Dienstag, 20. Juni 2017

Ein sicherer Hort?

Gleichzeitig mit meiner Fertigstellung von Weg ins Weltall 71 ist Band 69 erschienen. Die Belegexemplare fanden heute den Weg zu mir. Das Buch habe ich gemeinsam mit Jan Gardemann und Nina Morawietz ist geschrieben, das Exposé stammt von Ben B. Black, das Titelbild wie gewohnt von Ralph Voltz.

Inhaltlich geht es rund, und das auf zwei Handlungsebenen. Ren Dhark sucht mit der in der Kleingalaxis Voktar gestrandeten Point of nach einem Weg zurück in die heimatliche Milchstraße. In eben jener schlägt sich die Galaktische Sicherheitsorganisation mit einem gewissen Utaren herum. Der Klappentext klingt folgendermaßen:

"Der Utare Yak Yakis erweist sich als harter Brocken für die GSO-Agenten Ömer Giray und Liv Sanders. Bevor sie mit ihren Ermittlungen in Sachen der illegalen Cyborg-Technologie fortfahren können, müssen sie zuerst ein Mittel gegen die Bedrohung finden, die der Blaue darstellt. In der Galaxis Voktar werden unterdessen Ren Dhark und seine Getreuen zu Gejagten, deren Chancen äußerst schlecht stehen. Doch es gibt Hoffnung. Ist das, was sie auf ihrer Flucht entdecken, vielleicht ein sicherer Hort?"

Sonntag, 18. Juni 2017

Historische Enthüllungen in Voktar

Ich habe mein Manuskript für den 71. Band des Ren Dhark-Epos fertiggestellt. Mit meinem Beitrag für Lorrons Erbe knüpfe ich unmittelbar an meinen Handlungsstrang aus dem vorangegangenen Buch an. Weiterhin befindet sich das Außenteam um Ren Dhark in einem merkwürdigen Sonnensystem der Kleingalaxis Voktar.
 
Die gestrandeten Raumfahrer von der Erde stoßen auf eine Wesenheit, die schon seit undenklich langer Zeit über diesen Bereich der Kleingalaxis wacht. In welcher Weise und zu welchem Zweck dies geschieht, sei hier natürlich nicht verraten. Jedenfalls erhalten die Terraner Einblick in Ereignisse, die sich vor einer Viertelmillion Jahren in Voktar ereignet haben.
 
In beiden Handlungssträngen schreiten die Handlung und mit ihr die Enthüllungen über die Hintergründe dessen, was sich in Voktar und anderenorts ereignet, mit großen Schritten voran. Als Leser wie als Autor merkt man, dass die Handlung auf einen Höhepunkt zusteuert. In diesem Zusammenhang denke ich bereits an die Ren Dhark-Konferenz, die am kommenden Wochenende in einem Hotel in Bonn stattfindet.

 

Samstag, 17. Juni 2017

The Joshua Tree 1987 im Müngersdorfer Stadion

U2 sind derzeit auf großer Tour. Anlass ist der 30. Geburtstag ihres bahnbrechenden Albumklassikers The Joshua Tree. Spätestens diese Veröffentlichung hatte die vier Iren nach The Unforgettable Fire endgültig zu Superstars gemacht, die weltweit die Stadien füllten.

So auch in Köln, wo sie am 17. Juni 1987 im Müngersdorfer Stadion vor 67.000 Zuschauern spielten. Einer davon war ich. Als Vorgruppen traten Big Audio Dynamite auf, Lou Reed sowie The Pretenders. Weder habe ich Erinnerungen an Lou Reed, noch an die wunderbare Chrissie Hynde. Schade.

Bevor die begeisternde Show begann, ärgerte ich mich gleich am Eingang, und das nicht wenig. Der Abrissstreifen an den Eintrittskarten interessierte die Eingangskontrolleure nämlich herzlich wenig. An der Vorkontrolle, also am Stadioneingang, wurde die halbe Karte abgerissen, am Zugang zum Innenraum dann die zweite Hälfte einbehalten. Für jemanden, der die Karten der von ihm besuchten Konzerte sammelt, ein Unding, ja eine Frechheit. Bloß interessierte das die Deppen an den Kontrollpunkten herzlich wenig. Da half weder gutes Zureden noch Fluchen oder Schimpfen. So etwas habe ich weder vorher bei einem Konzert noch später jemals wieder erlebt.

