich durchaus vorstellen, kleinere Reisen mit wenigen Auftritten in verschiedenen Kontinenten zu unternehmen. Nicht mal ein weiteres Album schließt der Drummer kategorisch aus. Voraussetzung sei natürlich, dass sie alle gesund blieben.
 
Nun hielt das Hardrock-Flaggschiff in der KölnArena Einzug. Es war das erste Mal, dass ich Deep Purple an diesem Auftrittsort erlebte. Sie begannen mit Time for Bedlam, einem von vier Songs des neuen Albums, die zeigten, dass sich die aktuellen Stücke hinter den Klassikern nicht zu verstecken brauchen. Die folgten dann mit Fireball, Bloodsucker und Strange Kind of Woman in rascher Folge.
 
Ian Paice und Bassist Roger Glover spielten beherzt wie seit fast fünfzig Jahren. Ian Gillan, bei dem ich immer fürchte, dass die Stimme versagt, belehrte mich zum wiederholten Mal eines besseren. Gitarrist Steve Morse sowie Keyboarder Don Airey sind schon lange viel mehr als bloßer Ersatz für Ritchie Blackmore und Jon Lord – auch wenn diese beiden im Line Up der Band für mich unerreicht bleiben. Morse ist ein hervorragender Gitarrist, und Aireys ausgedehntes Solo erinnerte an Glanzzeiten des großen Jon Lord. Da standen fünf wunderbare, fünf beseelte Musiker auf der Bühne, die sich ihres Könnens und ihrer Fähigkeiten bewusst sind, die nichts mehr beweisen müssen und vielleicht gerade deswegen umso mehr Spaß an ihrem eigenen Spiel haben.
 
Es entwickelte sich ein Parforceritt durch die Jahrzehnte und durch die verschiedenen Schaffensphasen der Band. Als Perfect Strangers vom Wiedervereinigungsalbum erklang, ahnte man, dass es dem Finale entgegengeht, das dann mit Smoke on the Water, wie könnte es anders sein, seinen Höhepunkt erreichte. Lautstark wurde der große Klassiker aus mehreren tausend Kehlen mitgesungen. Als Zugabe gab es dann wie von mir erwartet Hush vom allerersten Album von 1968 und schlussendlich das abermals von den Fans mitgesungene Black Night.
 
Keine Frage, Deep Purple präsentierten sich noch einmal wie zu besten Zeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie wirklich aufhören. Dazu sind sie zu spielfreudig, zu sehr voller Energie und einfach noch viel zu gut. Dieses Konzert wäre zwar ein würdiger Abschluss für mich, aber Ian Paice's zurückhaltende Andeutungen im Interview lassen mich hoffen, dass es das noch nicht war mit Deep Purple. Ansonsten ginge für mich wirklich eine Ära zu Ende. Aber mindestens einmal möchte ich gern noch – nun ja, es steht in der Überschrift.

Setlist: 1. Time for Bedlam / 2. Fireball / 3. Bloodsucker / 4. Strange Kind of Woman / 5. Johnny's Band / 6. Uncommon Man / 7. The Surprising / 8. Lazy / 9. Birds of Prey / 10. Hell to Pay / 11. Keyboard Solo / 12. Perfect Strangers / 13. Space Truckin' / 14. Smoke on the Water / 15. Hush / 16. Bass Solo / 17. Black Night.
 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Hundertster Geburtstag Kurt Brand

Der deutsche Schriftsteller Kurt Brand wurde am 10. Mai 1917 geborgen. Heute wäre der in Wuppertal geborene Mann, der zwei eigene Science Fiction-Serien erdachte und aus der Taufe hob, 100 Jahre alt geworden. Er starb jedoch 1991 im Alter von 74 Jahren in seiner Wahlheimat Kaltern in Südtirol.

Bevor Kurt Brands Laufbahn als Schriftsteller Fahrt aufnahm, baute er nach dem 2. Weltkrieg in Köln zunächst die größte private Leihbücherei Deutschlands auf. Nachdem er diese aus finanziellen Gründen aufgeben musste, veröffentlichte er bereits in den Fünfziger Jahren seine ersten Science Fiction-Romane, wodurch er heute zu den Pionieren der deutschen SF-Szene zählt. Daneben schrieb er aber auch zahlreiche Western, Krimis und Abenteuerromane unter einer ganzen Reihe von Pseudonymen.


In der Frühzeit der Perry Rhodan-Serie gehörte er zu deren Autorenteam und verfasste knapp vierzig Romane für den Erben des Universums. Zudem stammt ein Rhodan-Planetenroman aus seiner Feder, und er schnupperte in die neue Atlan-Heftserie hinein. Doch bereits 1965 schied er bei Perry Rhodan wieder aus - im Streit, wie es heißt.

