Freitag, 31. August 2012

Runrig endlich wieder am Rhein

Wenn Aufnahmen der Highlands, von Möwen über gischtender Küste und einsamen Landstraßen inmitten grüner Hügel über die Leinwand flimmern, wenn im Publikum schottische Fahnen geschwenkt und Schals gehoben werden und wenn Männer in Kilts an einem vorbeilaufen, dann weiß man, daß Runrig auf der Bühne stehen. So wie gestern Abend auf dem Open Air Gelände des Kölner Tanzbrunnens, wo ich sie schon Mitte der Achtziger live gesehen habe. Nach einer achtzehnmonatigen Tourneepause sind die schottischen Folkrocker wieder unterwegs.

Los ging es mit Stamping Ground und zu Ende mit Loch Lomond und And We'll Sing. Dazwischen lagen rund zwei Stunden mit bekannten und weniger bekannten Songs. Es gab ein Wiederhören mit Alba, Protect and Survive, mit Everything You See, Skye und Beat The Drum. Mal wurde auf Gälisch gesungen, mal gab es einen akustischen Ausflug mit Gitarre oder Tasten. Zu einem Lied kamen sie mit umgeschnallten Trommeln auf die Bühne, zu einem anderen mit Akkordeons. Einige der alten Stücke waren zudem völlig neu arrangiert.

Selten habe ich den Tanzbrunnen so gut gefüllt gesehen. Jung und Alt hatten ihre Freude an den Musikern, denen man wieder einmal anmerkte, welchen Spaß ihnen das macht, was sie auf der Bühne präsentieren. Schön war's, musikalisch klasse, frenetisch, ergreifend. Diesmal gefehlt haben mir nur die Dudelsäcke. Nächstes Jahr feiern Runrig ihr vierzigjähriges Bestehen. Dann bitte mit einer Jubiläumstour, liebe Schotten.

Freitag, 24. August 2012

Monster im Weltall

Die REN DHARK-Sonderbände in der Unitall-Reihe, die dreimal jährlich erscheinen, steuern auf ein kleines Jubiläum zu. Das Expose, das mich heute erreichte, trägt bereits die Nummer 20. Damit legt auch die Nachfolgereihe der früheren Sonderbände, die bis zur Nummer 29 gingen, eine schöne Erfolgsgeschichte hin. Ich habe das Vergnügen, den kommenden Roman schreiben zu dürfen.

Düster geht es los, mit einem gräuslichen Überfall in der Tiefe des Weltalls. Ich habe ganz konkrete Bilder im Kopf, wie ich die Einstiegsszene in die unheimliche Handlung anlegen werde. Gestaltete ich im vorangegangenen Band Der Atomkrieg findet statt die Handlung actionreich und handfest, gibt es diesmal einen schönen Horroreinschlag. Wie hieß es noch bei Alien? "Im Weltall hört dich niemand schreien." Von wegen. Die Kameraden im eigenen Schiff durchaus.

Donnerstag, 23. August 2012

Intravenös 212

Regelmäßig alle sechs Wochen flattert das Clubmagazin des Atlan Club Deutschland ins Haus. Bis zur Ausgabe 212 haben es die eifrigen Damen und Herren Atlan-Fans schon geschafft, und Ermüdungserscheinungen stellen sich nicht ein. Rüdiger Schäfer und Gero Grübler kündigen bereits den Atlan-Con 2013 an. Näheres wird allerdings nicht verraten. Die beiden Verschwörer machen ein großes Geheimnis darum. Nicht einmal der Veranstaltungsort wird genannt.

Neben den teilweise sehr umfangreichen Leserbriefen gibt es die üblichen Rubriken. Deutschstunde mit Rüdiger, Die besten TV-Serien aller Zeiten, Geistreiche Zitate, Wer nicht fragt ..., Klatsch und Tratsch aus Romanen und Stories. Auch der alte Arkonide selbst kommt nicht zu kurz. Irgendwie ist immer für jeden etwas dabei. Ich gebe es zu: Intravenös bleibt meine liebste Klolektüre, abwechslungsreich, kurzweilig, fannisch.


