Montag, 30. Dezember 2013

Begegnung auf dem Friedhof

Zuweilen ereignen sich die wunderlichsten Zufälle, wie ich gestern wieder einmal feststellen durfte. Sonntags gehe ich häufig spazieren, meistens irgendwo in der Südstadt, im Vringsveedel, in Zollstock oder Raderthal. Dabei mache ich nicht selten einen Abstecher auf den Südfriedhof, wo meine Großmutter liegt, zu der ich ein sehr inniges Verhältnis hatte. Ich nehme dann eine Blume mit oder zünde eine Kerze an. Die Krux an der Sache ist nur, daß ich an die Kerze zwar immer denke, die Streichhölzer oder ein Feuerzeug jedoch mit schöner Regelmäßigkeit vergesse. So auch gestern.

Zufällig kam ein Mann in meinem Alter vorbei, den ich um Feuer bat. Er schaute mich kurz an, dann fragte er: "Sind Sie nicht der bekannte Science Fiction-Autor Achim Mehnert?" Ich stutzte und antwortete ein wenig verlegen: "Bekannt zwar nicht wirklich, aber Achim Mehnert stimmt."

Daraufhin gab er sich als mein Mitabiturient Max zu erkennen. Ich war schlicht baff und mußte zugeben, ihn meinerseits nicht erkannt zu haben. Dennoch freuten wir uns beide, denn wir haben zu Oberstufenzeiten des öfteren zusammengehockt. Max war damals zwar nicht aktiv in der SF-Szene involviert, ließ sich aber wohl davon ein wenig mitnehmen. So war er eins der ersten Mitglieder des Kölner SF-Clubs "Die Terraner", und er besuchte anfangs auch den einen oder anderen Coloniacon.

Nach dem Humboldt-Gymnasium haben wir uns dann völlig aus den Augen verloren. Und nun plötzlich wärmten wir neben dem Grab meiner Großmutter ein paar Erinnerungen auf und verabredeten, demnächst mal zusammen ein Bier trinken zu gehen. Unverhofft kommt oft. Gegen derlei zufällige Zusammenstöße habe ich nicht das geringste einzuwenden.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Vorweihnachtliche Verlagstradition

So sicher wie das Amen in der Kirche sind zwei Postsendungen, die mich jedes Jahr wenige Tage vor Weihnachten erreichen. Die eine kommt vom Ren Dhark-Chefautor. Hajo F. Breuer läßt es sich nämlich nicht nehmen, jedem aus dem Autorenteam eine Flasche Single Malt zu schicken. Der Autorengaumen will ja verwöhnt sein. Die Flasche mit dem verlockend golden schimmernden Naß steht ungeöffnet und von Kerzen angestrahlt hinterm Adventskranz. Ich glaube, morgen werde ich eine Geschmacksprobe durchführen.

Die andere Sendung stammt aus der Perry Rhodan-Redaktion. Es ist eine hübsch bunte Karte mit jährlich wechselndem Motiv, die von allen Redaktionsangehörigen unterschrieben ist. Diesmal stammt die Graphik von dem Künstler Michael Vogt. Sie zeigt drei Personen, die aus einer Raumschiffluke springen und an einem riesigen Kristall runterrutschen, nämlich eine Frau, einen Mann und einen Außerirdischen. Der Mausbiber Gucky ist unverkennbar, und bei dem Mann handelt es sich vermutlich um den Sofortumschalter Rhodan höchstselbst. Ich habe jedoch keine Ahnung, wen die dunkelhaarige Frau darstellen soll.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Allen ein frohes Fest

Wieder ist ein Jahr vergangen, wieder ist die Zeit der Ruhe gekommen, um in sich zu kehren und verschiedene Dinge Revue passieren zu lassen. Das gehört für mich zum Weihnachtsfest dazu, ebenso wie die Besinnlichkeit, die sich bei mir von allein einstellt, ohne daß ich bewußt danach greifen muß. In der Tat, an den Weihnachtstagen gelingt es mir, völlig abzuschalten. Alles andere tritt in den Hintergrund.

Möge es auch euch so gehen - so ihr dies wollt. Jedenfalls wünsche ich allen ein frohes und besinnliches, ein ruhiges und friedliches Fest. Und an dieser Stelle auch gleich einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr. Wenn ihr mögt, bleibt meinem Blog auch 2014 treu. Ich freue mich über jeden Besucher und Leser.