Mit der SF-Erfahrung und seiner Reputation als Heftromanautor kam Kurt Brand danach auf die Idee, seine eigenen Serien zu gestalten. So schuf er Anfang der Siebziger Jahre Raumschiff Promet, zunächst unter dem Serientitel Arn Borul - Von Stern zu Stern. Die Promet fliegt noch heute, und zwar sowohl als Neuschreibung der klassischen Abenteuer als auch mit neuen Geschichten.

Kurt Brands größter Erfolg war jedoch die Ren Dhark-Serie, die von 1966 bis 1969 lief. Mit Band 98 stellte der Kelter-Verlag die Serie ein, obwohl noch eine Menge Potential vorhanden war, wie der heutige Erfolg der seit Jahren laufenden Ren Dhark-Fortsetzungen in Buchform zeigt. Doch damals sah es offenbar anders aus.

Später verfasste er noch zahlreiche Einzelromane und Mini-Zyklen im Bereich der Science Fiction. Er hinterließ Fußspuren bei Terra, der Zeitkugel, Professor Zamorra, Kommissar X, Fledermaus, Checkpart 2000, Geister-Krimi, Gespenster-Krimi, Mondstation 1999 und Jerry Cotton. Schätzungen zufolge schrieb und veröffentlichte Kurt Brand zwischen 900 und 1000 Romanen.

Wenn ich mich recht erinnere, sah ich Kurt Brand ein einziges Mal. Auf dem Perry Rhodan Weltcon in Karlsruhe muss das gewesen sein. Meine Verbindung zu ihm besteht natürlich in der Mitarbeit an den heutigen Fortsetzungen seiner beiden Serien. Für Raumschiff Promet habe ich rund zwei Dutzend Romane geschrieben, und bei Ren Dhark gehöre ich seit fünfzehn Jahren zum Autorenteam. Heute erhebe ich das Glas auf Kurt Brand, seine Produktivität und seine umfangreiche literarische Hinterlassenschaft.

Dienstag, 9. Mai 2017

Intercomic 81

Ich weiß nicht, seit wie vielen Jahren ich die Intercomic inzwischen besuche, am vergangenen Samstag fand sie jedenfalls zum 81. Mal statt. Dabei handelt es sich bei der halbjährlich in der Köln-Mülheimer Stadthalle stattfindenden internationalen Comic- und Romanmesse um eine Veranstaltung, die nie langweilig wird. Dafür sorgt schon die ganz eigene Atmosphäre.

Auch diesmal drehte sich ganz viel um Comics und ein wenig um Romane. Mangas und Independent, Fantasy, Krimi und Horror. Und natürlich Science Fiction, klar. Zahlreiche Autoren, Zeichner, Illustratoren und Cartoonisten waren zugegen und standen den Besuchern für Autogramme zur Verfügung. Programm gab es auch: Ein Manga- und Anime-Experte verglich Superhelden in Ost und West (nichts für mich), es gab einen Blick auf 75 Jahre Wonder Woman (auch nicht mein Ding) und auf 50 Jahre deutsches MAD-Magazin. Letzteren Programmpunkt hätte ich mir sogar angesehen, wenn ich rechtzeitig darauf aufmerksam geworden wäre.

Doch viel wichtiger sind auf der Intercomic ohnehin die persönlichen Kontakte, die Besuche bei Verlagen, mit denen mich etwas verbindet, die kleinen Schwätzchen mit Bekannten und Kollegen. Ich signierte Romane und Plakate beim Verlag Peter Hopf, wühlte in Bücherstapeln beim Blitz-Verlag, saß am Stand der Romantruhe mit Rüdiger Schaefer und Robert Corvus im Blitzlichtgewitter der Fotografen und blätterte beim Mohlberg-Verlag neue Nick-Comics durch. Mit Lassiter-Autor Des Romero trank ich ein Kölsch, mit dem Verleger, Autor und Rollenspielpionier Werner Fuchs plauderte ich gern wie immer, und mit dem Berliner Autor Thomas Knip sprach ich über eine neue SF-Serie.

Ein bisschen Lesefutter nahm ich auch mit. Das neue Hansrudi Wäscher-Magazin ist ebenso Pflichtlektüre wie das Magazin für Comic- und Nostalgiefreunde Sammlerherz. Beide werde ich demnächst an dieser Stelle besprochen. Die nächste Intercomic findet am 4. November statt.

Freitag, 5. Mai 2017

A.R. Penck 1939 - 2017

Der bekannte und bedeutende deutsche Künstler A. R. Penck wurde 1939 in Dresden geboren. Sein bürgerlicher Name lautete Ralf Winkler. Er war Maler, Grafiker, Bildhauer und Jazzmusiker und benutzte auch die Pseudonyme Mike Hammer, Mickey Spilane und Theodor Marx. Seine Werke stehen heute in verschiedenen Museen und Kunstinstituten in Hamburg, Frankfurt, Zürich, Amsterdam Straßburg und New York. A. R. Penck starb am 02.05.2017 in Zürich. Er wurde 77 Jahre alt.