Mittwoch, 22. August 2012

Der Sohn des Dschungels startet durch


Heute hatte ich ein weiteres TIBOR-Belegexemplar im Briefkasten. Dabei ist gar keine neue Ausgabe erschienen. Stattdessen ist Band 1 in die 2. Auflage gegangen, was mich natürlich sehr freut. Im Gegensatz zur 1. Auflage ist sie unlimitiert.

Um dennoch eine Unterscheidung zu gewährleisten, gibt es optische Veränderungen. Die Titelbildzeichnung von Hansrudi Wäscher ist in anderen Farben gehalten. Auf die Goldprägung sowie das Lesebändchen wurde verzichtet. Finde ich gut. So fühlen sich die Abonnenten der limitierten Erstauflage nicht auf den Schlips getreten.

Im Anhang angekündigt wird bereits TIBOR 3, ebenso NICK 1. Beide erscheinen im November zur Intercomic-Messe in Köln. Inzwischen eingetroffen sind bei mir auch die nächsten Comic-Großbände, die als Vorlage für TIBOR 4 dienen. Ich werde mit dem Schreiben des Romans loslegen, sobald ich mein derzeitiges Projekt beendet habe.

Montag, 20. August 2012

Rückkehr ins Ungewisse


Denn eine Rückkehr ins Ungewisse ist es, die Ren Dhark erlebt, als er nach langer Abwesenheit aus der Galaxis Orn nach Hause zurückkehrt. Nicht nur, daß der terranische Raumfahrer ein unglaubliches Angebot zu verkraften hat, das sein Leben auf nachhaltige Weise verändern wird. Im ehemaligen Exspect am Rand der Milchstraße taucht zudem ein unsichtbarer Feind auf, der überraschend und unerkannt zuschlägt. Damit zeichnen sich hochdramatische Ereignisse ab, die wir auf der letzten Ren Dhark-Konferenz mit Genuß ersonnen haben.

Endlich ist er da, der erste Band des neuen Zyklus. Ich habe ihn heute erhalten. Mit Rückkehr ins Ungewisse beginnt ein ganz neuer Handlungsabschnitt. Daher ist für alle, die schon immer einmal hineinschnuppern wollten in Ren Dhark, ein Einstieg in die Serie jetzt problemlos möglich.

Den vorliegenden Roman habe ich übrigens gemeinsam mit den Kollegen Uwe Helmut Grave und Jan Gardemann verfaßt. Das grandiose Titelbild, das die Point of in einem klassischen SF-Motiv zeigt, stammt wie gewohnt von Ralph Voltz.

Freitag, 17. August 2012

Rolling Stone Magazin 214


Die August-Ausgabe des Rolling Stone wartet mit einem netten Special auf. Eine sechzigköpfige Jury aus Journalisten und Musikern hat die 100 besten Singer-Songwriter-Alben aller Zeiten gekürzt. Natürlich gelingt eine solche Auswahl nie objektiv, weil jeder seinem eigenen Geschmack folgt. Doch je mehr Leute die Auswahl treffen, umso repräsentativer wird sie. Ich mag solche Rankings.

In der Auswahl tummelt sich einiges, was Rang und Namen hat. Der Großteil der Interpreten ist mir bekannt, von den hundert Alben kann ich das weniger behaupten. Die einzigen, von denen ich Platten bzw. CDs besitze, sind Bob Dylan, Neil Young und Bruce Springsteen. Daß Blonde On Blonde und Harvest die beiden vorderen Plätze belegen, wundert mich nicht. Von den platzierten Dylan-Alben besitze ich immerhin satte acht Stück, von Young fünf und von Springsteen drei. Darunter ist meine Lieblingsscheibe Born To Run. Der Rest der vertretenen Interpreten - Pustekuchen.