Das Konzert selbst hielt, was die Erwartungshaltung versprach: Die Stücke, die ich inzwischen auswendig kannte, eine großartige Performance und eine Band auf ihrem vermeintlichen Höhepunkt. Jetzt, 30 Jahre später, spielen U2 im Gegensatz zu damals das komplette Album. Das allein wäre schon Grund genug, sich einen Auftritt anzusehen. Allerdings, und das ist ein schwaches Bild, findet nur ein einziger Auftritt in Deutschland statt, und zwar im Juli in Berlin. Das ist mir doch zu weit, da bleibe ich lieber bei der Erinnerung an den famosen Auftritt 1987 in Müngersdorf, auch wenn die Erinnerung an das Konzert gern deutlicher sein dürfte.

So sah die Setlist damals aus:

Stand By Me
C'mon Everybody
I Will Follow
I Still Haven't Found What I'm Looking For / Exodus (Snippet)
MLK
The Unforgettable Fire
Sunday Bloody Sunday
Exit / Riders On The Storm (Snippet) / Gloria (Van-Morrison-Song) (Snippet)
In God's Country
The Electric Co.
Help!
Bad / Ruby Tuesday (Snippet) / Sympathy For The Devil (Snippet)
New Year's Day
Pride (In The Name Of Love)
Zugabe(n):
Bullet The Blue Sky
Running To Stand Still
With Or Without You / Love Will Tear Us Apart (Snippet)
Party Girl
'40'

Donnerstag, 8. Juni 2017

Einmal noch Smoke on the Water

Als ich Smoke on the Water zum ersten Mal im Radio hörte, hatte ich noch keine Ahnung von Musik, und auf Konzerte ging ich erst recht noch nicht. Ich war auf Anhieb begeistert, auch wenn ich nicht verstand, um was es in dem Lied ging. Doch ähnlich wie später Sultans of Swing von den Dire Straits war es wie eine Initialzündung. Deep Purple hieß die Band, erfuhr ich. Als ich dann zum Konzertgänger wurde, noch nicht ahnend, dass das jahrzehntelang so bleiben sollte, wollte ich diese Band natürlich unbedingt auf der Bühne sehen. Doch Pech gehabt, Deep Purple hatte sich bereits 1976 aufgelöst. Schweren Herzens akzeptierte ich, dass es mir niemals vergönnt sein würde, die Musiker und dieses Stück live zu erleben.

Im Jahr 1984 war ich bei der Bundeswehr und hatte bereits einige Konzerte hinter mir. An einen Auftritt von Deep Purple dachte ich da längst nicht mehr. Wie denn auch? Schließlich existierte die Band seit acht Jahren nicht mehr. Dann berichteten die Kölner Tageszeitungen, die Rocklegenden hätten sich wieder zusammengerauft und ein neues Album sowie eine ausgedehnte Tour ständen auf dem Programm. Ich erinnere mich an ein Preisausschreiben. Ich glaube, es war im Express, aber die Erinnerung könnte mich trügen. Es galt zu raten, welche der alten Stücke die wiederformierte Band auf ihrer Konzertreise spielen würde.
 
Ein neues Album, die Vorstellung fand ich nett. Da ich aber inzwischen von „Machine Head“, „In Rock“, „Fireball“ und dem Live-Meisterwerk „Made in Japan“ infiziert war, erwartete ich keinen großen Wurf. Was sich als Irrtum erweisen sollte, denn das Reunion-Album „Perfect Strangers“ zählt für mich zu den besten Purple-Platten. Ungleich mehr als auf die Scheibe freute ich mich jedoch auf die Tour. Mein Jahre zuvor gehegter und schließlich ad acta gelegter Traum schien in Erfüllung zu gehen. 1985 war die Band auf Tour, und sie spielten ein Open Air auf dem Maimarktgelände in Mannheim. Vermutlich gab es kein Konzert in meiner Nähe, sonst wäre ich nicht nach Mannheim gefahren, per Anhalter, wenn ich mich recht entsinne. Oder doch mit der Bahn? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls hätte mich nichts davon abhalten können.
 