Mir ist sein Name aus dem Umfeld der Perry Rhodan-Serie bekannt. Für die 1993 im Zsolnay-Verlag erschienene Perry Rhodan-Kunstedition entwarf Penck die Umschläge und weitere Illustrationen für die ersten fünf Bücher. Die dritte Macht, Das Mutanten-Korps, Der Unsterbliche, Der kosmische Lockvogel und Vorstoß nach Arkon erschienen in einer roten Holzkassette, die heute noch in meinem Bücherregal steht.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Das galaktische Archiv

Die Neuschreibung von Kurt Brands Science Fiction-Klassiker Raumschiff Promet schreitet weiter voran. Rechtzeitig zur am kommenden Wochenende stattfindenden Intercomic ist das 17. Taschenbuch der Serie erschienen. Mein Roman Das galaktische Archiv schließt nahtlos an an den Vorgängerband Tötet Harry T. Orell an, an dessen Ende der Konzernchef der HTO einem Attentat zum Opfer fiel.

Ein klassisches Motiv des Künstlers Rudolf Sieber-Lonati schmückt das Titelbild, und der Klappentext verrät: Angelockt vom Klang einer unheimlichen Stimme, entdeckt die Besatzung der Promet das Galaktische Archiv. Bei einer Reise in die Vergangenheit erleben die Raumfahrer das vernichtende Inferno der Schwarzen Raumer. Währenddessen kämpft Harry T. Orell auf der Erde um sein Leben.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Agenten, Utaren und Rateken

Häufiges Titelbildmotiv bei Science Fiction-Serien sind Raumschiffe, in den Weiten des Weltalls, im planetennahen Raum oder beim Anflug auf einen Planeten. Ich mag das, doch mehr noch mag ich die optische Darstellung von handlungstragenden Figuren oder von Angehörigen auftretender Fremdvölker.

Gleich mit beidem erfreut Ralph Voltz auf dem Titelbild, das er für Ren Dhark 69 geschaffen hat. Ob es sich bei Ein sicherer Hort? tatsächlich um einen solchen handelt, sei bis zum Erscheinen des Buches dahingestellt, doch zeigt das Motiv vorab, wer im Roman mitspielt.

Links sehen wir die GSO-Agenten Liv Sanders und Ömer Giray, im Vordergrund sucht der Utare Mok Moklis Deckung, und rechts drängen sich drei schießwütige Rateken ins Bild. Sowohl Utaren als auch Rateken eignen sich immer wieder gut für eine Visualisierung.



Dienstag, 2. Mai 2017

Tibor und das phantastische Element

Wenn mir 2011 jemand gesagt hätte, dass ich 2017 die Arbeit an den Romanadaptionen der ersten Tibor-Serie abschließe, hätte ich es wohl nicht geglaubt. Zumindest wäre es Zukunftsmusik mit unwirklichem Klang gewesen. Damals führten Peter Hopf und ich erste Gespräche über die Umsetzung der Wäscher-Comics in Romanform. Es geschah auf der Intercomic in Köln, und es ging zunächst ausschließlich um Tibor. Als alter Wäscher-Enthusiast plante Peter, die Bücher mit den Geschichten des Dschungelhelden in seinem Verlag zu publizieren. Dass später weitere Adaptionen, beispielsweise von Nick und Falk, folgen sollten, stand seinerzeit erst recht noch in den Sternen.

Doch was damals wie ein Märchen aus der Welt von morgen geklungen hätte, ist nun Wirklichkeit geworden. Ich habe tatsächlich ein ENDE unter das elfte Tibor-Manuskript gesetzt. Damit ist also die erste Tibor-Serie abgeschlossen. In ihr habe ich insgesamt 187 Streifenheftchen, wie man sie damals auch nannte, verarbeitet. Für das letzte Buch waren es die Piccolo-Ausgaben 167 bis 187.

In seinem elften Abenteuer bekommt es Tibor mit einem verrückten Wissenschaftler zu tun. Der Mad Scientist, ein beliebtes Motiv in der Science Fiction, hat damit seinen Einzug in den Dschungel Afrikas gefunden. Hansrudi Wäscher sprach in seiner Geschichte schon vor über einem halben Jahrhundert den Hunger in der Welt an und nahm ihn als Aufhänger für einen Forscher, der eigentlich Gutes im Sinn hat. Er will mit seinen Experimenten nämlich eben jenen Hunger für immer besiegen. Doch bedient er sich, um sein Ziel zu erreichen, nicht nur zweifelhafter, sondern höchst verwerflicher Methoden. Mit einem Wachstumsmittel schafft er riesige Tiere und dehnt seine Versuche schließlich auf Menschen aus.