Der ansonsten für mich interessanteste Beitrag trägt den Titel "Die letzten Aufrechten" und dreht sich um das derzeitige Schaffen von Lynyrd Skynyrd. Leider begnügt er sich mit gerade einmal zwei Seiten. Da wäre mehr drin gewesen. Noch mauer sieht es bei anderen Artikeln aus. Rushs neues Album Clockwork Angels ist im Grunde ein zwölfteiliger Science Fiction-Roman, angesiedelt im Steampunk. Hermann Hesses Todestag jährte sich zum fünfzigsten Mal. Green Day veröffentlichen in den nächsten Monaten gleich drei neue Alben, und Ridley Scott ist mit Prometheus selbstverständlich auch vertreten. Zu schade, daß keiner dieser Artikel über eine Seite hinausgeht. Ich beklagte es schon anderenorts. Auch der Rolling Stone wird oberflächlicher und bedient mittlerweile verstärkt den kleinen Hunger zwischendurch, statt opulente Mahlzeiten zu kredenzen.

Aufhorchen läßt eine Aussage, die Ridley Scott auf die Frage nach einem weiteren Blade Runner Abenteuer tätigt. Das Problem sei zwar, daß Blade Runner eigentlich eine abgeschlossene Geschichte ist - womit ich ihm vorbehaltlos zustimme -, er sich aber dennoch in Kürze mit dem damaligen Drehbuchautor Hampton Fancher treffe. Man habe eine zündende Idee und werde daran arbeiten. Da bin ich mal gespannt. Bitte bloß keinen schalen Aufguß des Meisterwerks.

Donnerstag, 16. August 2012

Geek 1 hinterläßt Ratlosigkeit


Als ich erfuhr, daß ein neues Magazin für Science Fiction auf den deutschen Markt kommt, war ich sehr gespannt auf die erste Ausgabe. In den Zeitschriftenläden in meiner Nähe war Geek 1 nicht zu bekommen, aber im Bahnhofshandel wurde ich fündig. Das zweimonatlich erscheinende Periodikum widmet sich, wie ich dann erfuhr, nicht nur der Science Fiction, sondern zudem Fantasy und Horror. Verwandte Genres mit einzubeziehen finde ich auf jeden Fall gut.

Was habe ich von dem neuen Magazin erwartet? Schwer zu sagen. Aber, um es vorweg zu nehmen, auf jeden Fall etwas anderes als das, was ich schließlich in der Hand hielt. Das liegt vor allem an den Artikeln, die mit einer gewissen Substanzlosigkeit daherkommen. Ich habe den Eindruck, man scheut sich, thematisch in die Tiefe zu gehen, statt nur an der Oberfläche zu kratzen. Das ist übrigens eine Entwicklung, die ich seit geraumer Zeit auch bei anderen Zeitschriften feststelle, beispielsweise beim Rolling Stone, den ich seit vielen Jahren lese. Ist das nun dem oberflächlichen Zeitgeist geschuldet oder der defizitären Aufmerksamkeitsspanne der Leser?

Geek 1 legt los mit Prometheus. Kein Wunder, Ridley Scotts neues Werk - ist Prometheus nun das ursprünglich geplante Prequel zu Alien, oder ist es eine eigenständige Produktion? - ist derzeit omnipräsent. Hier geht es schon los. Es gibt eine Menge Abbildungen, Fotographien und Portraits der Darsteller, doch der Artikeltext macht zusammengenommen kaum mehr eine halbe Seite aus. Dieses Manko wird zum Glück ein wenig relativiert durch das anschließende Interview mir Ridley Scott. Zum Thema passend, folgt als Dossier Alien eine Betrachtung rund um die vier Alien-Filme. Auf sage und schreibe 17 Seiten findet sich so gut wie nichts Neues, und daß es Aliens zum Spielen und Liebhaben gibt, läßt mich nun wirklich kalt.

Überhaupt ist Geek 1 sehr filmlastig. Gibt es dafür nicht schon Cinema und ähnliche Hefte? Spiderman folgt auf The Dark Knight Rises, Reality XL auf The Avengers. Sogar John Carter muß dann noch einmal herhalten, um zu erfahren, wie man einen Flop dreht. Auf den zwei Seiten dieser Kolumne hatte ich erneut den Eindruck, daß der Text die Bilder auflockern soll und nicht umgekehrt.