Vor den Headlinern traten vier Bands auf: Meat Loaf, Mountain, Roger Chapman und die Lokalmatadoren Rodgau Monotones. Gleichwohl teils klingende Namen, dürften mir die Vorgruppen ziemlich egal gewesen sein. Ebenso dass es, so meine ich mich zu erinnern, über weite Strecken des Tages regnete. Es war der 29. Juni und mein erstes, jahrelang nicht für möglich gehaltenes Deep Purple-Konzert. Zwei Jahre später sah ich sie in der alten, heute längst nicht mehr existenten Kölner Sporthalle und in den folgenden drei Dekaden immer mal wieder, zuletzt 2015 in der Arena in Oberhausen.
 
Vor wenigen Monaten wurde dann ein neues Album angekündigt. Bei dem Titel „inFinit“ schossen die Spekulationen über ein bevorstehendes Ende der Band ins Kraut. Zudem wurde die anstehende Welttournee als „The Long Goodbye Tour“ angekündigt. Verdenken könnte man den altgedienten Recken den Rückzug ins Privatleben nicht, schließlich sind sie um die Siebzig. In einem Interview in der April-Ausgabe des Musikmagazins Classic Rock und auch an anderer Stelle relativierte Schlagzeuger Ian Paice, der übrigens als Kind zwei Jahre in Köln lebte, die schlimmsten Befürchtungen. Zwar sei das Ende der Band unvermeidlich, doch auch wenn dies die letzte ausgedehnte Welttour sei, können die Musiker sich durchaus vorstellen, kleinere Reisen mit wenigen Auftritten in verschiedenen Kontinenten zu unternehmen. Nicht mal ein weiteres Album schließt der Drummer kategorisch aus. Voraussetzung sei natürlich, dass sie alle gesund blieben.
 
Nun hielt das Hardrock-Flaggschiff in der KölnArena Einzug. Es war das erste Mal, dass ich Deep Purple an diesem Auftrittsort erlebte. Sie begannen mit Time for Bedlam, einem von vier Songs des neuen Albums, die zeigten, dass sich die aktuellen Stücke hinter den Klassikern nicht zu verstecken brauchen. Die folgten dann mit Fireball, Bloodsucker und Strange Kind of Woman in rascher Folge.
 
Ian Paice und Bassist Roger Glover spielten beherzt wie seit fast fünfzig Jahren. Ian Gillan, bei dem ich immer fürchte, dass die Stimme versagt, belehrte mich zum wiederholten Mal eines besseren. Gitarrist Steve Morse sowie Keyboarder Don Airey sind schon lange viel mehr als bloßer Ersatz für Ritchie Blackmore und Jon Lord – auch wenn diese beiden im Line Up der Band für mich unerreicht bleiben. Morse ist ein hervorragender Gitarrist, und Aireys ausgedehntes Solo erinnerte an Glanzzeiten des großen Jon Lord. Da standen fünf wunderbare, fünf beseelte Musiker auf der Bühne, die sich ihres Könnens und ihrer Fähigkeiten bewusst sind, die nichts mehr beweisen müssen und vielleicht gerade deswegen umso mehr Spaß an ihrem eigenen Spiel haben.
 
Es entwickelte sich ein Parforceritt durch die Jahrzehnte und durch die verschiedenen Schaffensphasen der Band. Als Perfect Strangers vom Wiedervereinigungsalbum erklang, ahnte man, dass es dem Finale entgegengeht, das dann mit Smoke on the Water, wie könnte es anders sein, seinen Höhepunkt erreichte. Lautstark wurde der große Klassiker aus mehreren tausend Kehlen mitgesungen. Als Zugabe gab es dann wie von mir erwartet Hush vom allerersten Album von 1968 und schlussendlich das abermals von den Fans mitgesungene Black Night.
 
Keine Frage, Deep Purple präsentierten sich noch einmal wie zu besten Zeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie wirklich aufhören. Dazu sind sie zu spielfreudig, zu sehr voller Energie und einfach noch viel zu gut. Dieses Konzert wäre zwar ein würdiger Abschluss für mich, aber Ian Paice's zurückhaltende Andeutungen im Interview lassen mich hoffen, dass es das noch nicht war mit Deep Purple. Ansonsten ginge für mich wirklich eine Ära zu Ende. Aber mindestens einmal möchte ich gern noch – nun ja, es steht in der Überschrift.