Es ergibt sich, dass Tibor sich einer dieser Züchtungen gegenübersieht, einem zum Riesen gewordenen Menschen. Schon früher führte Hansrudi Wäscher phantastische Elemente in die Dschungelserie ein. So wurde Tibor in Band 7 mit Titel Aufbruch ins Unbekannte mit einer von der Venus zur Erde gelangten Riesenpflanze konfrontiert.

Auch wenn die erste Tibor-Serie beendet ist, geht es mit dem Herrn des Dschungels in Romanform weiter. Schließlich gab es eine zweite Serie, und auch diese werde ich das Vergnügen haben, für den Verlag Peter Hopf adaptieren zu dürfen.

Sonntag, 23. April 2017

Welt der Kenporim

Der neue Ren Dhark ist erschienen, und meine Belegexemplare sind eingetroffen. Den Roman habe ich diesmal zusammen mit Jan Gardemann und Nina Morawietz geschrieben. Das Exposé zum 68. Band von Weg ins Weltall stammt von Ben B. Black, das Titelbild wie immer von Ralph Voltz. Wohin es Ren Dhark und die Point of im neuen Buch verschlägt, verrät der Titel Welt der Kenporim. Was es allerdings mit dieser Welt auf sich hat, müsst ihr selbst lesen.

Der Klappentext - der gar kein Klappentext ist, sondern ein Rückseitentext - offenbart über den Buchinhalt folgendes: "Die beiden GSO-Agenten Ömer Giray und Liv Sanders erfahren mehr und mehr über die Machenschaften der Vereinigung der Alten Völker. Allerdings kommen sie dabei auch einem nicht gerade zimperlichen Utaren sehr nahe, an dem sich schon andere die Zähne ausgebissen haben. Etwa zur selben Zeit werden Ren Dhark und seine Begleiter gezwungen, länger in der Galaxis Voktar zu verbleiben, als ihnen allen lieb ist. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, in die heimatliche Milchstraße zurückzukehren, stoßen sie auf die Welt der Kenporim."

Donnerstag, 20. April 2017

William Voltz - Galaktische Station 17

Transmitterstationen durchziehen die Milchstraße, die ein müheloses und weitgehend zeitverlustfreies Reisen von einer Welt zur anderen ermöglichen. Allerdings sind sie Völkern vorbehalten, die die sogenannte Allianz bilden, einen Völkerbund, dem auch die Menschen angehören. Spezies, die wegen Verfehlungen aus der Allianz ausgeschlossen werden, verlieren das Privileg, die Transmitterverbindungen zwischen den galaktischen Stationen benutzen zu dürfen. Für sie ist es wie ein Rückschritt in die Steinzeit, und einige dieser Völker schließen sich zu den Abtrünnigen zusammen.
 
Der Terraner Curd Seay ist seit acht Jahren Wächter auf einer dieser Stationen, der Galaktischen Station 17, und er versieht seine Arbeit mit Hingabe. Es ist eine einsame Aufgabe. Zwar kommt es zu häufigen, doch oberflächlichen Kontakten mit den Reisenden. Seays einzige dauerhafte Gefährten sind ein anhänglicher Hund und ein altersschwacher Roboter. Zu beiden unterhält er eine emotionale Beziehung. Unwillkürlich musste ich an Perry Rhodan-Roman 757 denken, ebenfalls von William Voltz geschrieben, in dem Alaska Saedelaere auf die verwaiste Erde zurückkehrt und sich mit einem herrenlosen Hund zusammentut, den er Callibso nennt.
 
Eines Tages wird ein Planet der Allianz von Raumschiffen überfallen, die eine irdische Kennung tragen. Tatsächlich stecken die Abtrünnigen hinter dem Überfall, doch das interessiert die Allianz nicht. Zur Strafe schließt sie Terra aus dem Völkerbund aus. Sämtliche terranischen Wächter werden durch Angehörige anderer Völker ersetzt. Lediglich Curd Seay darf vorübergehend und nach eingehender Überprüfung seiner Loyalität seinen Dienst weiter versehen. Dadurch und durch die exaltierte Position der Galaktischen Station 17 steht er schon bald im Brennpunkt der Ereignisse, die auf einen interstellaren Krieg zusteuern. Als die Station besetzt wird, setzt Seay alles daran, den drohenden Krieg zu verhindern.
 
William Voltz legte mit dem 1984 bei Moewig erschienenen Roman ein klassisches Weltraumabenteuer vor. Die stringent erzählte Geschichte entwickelt sich vom Alltagsleben des Protagonisten, in das sich früh ein dramatischer Zwischenfall mischt, zu einem Höhepunkt, in dem es um nicht weniger als Sein oder Nichtsein geht. Die durchgehend spannende Handlung, flüssig und mit beschwingter Feder geschrieben, packte mich über weite Strecken als echter Pageturner mit einem äußerst sympathischen Handlungsträger.
 