Der Relaunch der DC-Superhelden ist ebenso wenig mein Thema wie Star Trek im Comic oder Online-Spiele wie die Angry Birds. Der Bericht zur diesjährigen FedCon besteht dann einmal mehr zu drei Vierteln aus Bildern. Geradezu peinlich ist die Doppelseite, die als Interview mit Jamie Bamber verkauft wird. Unter "5 Fragen, nix sagen" antwortet Bamber, der Lee "Apollo" Adama aus Battlestar Galaktika wortlos, nämlich nur mit Gesten und recht dümmlichen Gesichtsentgleisungen. Das hat etwas von einem Fotoroman in der Bravo.

Immerhin gibt es einen fünfseitigen Romanblock, freute ich mich. Doch zu früh gefreut. Die ersten beiden Seiten beschäftigen sich mit der Bastei-Heftromanserie Maddrax. Wie kommt Geek ausgerechnet auf Maddrax? Die Erklärung findet sich ganz hinten im Heft. Mit Claudia Kern und Sascha Vennemann gehören eine ehemalige und ein aktueller Maddrax-Autor dem Redaktionsteam von Geek an. Ist ja nicht schlimm, denn nichts gegen Maddrax. Ich habe zwar nur einige wenige Hefte gelesen, aber die haben mir gut gefallen. Doch statt mit einem schönen Artikel aufzuwarten, gibt es einen überschaubaren Text, der auch als Pressemitteilung hätte durchgehen können. Muß ich noch erwähnen, daß auch hier die Hälfte des zur Verfügung stehenden Platzes für Illustrationen draufgeht? Auf den verbleibenden drei Seiten werden aktuelle Bucherscheinungen der phantastischen Genres vorgestellt. Gute Sache - eigentlich. Pro Magazinseite gibt es aber gleich sechs Romane. Daß man in solcherlei Besprechungen nicht mehr unterbringen kann als in einem Klappentext dürfte einleuchten. Als Überblick nett, zumindest eine oder zwei ausführliche Rezensionen würden Kompetenz der Redaktion und mein Lesevergnügen aber gewaltig aufwerten.

Man sieht, ich bin mit der Debutausgabe des neuen Magazins nicht warm geworden. Liegt das nun am mangelhaften Inhalt des Erstlings, an meiner eigenen, anscheinend falschen Erwartungshaltung oder schlicht daran, daß ich doch nicht zum Zielpublikum gehöre? Ich denke, nach der zweiten oder dritten Ausgabe werde ich es wissen. Auf jeden Fall wünsche ich Geek viel Erfolg und ein langes Bestehen.

Mittwoch, 15. August 2012

Harry Harrison 1925 - 2012

Wieder ist einer der großen alten Männer der Science Fiction gestorben. Am heutigen 15. August ist Harry Harrison von uns gegangen, dessen Romane ich schon vor über dreißig Jahren gelesen habe.

Unvergessen sind seine Abenteuer um die Edelstahlratte Jim DiGriz. Ebenso natürlich sein Roman Make Room! Make Room!, der auch verfilmt wurde. Es gibt einige Sequenzen aus Jahr 2022 ... die überleben wollen, die bis heute in meinem Kopf präsent sind. Den Ausdruck Soylent Green höre ich zuweilen im normalen Leben. Er ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.

Samstag, 11. August 2012

Alte Bilder von Köln

Durch Zufall entdeckte ich vor ein paar Tagen die Zeitung MEIN KÖLN an einem Kiosk. Das Foto auf der Titelseite erregte gleich meine Aufmerksamkeit. Die Schwarzweißfotographie zeigt den alten Heumarkt, auf dem damals zu beiden Seiten noch Straßenbahnen fuhren. Da ich historische Aufnahmen von Köln liebe, habe ich die Zeitung gleich mitgenommen. Zu meiner Überraschung handelt es sich bereits um die 4. Ausgabe dieser Reihe. Der "Express", die "Kölnische Rundschau" und der "Kölner Stadt-Anzeiger" haben MEIN KÖLN gemeinsam mit ihren Lesern erstellt.