Setlist: 1. Time for Bedlam / 2. Fireball / 3. Bloodsucker / 4. Strange Kind of Woman / 5. Johnny's Band / 6. Uncommon Man / 7. The Surprising / 8. Lazy / 9. Birds of Prey / 10. Hell to Pay / 11. Keyboard Solo / 12. Perfect Strangers / 13. Space Truckin' / 14. Smoke on the Water / 15. Hush / 16. Bass Solo / 17. Black Night.
 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Hundertster Geburtstag Kurt Brand

Der deutsche Schriftsteller Kurt Brand wurde am 10. Mai 1917 geborgen. Heute wäre der in Wuppertal geborene Mann, der zwei eigene Science Fiction-Serien erdachte und aus der Taufe hob, 100 Jahre alt geworden. Er starb jedoch 1991 im Alter von 74 Jahren in seiner Wahlheimat Kaltern in Südtirol.

Bevor Kurt Brands Laufbahn als Schriftsteller Fahrt aufnahm, baute er nach dem 2. Weltkrieg in Köln zunächst die größte private Leihbücherei Deutschlands auf. Nachdem er diese aus finanziellen Gründen aufgeben musste, veröffentlichte er bereits in den Fünfziger Jahren seine ersten Science Fiction-Romane, wodurch er heute zu den Pionieren der deutschen SF-Szene zählt. Daneben schrieb er aber auch zahlreiche Western, Krimis und Abenteuerromane unter einer ganzen Reihe von Pseudonymen.


In der Frühzeit der Perry Rhodan-Serie gehörte er zu deren Autorenteam und verfasste knapp vierzig Romane für den Erben des Universums. Zudem stammt ein Rhodan-Planetenroman aus seiner Feder, und er schnupperte in die neue Atlan-Heftserie hinein. Doch bereits 1965 schied er bei Perry Rhodan wieder aus - im Streit, wie es heißt.

Mit der SF-Erfahrung und seiner Reputation als Heftromanautor kam Kurt Brand danach auf die Idee, seine eigenen Serien zu gestalten. So schuf er Anfang der Siebziger Jahre Raumschiff Promet, zunächst unter dem Serientitel Arn Borul - Von Stern zu Stern. Die Promet fliegt noch heute, und zwar sowohl als Neuschreibung der klassischen Abenteuer als auch mit neuen Geschichten.

Kurt Brands größter Erfolg war jedoch die Ren Dhark-Serie, die von 1966 bis 1969 lief. Mit Band 98 stellte der Kelter-Verlag die Serie ein, obwohl noch eine Menge Potential vorhanden war, wie der heutige Erfolg der seit Jahren laufenden Ren Dhark-Fortsetzungen in Buchform zeigt. Doch damals sah es offenbar anders aus.

Später verfasste er noch zahlreiche Einzelromane und Mini-Zyklen im Bereich der Science Fiction. Er hinterließ Fußspuren bei Terra, der Zeitkugel, Professor Zamorra, Kommissar X, Fledermaus, Checkpart 2000, Geister-Krimi, Gespenster-Krimi, Mondstation 1999 und Jerry Cotton. Schätzungen zufolge schrieb und veröffentlichte Kurt Brand zwischen 900 und 1000 Romanen.

Wenn ich mich recht erinnere, sah ich Kurt Brand ein einziges Mal. Auf dem Perry Rhodan Weltcon in Karlsruhe muss das gewesen sein. Meine Verbindung zu ihm besteht natürlich in der Mitarbeit an den heutigen Fortsetzungen seiner beiden Serien. Für Raumschiff Promet habe ich rund zwei Dutzend Romane geschrieben, und bei Ren Dhark gehöre ich seit fünfzehn Jahren zum Autorenteam. Heute erhebe ich das Glas auf Kurt Brand, seine Produktivität und seine umfangreiche literarische Hinterlassenschaft.