Akustische Klassiker im Nox

Der Gastro-Szene ist Martin Quast hinter der Theke verloren gegangen, seine Musik macht er weiter. Zum Glück. Es wäre wirklich schade, wenn er seine Fähigkeiten als Sänger und Gitarrist dem Publikum nicht mehr nahe brächte. Am gestrigen Abend trat er im Nox auf, nur mit akustischer Gitarre, so wie man es von ihm kennt.

Martin kann singen und hat eine gute Gesangsstimme - die ich mit seiner Sprechstimme allerdings nie in Einklang bringe. Beide sind für mich, als stammten sie von zwei verschiedenen Menschen. Ich staune immer wieder darüber. Was sich nicht ändert, sind seine akustischen Interpretationen bekannter Stücke der Rockmusik. Aus den vorhandenen Juwelen macht er eigene kleine Perlen.

Sein Repertoire ist dabei breit gefächert, wie er im Nox einmal mehr unter Beweis stellte. Martin sprang zwischen Crosby Stills & Nash, Police und den Beatles hin und her, er wechselte von Neil Young zu U2 und von Bob Dylan zu Marillion. Daß er meinen Musikgeschmack trifft, wußte ich natürlich schon vor dem Konzert.

Als er ankündigte, der nächste Song werde einem im Publikum sicher gefallen, weil derjenige den Komponisten mag, und er mir dabei einen kurzen Blick zuwarf, ahnte ich, daß Bruce Springsteen folgen würde. So war es. Ich entspannte mich zu Youngstown vom 95er Boss-Album "The Ghost of Tom Joad". Als die ersten Akkorde von Wish You Were Here erklangen, schloß ich unbewußt die Augen und fühlte mich in die Achtziger Jahre zurückversetzt, zu den beiden Pink Floyd-Konzerten, die ich damals im Müngersdorfer Stadion gesehen habe.

Santanas Black Magic Woman folgte, Bob Marleys wunderbarer Redemption Song und  Hey Joe von Jimi Hendrix. Martin war in bester Spiellaune. Der sympathische Kerl mit seiner Gitarre wollte gar nicht aufhören. Für mich war es ein ausgesprochen entspannter und gemütlicher Abend, an dem ich einfach die Seele baumeln ließ. Die beste Einstimmung auf die besinnlichen Weihnachtstage.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Kasalla im Gloria

Sie sind die Senkrechtstarter der Kölner Musikszene, die fünf Jungs von Kasalla. Was soviel bedeutet wie Krawall oder Ärger. Sänger, Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger und Keyborder machen deutlich, wohin die Reise geht, dazu ausnahmslos mit kölschen Texten. Es ist beeindruckend, wie die junge Mundartband in den gerade einmal zwei Jahren ihres Bestehens und mit inzwischen zwei Alben durchgestartet ist. Nicht ganz schuldlos daran ist sicher der Einsteiger Pirate, ihre erste Single-Auskopplung, die 2012 mit gehißter Flagge, Totenkopf und roter Nase wie ein Donnerschlag in den Karneval Einzug hielt.

Ein wenig werden sie seitdem dem Karneval zugeordnet, und dort haben sie großen Erfolg. Ansonsten werden sie sowohl im Rock als auch im Pop verortet, beides sicher nicht zu Unrecht. Für mich fallen sie schlicht und einfach unter das weite Feld des Kölschrock. Belege dafür sind die aktuellen Stücke Kumm mer lääve und Der Fluss, die meilenweit vom Karneval entfernt sind, das erste geistreich-lebensbejahend und mit einem witzigen Video produziert, das zweite nachdenklich, besinnlich und melancholisch, fast schon sentimental, ohne in Kitsch abzugleiten.

Eine besondere Leistung von Kasalla ist es, bei Kritikern gleichermaßen gut anzukommen wie beim Publikum. Ebenso bei Jung und Alt. Entsprechend gemischt war das Publikum im Gloria-Theater, wo ich sie jetzt zum ersten Mal live gesehen habe. Nach ihrer ersten Tour im vergangenen Sommer, die in drei ausverkauften Konzerten in der Live Music Hall gipfelte, wollten sie sich im Gloria-Theater mit einem Jahresabschlußkonzert verabschieden. Daraus wurden gleich vier aufeinanderfolgende Abende, allesamt ausverkauft.

Es ging los mit einem halben Dutzend rockiger Stücke, um die Zuschauer anzuheizen - was aber nicht nötig war. Denn von Beginn an hatten Kasalla ihr textsicheres Publikum bestens im Griff. Offenbar haben sie sich bereits eine respektable Fanschar erspielt. Ich kannte im Grunde kaum mehr als die Stücke, die bei youtube zu finden sind, und unter denen gibt es keinen Ausfall. Ich hätte jedoch nicht erwartet, daß die Band in der Lage ist, ein zweieinhalbstündiges Programm mit Leben, Intensität und guter Musik zu füllen. Das tat sie aber, was mich nun richtig neugierig auf die beiden Alben macht.