Doch William Voltz belässt es nicht bei einer spannenden und abenteuerlichen Geschichte. Er benutzt sie als Vehikel, um für Verständnis und Toleranz zu werben. Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern sind selbstverständlich und lassen sich nicht glattbügeln, und das sollen sie auch gar nicht. Viel wichtiger ist es, so WiVos Credo, die Unterschiede zu akzeptieren, auch wenn man sie aus der eigenen Sichtweise nicht versteht. Im Gegensatz zu manch anderem – und das sehe ich in der heutigen Politik und Gesellschaft stärker denn je – braucht Voltz weder erhobenen Zeigefinger noch überhöhte Mahnung, sondern ordnet diese Botschaft ganz unaufdringlich der Geschichte unter, die ich tatsächlich mehr oder weniger in einem Zug durchgelesen hab.
 
Galaktische Station 17 ist auch über dreißig Jahre nach Erscheinen noch ein empfehlenswerter Roman. Und ich halte jetzt Ausschau nach den nächsten Voltz-Romanen, die mir noch in meiner Sammlung fehlen. Denn WiVo zu lesen macht mir heute noch genauso viel Spaß wie zu meiner Schul- und Jugendzeit.


William Voltz: Galaktische Station 17
Moewig Science Fiction 3828
Arthur Moewig Verlag 1984
Taschenbuch, ca. 160 Seiten, DM 8,80
Mit einem Vorwort von William Voltz.


Mittwoch, 19. April 2017

Classic Rock 59

Vom Titelbild der April-Ausgabe schaut einem ein grimmig dreinblickender Jim Morrison entgegen. Der Aufmacher ist das vor 50 Jahren erschienene Debütalbum. Vierzehn Seiten sind dem Quartett, das die Welt musikalisch auf den Kopf stellte und bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat, und seinem ersten Album gewidmet. Ein paar Songs von ihnen gibt es, bei denen brauche ich bloß die Augen zuzumachen, um das Gefühl zu haben, mich schlagartig in einem anderen Universum aufzuhalten, und wenn The End Apokalypse Now einen noch düstereren Anstrich verleiht, als ihn der Film ohnehin hat, geht es kongenialer kaum. Doch mindestens ebenso viel von den Doors hat sich mir nie erschlossen. Zum Komplettverständnis hätten sie mir vielleicht den Weg in die nächste Whiskybar zeigen müssen.
 
Ganz anders Deep Purple, die ich seit Dekaden aufsauge und die bekanntlich zu meinen All Time Favourites gehören. Sie sind inzwischen seit 50 Jahren dabei. Im Vorfeld des neuen, des 20. Studioalbums sprossen die Spekulationen wie Krokusse im Frühjahr, trägt das Album doch den reichlich Interpretationsspielraum gewährenden Titel Infinite. Das letzte Album? Okay. Das hörte man andeutungsweise. Aber darüber hinaus? Womöglich das Ende der Band? Für mich unvorstellbar – obwohl mein Glaube an das Unendliche in der Rockmusik nach Lemmys Tod und der Final Tour von Black Sabbath doch arg ins Wanken geraten ist. Aber ich will ja nicht das Schlimmste annehmen, sondern das Beste. Also weitermachen, bitte. Zu diesem und anderen Themen interviewt Paul Schmitz das einzig durchgängige Stammmitglied von Deep Purple Ian Paice. Nach dem Lesen bin ich, wie ich gestehen muss, nicht viel schlauer als vorher. Ein abruptes Ende der Band wird es zumindest nicht geben, und das ist schon mal viel wert.
 
Die Meilensteine beleuchten Eddie Cochrans tragisch-frühen Tod, des just verstorbenen Jaki Liebezeit wird gedacht, und Steel Panther kommen mit einigen ihrer Aussagen mehr als merkwürdig daher. Bonfire setzen noch immer volle Fahrt voraus, in den Rock-Mythen gibt es mit dem Tod des Soul-Prinzen Marvin Gaye eine weitere Tragik zu bedauern, und Blackberry Smoke, von denen ich nichts bewusst kenne, muss ich mir wirklich mal zu Gemüte führen. Nett der Blick auf alte Eintrittskarten, sammle ich die meinen doch auch schon seit dreieinhalb Dekaden. Steve Hackett gibt sich im Interview charmant und bleibt politisch-kritisch auf Kurs, Wilko Johnson ist dem Tod von der Schippe gesprungen, und John Watt und Fischer Z sind immer noch da. Hach ja, Red Skies Over Paradise. Ein Highlight ist die Werkschau-Auslese von Judas Priest. Die Truppe um Rob Halford gehört für mich zu den Speerspitzen nicht nur der NWOBHM, sondern des Metal generell, des melodischen noch dazu.