Dienstag, 9. Mai 2017

Intercomic 81

Ich weiß nicht, seit wie vielen Jahren ich die Intercomic inzwischen besuche, am vergangenen Samstag fand sie jedenfalls zum 81. Mal statt. Dabei handelt es sich bei der halbjährlich in der Köln-Mülheimer Stadthalle stattfindenden internationalen Comic- und Romanmesse um eine Veranstaltung, die nie langweilig wird. Dafür sorgt schon die ganz eigene Atmosphäre.

Auch diesmal drehte sich ganz viel um Comics und ein wenig um Romane. Mangas und Independent, Fantasy, Krimi und Horror. Und natürlich Science Fiction, klar. Zahlreiche Autoren, Zeichner, Illustratoren und Cartoonisten waren zugegen und standen den Besuchern für Autogramme zur Verfügung. Programm gab es auch: Ein Manga- und Anime-Experte verglich Superhelden in Ost und West (nichts für mich), es gab einen Blick auf 75 Jahre Wonder Woman (auch nicht mein Ding) und auf 50 Jahre deutsches MAD-Magazin. Letzteren Programmpunkt hätte ich mir sogar angesehen, wenn ich rechtzeitig darauf aufmerksam geworden wäre.

Doch viel wichtiger sind auf der Intercomic ohnehin die persönlichen Kontakte, die Besuche bei Verlagen, mit denen mich etwas verbindet, die kleinen Schwätzchen mit Bekannten und Kollegen. Ich signierte Romane und Plakate beim Verlag Peter Hopf, wühlte in Bücherstapeln beim Blitz-Verlag, saß am Stand der Romantruhe mit Rüdiger Schaefer und Robert Corvus im Blitzlichtgewitter der Fotografen und blätterte beim Mohlberg-Verlag neue Nick-Comics durch. Mit Lassiter-Autor Des Romero trank ich ein Kölsch, mit dem Verleger, Autor und Rollenspielpionier Werner Fuchs plauderte ich gern wie immer, und mit dem Berliner Autor Thomas Knip sprach ich über eine neue SF-Serie.

Ein bisschen Lesefutter nahm ich auch mit. Das neue Hansrudi Wäscher-Magazin ist ebenso Pflichtlektüre wie das Magazin für Comic- und Nostalgiefreunde Sammlerherz. Beide werde ich demnächst an dieser Stelle besprochen. Die nächste Intercomic findet am 4. November statt.

Freitag, 5. Mai 2017

A.R. Penck 1939 - 2017

Der bekannte und bedeutende deutsche Künstler A. R. Penck wurde 1939 in Dresden geboren. Sein bürgerlicher Name lautete Ralf Winkler. Er war Maler, Grafiker, Bildhauer und Jazzmusiker und benutzte auch die Pseudonyme Mike Hammer, Mickey Spilane und Theodor Marx. Seine Werke stehen heute in verschiedenen Museen und Kunstinstituten in Hamburg, Frankfurt, Zürich, Amsterdam Straßburg und New York. A. R. Penck starb am 02.05.2017 in Zürich. Er wurde 77 Jahre alt.

Mir ist sein Name aus dem Umfeld der Perry Rhodan-Serie bekannt. Für die 1993 im Zsolnay-Verlag erschienene Perry Rhodan-Kunstedition entwarf Penck die Umschläge und weitere Illustrationen für die ersten fünf Bücher. Die dritte Macht, Das Mutanten-Korps, Der Unsterbliche, Der kosmische Lockvogel und Vorstoß nach Arkon erschienen in einer roten Holzkassette, die heute noch in meinem Bücherregal steht.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Das galaktische Archiv

Die Neuschreibung von Kurt Brands Science Fiction-Klassiker Raumschiff Promet schreitet weiter voran. Rechtzeitig zur am kommenden Wochenende stattfindenden Intercomic ist das 17. Taschenbuch der Serie erschienen. Mein Roman Das galaktische Archiv schließt nahtlos an an den Vorgängerband Tötet Harry T. Orell an, an dessen Ende der Konzernchef der HTO einem Attentat zum Opfer fiel.