Kasalla verfügen über ein Repertoire, das man nach nur zwei Scheiben nicht erwartet und das sich über verschiedene Musikstile erstreckt. Rock, Balladen, ein bißchen Tanzmusik ist auch dabei. Alles, wie schon erwähnt, auf Köln. Hochdeutsch scheint bei den Jungs zumindest in musikalischer Hinsicht verpönt zu sein. Das ist gut so, und ich hoffe, das bleibt auch so. Davon können die Höhner sich eine Scheibe abschneiden.

Überraschungen gab es einige. Nach den anfänglichen elektrifizierten Fegern wurde mit klassischen Instrumenten in den Akustikmodus geschaltet. Kontrabaß, Cello, Xylophon statt Schlagzeug und die Quetsch. Sogar die durch Hans Süper populär gewordene Flitsch kam zum Einsatz, speziell beim Krätzchen Wenn ich Millionär wöhr, der ältesten sparsam instrumentierten musikalischen Vortragsform in Köln, wie man sie beispielsweise von Karl Berbuer oder Horst Muys kennt.

Gassenhauer wie Immer noch do haben Kasalla ebenso drauf wie irische Klänge oder ihren eigenen Beitrag zu Arsch huh. Auch auf musikalisch dicke Hose können sie machen. So geschehen bei den Einsätzen einer vierköpfigen Bläsersektion, bestehend aus zwei Trompeten, Posaune und Saxophon, oder bei der vokalen Unterstützung von drei Backgroundsängerinnen. Als zur Zugabe Pirate erklang, dachte ich, gleich hebt das Gloria ab. Das Programm war gleichermaßen gut wie abwechslungsreich. Ich erwähne es noch einmal: das alles nach erst zwei Jahren Bandbestehen und zwei Alben.

Dabei merkte man den fünf Musikern den Spaß an, den sie auf der Bühne und bei der Darbietung ihrer Lieder haben. Entwickelt Kasalla sich so weiter, bin ich gespannt, welche Hallen die Jungs in ein paar Jahren füllen werden. Gäbe es mehr neue, junge Bands wie sie - oder auch Cat Ballou - wäre mir um die Zukunft kölscher Mundartmusik nicht bange.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Ein böses Erwachen

Das Titelbild der Taschenbuch-Ausgabe
Das ist ja wirklich schon fast wie Weihnachten. Ein Paket nach dem anderen trudelt ein. Nach den Ren Dhark-Büchern gestern erhielt ich heute weitere Belegexemplare. Im Gegensatz zu Dhark ist die Umschlaggestaltung nicht schwarz, sondern grün, was der Reihe bei Fans den inoffiziellen Namen Grünbände beschert hat.

Richtig, es sind Atlan-Bücher. Mein Roman Das Erwachen erschien im Dezember 2009, also auch schon wieder vor vier Jahren. Kinder, wie die Zeit vergeht. Das Erwachen war der Mittelband der sogenannten Höllenwelt-Trilogie, eingerahmt von Rüdiger Schaefer und dem inzwischen verstorbenen Altmeister Hans - oder auch Hanns - Kneifel. Die ursprünglichen Taschenbuchausgaben werden bei BS Editionen jetzt als Hardcover neu aufgelegt.

Nach vier Jahren bekomme ich den Inhalt nur noch fragmentarisch zusammen. Ich werde in den nächsten Tagen in dem Buch schmökern, um ihn mir besser in Erinnerung zu rufen. Jedenfalls gibt es außer mit dem Arkoniden Atlan ein Wiedersehen mit dem Mutanten Fellmer Lloyd. Eine besondere Rolle in der Geschichte spielt die SolAb-Agentin Rhaen Tolsom, die das Titelbild ziert. Zudem hat der Vario-0C seinen ersten Auftritt, der Prototyp des später bei Perry Rhodan legendär werdenden Vario-Roboters.

Montag, 16. Dezember 2013

Parock

Wenige Tage vor Weihnachten erreichte mich das letzte in diesem Jahr erscheinende REN DHARK-Buch. Die 45. Ausgabe von Weg ins Weltall trägt den Titel Parock und enthält Romanbeiträge von Jan Gardemann, Uwe Helmut Grave und mir. Das Titelbild stammt wie gewohnt von Ralph Voltz, die Exposes zu den drei Romanen aus der bewährten Ideenschmiede von Hajo F. Breuer. Mit dem vorliegenden Buch liegen nun drei Viertel des laufenden Zyklus hinter uns.