Freitag, 14. April 2017

Jimmy witzelt

Das tut der künstliche Scotchterrier diesmal ausgiebig. Er wird damit einmal mehr dem Kosenamen gerecht, mit dem ihn sein Erbauer Chris Shanton zuweilen belegt: Kodderschnauze. Ansonsten wird der kleine Roboterhund mit den zahlreichen Fähigkeiten zuweilen als Brikett auf Beinen bezeichnet, was seinem pechschwarzen Fell geschuldet ist.
 
Ich habe das nächste Manuskript für Ren Dhark fertiggestellt. Die Akte Grovis läutet das letzte Viertel des laufenden Zyklus ein. Beim Schreiben fiel mir auf, dass sich Jimmy, ohne dass mir das bislang richtig aufgefallen wäre, immer mehr zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt. Als humoriges Element muss er nicht immer mit dem Ernst zur Sache gehen wie beispielsweise Ren Dhark selbst. Also können er und ich schon mal Blödsinn machen.
 
Ren Dhark selbst steht in meinem neuen Manuskript im Mittelpunkt der Handlung. Zusammen mit einem Außenteam sucht er in einer merkwürdigen kosmischen Enklave nach Informationen. Die könnten sich als lebenswichtig erweisen, denn noch immer sitzen die Raumfahrer von der Erde als Gestrandete in der Galaxis NGK 3109 fest, in Voktar, wie die Kleingalaxis von ihren Bewohnern genannt wird, und werden gejagt von den erbarmungslosen Friedensstiftern und deren schießwütigen Vasallen. Auch meine anderen Lieblingsfiguren Chris Shanton und Arc Doorn sind mit von der Partie, ebenso wie der zur Künstlichen Intelligenz gewordene Roboter Artus und einige Cyborgs.
 

Donnerstag, 13. April 2017

Waldemar Kumming 1924 - 2017

In der deutschen Science Fiction-Szene gehörte Waldemar Kumming, geboren am 31. Juli 1924, zu den Urgesteinen. Untrennbar verbunden ist sein Name mit dem Fanzine Munich Round Up, das er 1958 mit einigen anderen Fans aus der Taufe hob. MRU, wie es abgekürzt wurde, widmete er sich über fünfzig Jahre lang. Ich erinnere mich daran, in den Achtziger Jahren die eine oder andere Ausgabe in der Hand gehabt zu haben.

Überhaupt war Waldemar Kumming über Dekaden im nationalen wie im internationalen Fandom aktiv. So war er auf zahlreichen SF-Cons anzutreffen, beispielsweise auf den Jahrescons des Science Fiction Club Deutschland oder auf verschiedenen Worldcons. Ich habe ihn – auch das muss in den Achtziger Jahren gewesen sein – ein paar Mal gesehen, doch stets nur aus der Ferne. Zu einem persönlichen Kontakt kam es nie.

Waldemar Kumming wurde auf dem Worldcon 2005 mit dem Big Heart Award für seine internationalen Aktivitäten ausgezeichnet. Er starb, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 5. April 2017. Waldemar wurde 92 Jahre alt.

Montag, 3. April 2017

Kölner Szenewirt Clemens Böll gestorben

Wenn in Zusammenhang mit Köln der Name Böll fällt, denkt man unwillkürlich an Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll. Doch auch dessen Neffe ist eine stadtbekannte Kölner Persönlichkeit. Clemens Böll hat sich über rund vier Dekaden einen Namen in der Kölner Kneipenszene gemacht.

Bekannte Namen haben die Läden, an deren Eröffnung er beteiligt war oder die er bewirtete, beispielsweise das Alcazar, das Tingel Tangel und am Barbarossaplatz der Rockschuppen Luxor. Und natürlich das Chlodwig-Eck, für mich ganz besonders das Chlodwig-Eck, nur einen Steinwurf entfernt vom Chlodwigplatz am Eingang zur Annostraße gelegen, gleich neben dem dortigen Obdachlosenasyl und mit Blick aufs Severinstor.

Ich lernte das Chlodwig-Eck in den frühen Achtziger Jahren kennen. Wenige Fußminuten weiter, im Humboldt-Gymnasium, kämpfte ich mich durch meine Oberstufenzeit. Statt dem Unterrichtsstoff zu folgen, begab ich mich oft genug schon vormittags ins Chlodwig-Eck, mit T. und O., und wir hingen dort ab, weil auch die BAP-Musiker zu Beginn ihrer Karriere dort ihr Wohnzimmer aufgeschlagen hatten.

Sicher hat uns Clemens damals so manches Kölsch serviert, wenn ich auch gestehen muss, mich heute nicht mehr an ihn hinter der Theke erinnern zu können. Nun ist Clemens Böll im Alter von 71 Jahren gestorben. Mit ihm geht ein Stück Kölner Kneipenkultur, obwohl das Chlodwig-Eck schon lange ohne ihn weiterbesteht. In Köln wurde schon zu Clemens Bölls Lebzeiten ein Bier nach ihm benannt, das Böll-Bier.