Der Untertitel BILDER ZEIGEN GESCHICHTE(N) ist Programm. Der Inhalt besteht nämlich aus von den Lesern obiger Zeitungen eingesandten Fotos früherer Zeiten. Die Themen sind "Hufschmied, Küfer, Klüttenmann", "Der Tradition verpflichtet: Kölner Familienunternehmen" sowie "Im Herzen des Veedels". Daß es sich aufgrund des Alters ausschließlich um schwarz-weiße Bilder handelt dürfte einleuchten. In den meisten Fällen liefern die Einsender einen kurzen erklärenden Text, der auf das Motiv und die abgebildeten Personen eingeht. Das Schöne ist, daß es sich nicht um hinlänglich bekannte Stadtansichten handelt, sondern um Szenen und Darstellungen aus dem Umfeld der Menschen, die sie in Bildern festgehalten haben.

Einige der Orte sind mir bekannt, ich würde sie aufgrund der baulichen Gegebenheiten heute aber nicht wiedererkennen. Kein Wunder, entstanden die Fotos doch größtenteils vor dem 2., ein paar sogar vor dem 1. Weltkrieg. Umso faszinierender sind sie. Da findet sich die heute lärmende Zülpicher Straße noch ohne Verkehr. Im Klettenbergpark habe ich als Kind gespielt. Gleich neben der Severinskirche, in der Straße Im Ferkulum, aus der meine Großmutter stammt und wo ich zuweilen spazieren gehe, gab es Gänse, Kaninchen und Hühner.

Daß die ersten drei Ausgaben unbemerkt an mir vorbeigegangen sind, wundert mich. Heft 1 wartete mit "Köln in alten Fotografien", "Der Dom: Beliebtes Motiv" und "Köln in der NS-Zeit" auf. Band 2 beschäftigte sich fotodokumentarisch mit den Themen "Köln und seine Brücken", "Kaiserreich und Weimarer Republik" sowie "Kölle Alaaf - Karneval in alten Zeiten". In der 3. Ausgabe ging es dann um "Hochwasser und Eisgang", "Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder" und "Freizeitvergnügen und Sport." Da im Impressum kein Veröffentlichungsrhythmus angegeben ist, gehe ich davon aus, daß MEIN KÖLN unregelmäßig erscheint. Die drei ersten Hefte werde ich mir auf jeden Fall noch besorgen.

Freitag, 10. August 2012

Kurzauftritt im österreichischen Fernsehen

Auch bei unseren Nachbarn in Österreich gibt es diverse Privatsender. SERVUS TV bespielsweise ist in Salzburg ansässig. Der Sender beschäftigte sich in einem Bericht mit Zugriffsmöglichkeiten auf Daten und Leseverhalten von eBook-Nutzern seitens Verlagen und Anbietern. Ich erhielt dazu vorab folgenden Pressetext:
"Konnte das Interesse an den Büchern bisher nur im Nachhinein aus Verkaufszahlen und Rezensionen ausgelesen werden, stehen mit E-Books nun eine Vielzahl von Echtzeitdaten und -statistiken bereit. „Der jahrhundertealte private, zurückgezogene Akt des Lesens ist durch das Aufkommen elektronischer Bücher zu einer messbarem und quasiöffentlichen Aktivität geworden“, so das „WSJ“.

Denn E-Reader zeichnen jede Menge Daten zu Vorlieben und Gewohnheiten ihres Nutzers auf. Wie lange braucht der Leser für das ganze Buch? Wie oft macht er Pause bzw. wo wird am häufigsten abgebrochen? Wird es ein zweites Mal gelesen? Wo und wie oft werden Notizen eingetragen oder Passagen an Freunde weitergeleitet? Welche Stichwörter werden bei der Suche nach neuer Lektüre verwendet? Dank integrierter WLAN- oder UMTS-Verbindung gehen all diese Informationen in regelmäßigen Intervallen zurück an die Hersteller.
Amazon weiß, was du letzten Sommer gelesen hast