Ein klassisches Motiv des Künstlers Rudolf Sieber-Lonati schmückt das Titelbild, und der Klappentext verrät: Angelockt vom Klang einer unheimlichen Stimme, entdeckt die Besatzung der Promet das Galaktische Archiv. Bei einer Reise in die Vergangenheit erleben die Raumfahrer das vernichtende Inferno der Schwarzen Raumer. Währenddessen kämpft Harry T. Orell auf der Erde um sein Leben.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Agenten, Utaren und Rateken

Häufiges Titelbildmotiv bei Science Fiction-Serien sind Raumschiffe, in den Weiten des Weltalls, im planetennahen Raum oder beim Anflug auf einen Planeten. Ich mag das, doch mehr noch mag ich die optische Darstellung von handlungstragenden Figuren oder von Angehörigen auftretender Fremdvölker.

Gleich mit beidem erfreut Ralph Voltz auf dem Titelbild, das er für Ren Dhark 69 geschaffen hat. Ob es sich bei Ein sicherer Hort? tatsächlich um einen solchen handelt, sei bis zum Erscheinen des Buches dahingestellt, doch zeigt das Motiv vorab, wer im Roman mitspielt.

Links sehen wir die GSO-Agenten Liv Sanders und Ömer Giray, im Vordergrund sucht der Utare Mok Moklis Deckung, und rechts drängen sich drei schießwütige Rateken ins Bild. Sowohl Utaren als auch Rateken eignen sich immer wieder gut für eine Visualisierung.



Dienstag, 2. Mai 2017

Tibor und das phantastische Element

Wenn mir 2011 jemand gesagt hätte, dass ich 2017 die Arbeit an den Romanadaptionen der ersten Tibor-Serie abschließe, hätte ich es wohl nicht geglaubt. Zumindest wäre es Zukunftsmusik mit unwirklichem Klang gewesen. Damals führten Peter Hopf und ich erste Gespräche über die Umsetzung der Wäscher-Comics in Romanform. Es geschah auf der Intercomic in Köln, und es ging zunächst ausschließlich um Tibor. Als alter Wäscher-Enthusiast plante Peter, die Bücher mit den Geschichten des Dschungelhelden in seinem Verlag zu publizieren. Dass später weitere Adaptionen, beispielsweise von Nick und Falk, folgen sollten, stand seinerzeit erst recht noch in den Sternen.

Doch was damals wie ein Märchen aus der Welt von morgen geklungen hätte, ist nun Wirklichkeit geworden. Ich habe tatsächlich ein ENDE unter das elfte Tibor-Manuskript gesetzt. Damit ist also die erste Tibor-Serie abgeschlossen. In ihr habe ich insgesamt 187 Streifenheftchen, wie man sie damals auch nannte, verarbeitet. Für das letzte Buch waren es die Piccolo-Ausgaben 167 bis 187.

In seinem elften Abenteuer bekommt es Tibor mit einem verrückten Wissenschaftler zu tun. Der Mad Scientist, ein beliebtes Motiv in der Science Fiction, hat damit seinen Einzug in den Dschungel Afrikas gefunden. Hansrudi Wäscher sprach in seiner Geschichte schon vor über einem halben Jahrhundert den Hunger in der Welt an und nahm ihn als Aufhänger für einen Forscher, der eigentlich Gutes im Sinn hat. Er will mit seinen Experimenten nämlich eben jenen Hunger für immer besiegen. Doch bedient er sich, um sein Ziel zu erreichen, nicht nur zweifelhafter, sondern höchst verwerflicher Methoden. Mit einem Wachstumsmittel schafft er riesige Tiere und dehnt seine Versuche schließlich auf Menschen aus.

Es ergibt sich, dass Tibor sich einer dieser Züchtungen gegenübersieht, einem zum Riesen gewordenen Menschen. Schon früher führte Hansrudi Wäscher phantastische Elemente in die Dschungelserie ein. So wurde Tibor in Band 7 mit Titel Aufbruch ins Unbekannte mit einer von der Venus zur Erde gelangten Riesenpflanze konfrontiert.

Auch wenn die erste Tibor-Serie beendet ist, geht es mit dem Herrn des Dschungels in Romanform weiter. Schließlich gab es eine zweite Serie, und auch diese werde ich das Vergnügen haben, für den Verlag Peter Hopf adaptieren zu dürfen.