Sonntag, 26. März 2017

Sprechblase 236

Die 236. Ausgabe der Sprechblase legt den Schwerpunkt auf Michel Vaillant, den ich aus den Zack-Heften der Siebziger Jahre kenne. Die Rennfahrerserie, die Zeichner und Autor Jean Graton, heute 93 Jahre alt, 1957 schuf, umfasst mittlerweile über siebzig Alben und erfreut sich bis heute mit neuen Geschichten großer Beliebtheit. Auf dreißig Seiten befasst sich die Sprechblase mit dem bekannten, dem neuen und dem unbekannten Michael Vaillant und wartet dabei mit einer Fülle an Informationen und Bildmaterial auf. Interessant fand ich vor allem den Bericht über diverse Vaillant-Kurzgeschichten, die für die Werbebranche entstanden und nie auf Deutsch erschienen sind. Eins dieser Abenteuer, vierseitig, findet sich hier zum ersten Mal in deutscher Übersetzung.

Thematisch naheliegend ist die neue Welle der Rennfahrercomics im Windschatten von Michel Vaillant, eine mehrseitige Fleißarbeit, so dass das halbe Heft von diesem Thema beherrscht wird. Anderweitige Artikel fallen demzufolge eher kurz aus. Mit dem zur Verfügung stehenden Platz hat die Sprechblase bei dem stets vorliegenden Material ohnehin in jeder Ausgabe zu kämpfen. Stefan Meduna beschäftigt sich mit der Rückkehr des Corto Maltese, und Herbert Heinzelmann blickt zurück auf den 17. Erlanger Comic Salon. Eine Würdigung erfährt der im vergangenen Jahr verstorbene italienische Zeichner Gallieno Ferri, ebenso die Luxemburger Ikone Luke Haas durch die Worte seiner Tochter Natalie. Herausgeber Gerhard Förster beschäftigt sich mit Russ Mannings in Zeitungen erschienenen Tarzan Daily Strips, und Asterix erobert wieder einmal Rom.

Opulente achtzehn Comicseiten schließen das neue Sigurd-Abenteuer um die Rätsel von Rothenstein ab. Anlässlich der auch bereits in Albumform publizierten Geschichte, die Gerhard Förster und Martin Frei auf die Beine gestellt haben, interviewt der eine den anderen. Der schöne zweiseitige Funny "Gefährliche Liebschaften" legt augenzwinkernd dar, wie Gerhard sich bei der Ausarbeitung der weiblichen Figuren in eben jene verliebt hat. Harrys bunter Medienmix und die Generation Lehning runden das Heft ab. Hundert proppevolle Magazinseiten bieten wieder einmal eine Menge, sodass die Sprechblase Pflichtlektüre und Lesevergnügen gleichermaßen bleibt.

Montag, 20. März 2017

Dudelsack und roter Hut

Hansrudi Wäschers Ritter Falk von Steinfeld und Bingo Della Rocca setzen ihre Reise in den Süden fort, sowohl in ihrer als auch in unserer Realzeit. Den Winter über haben sie gerastet und es sich in der Wärme einer Burg gutgehen lassen, da der Weg über die Alpen unpassierbar war – und ich habe sie rasten lassen. Nun, bei Frühjahrseinbruch, sind die Wege und Pfade schneefrei und die Brücken und Steige im Gebirge wieder passierbar. Wir erinnern uns: Bingo hat einerseits Sehnsucht nach seiner Heimat und möchte sie endlich wieder einmal besuchen, und andererseits braucht er neue Zutaten für seine Zaubertricks, die er nur im Morgenland erhält.
 
Mit einem Lächeln im Gesicht habe ich die Arbeit an einem weiteren Manuskript für die Falk-Buchreihe beendet. Zumindest kam es mir so vor, denn es gab eine Menge witziger Szenen, die nicht weniger Spaß gemacht haben als die spannenden und actionreichen. Im Vergleich zu den ersten sechs Falk-Büchern sticht ein Unterschied hervor. Es gibt keine stringente Romanhandlung, wie der Leser es gewohnt ist, da es sich bei der Adaption nicht um eine lange Wäscher-Geschichte handelt. Stattdessen umfasst die Buchversion den Inhalt von fünf Falk-Sonderbänden. Ich würde es vergleichen mit fünf Kurzgeschichten oder Erzählungen, die jeweils in sich abgeschlossen sind, allerdings durch einen sie miteinander verbindenden roten Faden durchaus auch als Roman gelesen werden können. Erscheinen wird das Buch nach dem noch ausstehenden 6. Abenteuer Eine Sage wird Wirklichkeit. Ein Titel steht derzeit noch nicht fest.
 