Ren Dhark erlangt weitere Informationen über den geheimnisvollen Feind, der der Menschheit anscheinend so unversöhnlich gegenübersteht. Dabei erhält er einen Einblick in Ereignisse, die in ferner Vergangenheit stattfanden. Verantwortlich dafür ist Parock, das monströse, vier Meter große Wesen, mit dem der Commander der Planeten auf einem unbewohnten Planeten gestrandet ist.

Sonntag, 8. Dezember 2013

15. Todestag von Wolfpeter Ritter

Ich weiß noch, wie und wo ich von Wolfpeter Ritters Tod erfuhr. Ende der Neunziger Jahre arbeitete ich beim Bauhaus in Leverkusen, genauer gesagt leitete ich die dortige Elektroabteilung. An einem Dezembertag las ich in der Frühstückspause bei einem Brötchen und einer Tasse Kaffee die Tageszeitung Kölner Express. Auf einer der Seiten stach mir die Schlagzeile "Kölner Perry Rhodan-Autor gestorben" ins Auge. Mein Blick blieb an dem Bild von Wolfpeter hängen, dann las ich den Artikel.

Er war am 8. Dezember dort gestorben, wo er gelebt hatte, nämlich im rechtsrheinischen Kölner Stadtteil Porz. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, ich konnte es nicht fassen. Ich rief umgehend den Perry Rhodan-Redakteur in Rastatt an, keine Ahnung warum. Vielleicht trieb mich die abwegige Hoffnung, einem Irrtum aufzusitzen, einem geschmacklosen Scherz. Nur, es war nicht der 1. April, und natürlich erhielt ich die traurige Bestätigung von einem hörbar geknickten Klaus N. Frick.

Geschrieben hat Wolfpeter in meiner Erinnerung stets unter dem Pseudonym Peter Terrid, obwohl er noch weitere Künstlernamen benutzte. In der Hauptsache kannte ich ihn von Perry Rhodan, wo er gleichermaßen spannende wie intelligente Romane ablieferte. Ich kann mich kaum daran erinnern, daß mir einer seiner Rhodan-Beiträge einmal nicht gefiel. Unterhaltsam waren sie allemal. Er schrieb aber auch für diverse andere Serien und Reihen, darunter Atlan, Mythor, Terra Astra und Kommissar X.

Persönlich begegnet bin ich ihm zahlreiche Male. Vorwiegend aufs Cons, darunter natürlich immer wieder auf dem Coloniacon, der für Wolfpeter ein Heimspiel war und bei dem er einmal sogar den Mitveranstalter gab. Ich erinnere mich daran, wie ich ihn zu Hause in Porz besuchte und daß wir irgendwann mal in einer Kneipe beisammen hockten, obwohl er gesundheitliche Probleme mit den Füßen hatte und ihm das Gehen schwerfiel. Nach wenigen Schritten mußte er sich immer wieder hinsetzen, was er zwar beklagte, ohne sich jedoch davon verdrießen zu lassen. Er interessierte sich für alle möglichen Themen und besaß eine glänzende Allgemeinbildung. Er war ein charmanter und eloquenter Plauderer, weshalb er auf Cons stets ein gern gesehener Bühnengast war.

Eine witzige Anekdote ist mir unvergessen. Sie muß sich 1998 auf dem Garchingcon zugetragen haben, nur wenige Monate vor seinem Tod. Wolfpeter und ich hockten in einer Ecke zusammen, und er klagte scherzhaft über die Last der hinzugekommenen Pfunde. Ich versuchte ihn damit zu trösten, daß auch ich ein wenig zugelegt habe. Er winkte nur ab und meinte süffisant: "Das bißchen ist doch gar nichts. Warte erst einmal ab, wenn wir dich zum Team-Autor gemacht haben." Damit bezog er sich auf mein im Vorjahr erschienenes Perry Rhodan-Taschenbuch Rückkehr nach Derogwanien. Da ahnte ich noch nicht, daß es unser letztes Gespräch sein sollte.