Sonntag, 23. April 2017

Welt der Kenporim

Der neue Ren Dhark ist erschienen, und meine Belegexemplare sind eingetroffen. Den Roman habe ich diesmal zusammen mit Jan Gardemann und Nina Morawietz geschrieben. Das Exposé zum 68. Band von Weg ins Weltall stammt von Ben B. Black, das Titelbild wie immer von Ralph Voltz. Wohin es Ren Dhark und die Point of im neuen Buch verschlägt, verrät der Titel Welt der Kenporim. Was es allerdings mit dieser Welt auf sich hat, müsst ihr selbst lesen.

Der Klappentext - der gar kein Klappentext ist, sondern ein Rückseitentext - offenbart über den Buchinhalt folgendes: "Die beiden GSO-Agenten Ömer Giray und Liv Sanders erfahren mehr und mehr über die Machenschaften der Vereinigung der Alten Völker. Allerdings kommen sie dabei auch einem nicht gerade zimperlichen Utaren sehr nahe, an dem sich schon andere die Zähne ausgebissen haben. Etwa zur selben Zeit werden Ren Dhark und seine Begleiter gezwungen, länger in der Galaxis Voktar zu verbleiben, als ihnen allen lieb ist. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, in die heimatliche Milchstraße zurückzukehren, stoßen sie auf die Welt der Kenporim."

Donnerstag, 20. April 2017

William Voltz - Galaktische Station 17

Transmitterstationen durchziehen die Milchstraße, die ein müheloses und weitgehend zeitverlustfreies Reisen von einer Welt zur anderen ermöglichen. Allerdings sind sie Völkern vorbehalten, die die sogenannte Allianz bilden, einen Völkerbund, dem auch die Menschen angehören. Spezies, die wegen Verfehlungen aus der Allianz ausgeschlossen werden, verlieren das Privileg, die Transmitterverbindungen zwischen den galaktischen Stationen benutzen zu dürfen. Für sie ist es wie ein Rückschritt in die Steinzeit, und einige dieser Völker schließen sich zu den Abtrünnigen zusammen.
 
Der Terraner Curd Seay ist seit acht Jahren Wächter auf einer dieser Stationen, der Galaktischen Station 17, und er versieht seine Arbeit mit Hingabe. Es ist eine einsame Aufgabe. Zwar kommt es zu häufigen, doch oberflächlichen Kontakten mit den Reisenden. Seays einzige dauerhafte Gefährten sind ein anhänglicher Hund und ein altersschwacher Roboter. Zu beiden unterhält er eine emotionale Beziehung. Unwillkürlich musste ich an Perry Rhodan-Roman 757 denken, ebenfalls von William Voltz geschrieben, in dem Alaska Saedelaere auf die verwaiste Erde zurückkehrt und sich mit einem herrenlosen Hund zusammentut, den er Callibso nennt.
 
Eines Tages wird ein Planet der Allianz von Raumschiffen überfallen, die eine irdische Kennung tragen. Tatsächlich stecken die Abtrünnigen hinter dem Überfall, doch das interessiert die Allianz nicht. Zur Strafe schließt sie Terra aus dem Völkerbund aus. Sämtliche terranischen Wächter werden durch Angehörige anderer Völker ersetzt. Lediglich Curd Seay darf vorübergehend und nach eingehender Überprüfung seiner Loyalität seinen Dienst weiter versehen. Dadurch und durch die exaltierte Position der Galaktischen Station 17 steht er schon bald im Brennpunkt der Ereignisse, die auf einen interstellaren Krieg zusteuern. Als die Station besetzt wird, setzt Seay alles daran, den drohenden Krieg zu verhindern.
 
William Voltz legte mit dem 1984 bei Moewig erschienenen Roman ein klassisches Weltraumabenteuer vor. Die stringent erzählte Geschichte entwickelt sich vom Alltagsleben des Protagonisten, in das sich früh ein dramatischer Zwischenfall mischt, zu einem Höhepunkt, in dem es um nicht weniger als Sein oder Nichtsein geht. Die durchgehend spannende Handlung, flüssig und mit beschwingter Feder geschrieben, packte mich über weite Strecken als echter Pageturner mit einem äußerst sympathischen Handlungsträger.
 