Natürlich ist der Reiseweg – was unsere Helden erfahren müssen und Autor und Leser gleichermaßen freut – lang und steckt voller Gefahren. So ist die Überschrift dieses Posts nicht willkürlich gewählt. In der Geschichte spielen sowohl ein Dudelsack als auch ein markanter roter Hut wichtige Rollen. In einer Burgruine sehen sich Falk und Bingo zudem unvermittelt einem fliegenden Geist gegenüber. Ein alter Freund Bingos scheint zum geldgierigen Vampir geworden zu sein, und die Freunde treffen sogar auf einen Drachen und einen Drachentöter. Wenn da mal alles mit rechten Dingen zugeht.

Sonntag, 19. März 2017

Classic Rock 58

In der März-Ausgabe meines bevorzugten Musik-Magazins beschäftigen sich Redakteure und Mitarbeiter mit den „100 besten Alben der 80er“. Eine solche Aufstellung ist natürlich subjektiv bis zum geht-nicht-mehr, und das ist das Gute daran. Man mag zustimmen, man kann zweifeln, man darf sich daran reiben. Es gibt Konsens, es gibt Dissens. Wie schlimm wäre es doch, hätten alle den gleichen Geschmack. Ich mag solche Contests, ähnlich wie die Jahresrückblicke im Best-of-Modus. In den vorliegenden Top 100 findet sich alles: von Industrial (Bauhaus) bis Punk (Dead Kennedys), von AOR (Foreigner) bis Heavy Metal (Metallica), von Folk-Punk (The Pogues) bis zu Singer/Songwriter-Folk (Bob Dylan), dazu ganz viel Pop und einige Sachen, die ich nicht zuordnen kann – was man ja auch beileibe nicht bei allem muss.

Auf dem Siegertreppchen tummelt sich der Heavy Metal. Auf Platz 3 liegt High'n'Dry von Def Leppard, davor rangiert Van Halen mit Women And Children First, und ganz oben steht Black Sabbath mit dem durchaus epochalen Heaven And Hell. Sechzehn der aufgeführten Alben sind in meinem Besitz, manche kenne ich nicht, nicht einmal die Bands. Bei anderen wundere ich mich. Iron Maidens Piece Of Mind statt Number Of The Beast? Springsteens Tunnel Of Love statt des Jahrhundertwerks Born In The USA? Von den Großtaten der Dire Straits gar nichts? Auch keine Guns'N'Roses? Die Regeln könnten eine Erklärung dafür liefern, zum Beispiel: „Die bekanntesten Alben sind tabu.“ Aha. Neil Youngs Freedom ist dabei und wäre es bei mir auch. Aber Manowar mit Battle Hymns? Nun ja. Aber wie gesagt, darüber kann man trefflich streiten, und das ist schön.
 
Selbstverständlich hat die 58. Ausgabe von CLASSIC ROCK auch darüber hinaus eine Menge zu bieten. Die Rückblende dreht sich diesmal um Randy Rhoads. Ozzys Knappe starb vor 35 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Kein Jahr zuvor war der junge Ausnahmegitarrist vom Fachblatt Guitar Player als bestes neues Talent ausgezeichnet worden. Eine Tragödie, fürwahr. Chris Franzkowiak würdigt in seinem Artikel „Judas Priest – Zeitgeist auf der Überholspur“ das vor 30 Jahren erschienene bahnbrechende Album Turbo, und die Werkschau-Auslese widmet sich den AOR-Urgesteinen Survivor. Dass die Wirklichkeit die Berichterstattung zuweilen weit hinter sich lässt oder gar ad absurdum führt, beweist der Tod von Rick Parfitt. Wurde in der vorigen Ausgabe noch verkündet, der Status Quo-Gitarrist befinde sich nach schweren gesundheitlichen Problemen auf dem Weg der Besserung, gibt es diesmal einen Nachruf auf den jüngst Verstorbenen. Auch das tragisch.

Donnerstag, 9. März 2017

Hubert Haensel - Unendliches All

Darauf muss ich an dieser Stelle natürlich unbedingt hinweisen, weil ich mich über die Veröffentlichung freue: Nun ist er da, der lang erwartete Nick-Roman von Hubert Haensel. Mit Band 8, Unendliches All, legt der bekannte Autor, der unter anderem für Perry Rhodan schreibt und für Ren Dhark schrieb, einen Gastbeitrag für die Nick-Reihe vor, auf den viele seiner Fans gewartet haben.

Fan war er selbst einmal. Als Jungen brachten ihn Hansrudi Wäschers Nick-Comics zur Science Fiction, und so schließt sich in gewisser Weise ein Kreis. Denn für Hubert war es eine Herzensangelegenheit, selbst einmal schriftstellerisch in Nicks Welt einzutauchen und dem Weltraumhelden aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts literarisches Leben einzuflößen. Das ist ihm mit seinem Roman in beeindruckender Weise gelungen.