Wenige Tage nach der traurigen Nachricht, daß er uns verlassen hatte, fuhr ich zu seiner Beerdigung nach Uerdingen. Dort war er geboren worden, und dort fand er nun seine letzte Ruhestätte. Es war ein grauer, düsterer Tag, dem Anlaß angemessen. Neben seiner Lebensgefährtin und weiteren Angehörigen waren auch einige seiner Leser zugegen, um sich auf diesem Weg von ihm zu verabschieden. Jemand hatte vor der Trauerfeier eine Autogrammkarte von Wolfpeter an den Sarg gelehnt. Ich sehe sie heute noch da stehen.

Samstag, 7. Dezember 2013

Unser Mann im All stand hinter Glas

In der ersten Hälfte der Siebziger Jahre wohnte ich in der Volksgartenstraße in der südlichen Kölner Innenstadt. Wie es der Name verrät, zieht sie sich entlang des Volksgartens, eines innerstädtischen Parks, in dem ich heute noch oft spazieren gehe. Eine nur hundert Meter lange Seitenstraße ist die Loreleystraße mit der Grundschule, die mein Bruder besuchte.

Gleich gegenüber der Schule gab es einen kleinen, begehbaren Kiosk. "Büdchen" sagt man in Köln dazu. Rechts der Glastür befand sich das Schaufenster mit allem möglichen Kram, an den ich mich nicht mehr erinnere. Links jedoch gab es eine abschließbare Glasvitrine, an der ich mir so manches Mal die Nase plattgedrückt habe. Denn in der Vitrine standen diverse Ausgaben der Comic-Reihe "Perry - unser Mann im All". Ich weiß heute gar nicht mehr, ob die bunten Heftchen wöchentlich oder zweiwöchentlich erschienen. Anscheinend schickte der Kioskbetreiber die nicht verkauften Hefte nicht zurück, sondern stellte sie in die Vitrine, um die Kinder aus der Gegend anzulocken. In mir hatte er ein williges Opfer gefunden, das regelmäßig sein Taschengeld dorthin trug.

Hinzu kam, daß es damals Dreierbände gab. Sprich, der Verlag packte drei ältere Hefte zusammen, versah sie mit einem zusätzlichen Umschlag und brachte sie abermals an die Kioske. Auch davon standen immer mehrere Ausgaben in der Vitrine. Dummerweise waren die drei enthaltenen Comics jedoch nie fortlaufend, was einen bei der Komplettierung der Sammlung vor riesige Probleme stellte. Ich habe einmal versucht, die drei Hefte aus dem Umschlag zu trennen. Es war das reinste Fiasko. Da sie eingeklebt waren, ging es nur mit Gewalt, und am Ende hielt ich lauter lose Blätter in der Hand.

Es war auch eben jener Kiosk, in dem mir mein erster Perry Rhodan-Roman in die Hände fiel. Allerdings im Ladeninneren, wo er in einem Ständer präsentiert wurde. Daß es sich um keinen Comic handelte, fiel mir erst auf, als ich wieder auf der Straße war und die Seiten umblätterte. Es war Band 600 der Romanausgabe, betitelt Die unsichtbare Grenze und mit dem doppelten Gucky auf dem Cover. Umgetauscht habe ich ihn nicht. Stattdessen las ich von Stund an neben den Comics auch die Romane.

Vor ein paar Tagen war ich wieder einmal im Volksgarten, und mein Weg führte mich durch die Loreleystraße. Die Grundschule gibt es noch, und auch das Büdchen. Die Aufteilung des kleinen Lädchens zeigt sich wie damals. Der Zahn der Zeit ist scheinbar spurlos daran vorbeigegangen. In der Glasvitrine stehen heute allerdings überwiegend Motorradmagazine und Frauenzeitschriften. Von Comics oder Heftromanen keine Spur. Schade eigentlich. Unsern Mann im All hätte ich doch gleich mitgenommen.

Freitag, 6. Dezember 2013

Thomas Knip über die Comicmesse

Über die letzte Intercomic habe ich bereits berichtet. Nun stieß ich auf einen lesenswerten Bericht des in Berlin lebenden Autors und Ebook-Verlegers Thomas Knip, der die Comicmesse im November ebenfalls besucht hat. In seinen Blog schaue ich ohnehin immer wieder hinein.

Beim Schmökern liefen zahlreiche Bilder der Veranstaltung noch einmal in meinem Kopf ab. Eine schöne Erinnerung aus dem Blickwinkel eines anderen. Ich war ein wenig erstaunt, wie sehr manche Dinge, die Thomas ausführte, für mich zur Normalität geworden sind. Oder geworden zu sein scheinen. Sollten sie aber nicht.

http://thomas-knip.blogspot.de/2013/11/auge-in-auge-mit-dem-leser-auf-der.html#more