Amazon (Kindle), Barnes & Noble (Nook), Apple (iBookstore) und Google (Google Books) erheben über ihre E-Reader und die Apps für Tablets und Smartphones derart Daten ihrer Nutzer. Amazon listet auf seiner Website zum Beispiel die meistmarkierten Textpassagen der Kindle-User auf. Die Buchhandelskette Thalia erklärte auf Anfrage von ORF.at, dass man in ihren E-Readern (Cybook und Oyo) derzeit auf Techniken zur Userverhaltensanalyse verzichte."
Von derlei Praktiken war mir nichts bekannt. Da ich, der ich ein Buch immer noch als Printausgabe in der Hand halten muß, aber keine eBooks lese, habe ich mich mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Ein Anruf aus Salzburg veranlaßte mich, das zu ändern. Um es klar zu sagen: ich halte eine solche Datenerfassung für äußerst bedenklich, besonders wenn der Leser nicht vorab darüber in Kenntnis gesetzt wird. Wie erwähnt, ich wußte nichts von dieser Praktik. Ich bin sicher, daß es vielen Nutzern von eBook-Readern ebenso geht.

Ronnie Hitz von SERVUS TV beabsichtigte, in den Bericht ein kurzes Statement eines Schriftstellers einzubauen. Da wir uns persönlich kennen - er stammt aus Köln und ist erst im vergangenen Jahr nach Österreich gezogen - und er für CENTER TV schon einen Bericht über meine Schreiberei gemacht hatte, verfiel er auf mich. Da der Bericht noch am gleichen Tag auf Sendung gehen sollte und es eilte, hatte ich nichts dagegen einzuwenden. Der Dreh sollte auch schnell über die Bühne gehen, also nicht mehr als ein paar Minuten in Anspruch nehmen.

Letztendlich dauerte er rund anderthalb Stunden, was aber nicht tragisch war. Ich traf mich keine zwei Stunden nach dem Telefonat mit einem Aufnahmeteam in der Grünanlage von Sankt Pantaleon, für mich gleich auf der anderen Straßenseite gelegen. Dabei erhielt ich einen Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen sich Fernsehteams herumschlagen. Die Sonne verschwand hinter den Wolken, die Sonne kam wieder hervor. Von der Straße drang Autolärm herüber. Im Park nebenan bellte plötzlich ein Hund. Ein Passant lief durchs Bild. Im Aufnahmebereich der Kamera stand etwas, das dort nichts zu suchen hatte. All das sind Dinge, die einen Abbruch und Neustart beziehungsweise eine Wiederholung erforderlich machen.

Die Sendung lief noch am selben Abend bei SERVUS TV, und ich bin nicht länger als eine halbe Minute zu sehen. Witzig war der Dreh dennoch. Als ich mich dann selbst in der Glotze sah, kam ich mir schon ein wenig peinlich vor. Ronnie Hitz versicherte mir aber, das ginge jedem so, der es nicht gewohnt ist, sich selbst im Fernsehen zu sehen, und ich käme durchaus gut rüber. Na schön, ich nehme das mal so hin.

Sonntag, 5. August 2012

Dat Hätz vun d'r Südstadt

Das Severinsviertel ist für mich das Herz der Südstadt. Dort gehe ich gern und oft spazieren und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Man findet alte Gebäude, die den Krieg überstanden haben, und alte Seitenstraßen und Gassen, die nicht wie in der Altstadt von Touristen überlaufen sind. Das Vringsveedel zieht mich immer wieder an. Gestern habe ich wieder einmal einen gemütlichen Spaziergang im wohl kölschesten aller kölschen Viertel unternommen.

Wie immer schritt ich durch die Severinstorburg, den Eingang zum Viertel. Ein Straßenmusikant mit akustischer Klampfe und Mundharmonika empfing mich mit Neil Young. Danke für den netten Willkommensgruß. Ich wanderte durch das Ferkulum, die enge Parallelstraße der Severinstraße, aus der meine Großmutter stammt. In der Kirche St. Severin stellte ich eine Kerze auf, bevor ich mich auf die Vringsstrooß begab und beim alt eingesessenen Fischhaus Klöppel einen frischen Matjes und ein Lachsbrötchen zu mir nahm. Vorbei ging es an der Ecke gleich gegenüber der Torburg mit einem Blick auf das Eckhaus, in dem heute ein Reisebüro untergebracht ist. Vor vielen Jahren hing dort ein Schild mit der Aufschrift >Feinkost Niedecken< über der Tür. In dem Laden, der einst seinen Eltern gehörte, ist Wolfgang Niedecken laut eigenem musikalischen Bekunden groß geworden.

Natürlich hielt ich Einkehr in den beiden Brauhäusern Früh em Veedel und Zum alten Brauhaus Reissdorf und genehmigte mir ein paar herrlich kalte Kölsch. Im Reissdorf saß ich an der Theke, als mich auf seinem Weg nach draußen ein Mann ansprach. Er meinte im Vorbeigehen: "Hallo, Jerry Cotton." Ich schaute ihm leicht verdattert hinterher und fragte: "Wieso Jerry Cotton?" Er meinte nur: "Du schreibst doch so was" und war mit diesen Worten auch schon durch die Tür. Ich trank mein Kölsch und fragte mich amüsiert, mit welchem Science Fiction-Helden er Jerry Cotton wohl verwechselt hatte.

Freitag, 3. August 2012

Andromeda Nachrichten 238

Vor vielen Jahren war ich Mitglied im SFCD, dem Science Fiction Club Deutschland. Damals (wie heute immer noch) publizierte der Verein Andromeda und die Andromeda Nachrichten. Andromeda ist das literarische, zumeist Din A4-formatige Magazin, die Andromeda Nachrichten waren der in A5 gehaltene, sekundärliterarische kleine Bruder. Die AN erschienen seinerzeit in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Monate, Andro immer dann, wenn einer der von Ausgabe zu Ausgabe wechselnden Redakteure eine Ausgabe fertig hatte, so drei bis vier Mal im Jahr. Dabei kam es zuweilen zu enormen Verspätungen, und manches Heft war erst nach einer Reihe anderer fertig, die in der numerischen Zählung eigentlich lange nach ihm hätten erscheinen sollen.

Wie es heute mit Andro aussieht, weiß ich nicht. Aber nach langer Zeit habe ich mal wieder eine Ausgabe der Andromeda Nachrichten in die Hände bekommen. Mittlerweile im A4-Format gehalten, 120 Seiten dick und mit Vierfarbcover ausgestattet, kommt sie optisch voll und ganz überzeugend daher. Die Gestaltung zeigt die große Routine, die Herausgeber und Chefredakteur Michael Haitel sich im Laufe von dreißig Jahren und bei der redaktionellen Betreuung zahlreicher Fanzines, Magazine und Bücher angeeignet hat.

Inhaltlich wird die 238. Nummer von AN seinem sekundärliterarischen Anspruch gerecht. Karl E. Aulbach nimmt sich in seiner Bücherecke der Flut von Fantasyromanen an, Perry Rhodan kommt - ein wenig überrepräsentiert, wie ich fand - zu seinem Recht, und Hermann Urbanek listet akribisch die phantastischen Neuerscheinungen in den deutschsprachigen Verlagen auf. Dazu gibt es weitere Rezensionen deutschsprachiger und internationaler Phantastik in Buchform, in Magazinen und Fanzines. Comics, Spiele und die aktuellen Kinoproduktionen werden beleuchtet, und Daniel Krinke widmet sich in seinem Review der Verfilmung von 1984. Robert Hector steuert mit Sternenstaub einen wissenschaftlichen Artikel über den Kreislauf galaktischer Materie bei. Thomas Harbach, der mir immer wieder als Rezensent begegnet, nimmt sich - in seinen Arbeiten jederzeit fundiert und kenntnisreich - des großen Schriftstellers Brian W. Aldiss an. Neues aus der Asimov-Kellerbar gibt es auch. Klaus Marion nähert sich in seinem Zerrspiegel nämlich auf humorige Weise dem Thema Facebook.

Es ist abwechslungsreiches Material, das Redakteur Michael Haitel und die Mitarbeiter der vorliegenden Ausgabe zusammengetragen haben. Ganz Andromeda Nachrichten-untypisch, zumindest in früheren Zeiten, findet sich sogar eine Kurzgeschichte im Heft.