Doch William Voltz belässt es nicht bei einer spannenden und abenteuerlichen Geschichte. Er benutzt sie als Vehikel, um für Verständnis und Toleranz zu werben. Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern sind selbstverständlich und lassen sich nicht glattbügeln, und das sollen sie auch gar nicht. Viel wichtiger ist es, so WiVos Credo, die Unterschiede zu akzeptieren, auch wenn man sie aus der eigenen Sichtweise nicht versteht. Im Gegensatz zu manch anderem – und das sehe ich in der heutigen Politik und Gesellschaft stärker denn je – braucht Voltz weder erhobenen Zeigefinger noch überhöhte Mahnung, sondern ordnet diese Botschaft ganz unaufdringlich der Geschichte unter, die ich tatsächlich mehr oder weniger in einem Zug durchgelesen hab.
 
Galaktische Station 17 ist auch über dreißig Jahre nach Erscheinen noch ein empfehlenswerter Roman. Und ich halte jetzt Ausschau nach den nächsten Voltz-Romanen, die mir noch in meiner Sammlung fehlen. Denn WiVo zu lesen macht mir heute noch genauso viel Spaß wie zu meiner Schul- und Jugendzeit.


William Voltz: Galaktische Station 17
Moewig Science Fiction 3828
Arthur Moewig Verlag 1984
Taschenbuch, ca. 160 Seiten, DM 8,80
Mit einem Vorwort von William Voltz.


Mittwoch, 19. April 2017

Classic Rock 59

Vom Titelbild der April-Ausgabe schaut einem ein grimmig dreinblickender Jim Morrison entgegen. Der Aufmacher ist das vor 50 Jahren erschienene Debütalbum. Vierzehn Seiten sind dem Quartett, das die Welt musikalisch auf den Kopf stellte und bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat, und seinem ersten Album gewidmet. Ein paar Songs von ihnen gibt es, bei denen brauche ich bloß die Augen zuzumachen, um das Gefühl zu haben, mich schlagartig in einem anderen Universum aufzuhalten, und wenn The End Apokalypse Now einen noch düstereren Anstrich verleiht, als ihn der Film ohnehin hat, geht es kongenialer kaum. Doch mindestens ebenso viel von den Doors hat sich mir nie erschlossen. Zum Komplettverständnis hätten sie mir vielleicht den Weg in die nächste Whiskybar zeigen müssen.
 
Ganz anders Deep Purple, die ich seit Dekaden aufsauge und die bekanntlich zu meinen All Time Favourites gehören. Sie sind inzwischen seit 50 Jahren dabei. Im Vorfeld des neuen, des 20. Studioalbums sprossen die Spekulationen wie Krokusse im Frühjahr, trägt das Album doch den reichlich Interpretationsspielraum gewährenden Titel Infinite. Das letzte Album? Okay. Das hörte man andeutungsweise. Aber darüber hinaus? Womöglich das Ende der Band? Für mich unvorstellbar – obwohl mein Glaube an das Unendliche in der Rockmusik nach Lemmys Tod und der Final Tour von Black Sabbath doch arg ins Wanken geraten ist. Aber ich will ja nicht das Schlimmste annehmen, sondern das Beste. Also weitermachen, bitte. Zu diesem und anderen Themen interviewt Paul Schmitz das einzig durchgängige Stammmitglied von Deep Purple Ian Paice. Nach dem Lesen bin ich, wie ich gestehen muss, nicht viel schlauer als vorher. Ein abruptes Ende der Band wird es zumindest nicht geben, und das ist schon mal viel wert.
 
Die Meilensteine beleuchten Eddie Cochrans tragisch-frühen Tod, des just verstorbenen Jaki Liebezeit wird gedacht, und Steel Panther kommen mit einigen ihrer Aussagen mehr als merkwürdig daher. Bonfire setzen noch immer volle Fahrt voraus, in den Rock-Mythen gibt es mit dem Tod des Soul-Prinzen Marvin Gaye eine weitere Tragik zu bedauern, und Blackberry Smoke, von denen ich nichts bewusst kenne, muss ich mir wirklich mal zu Gemüte führen. Nett der Blick auf alte Eintrittskarten, sammle ich die meinen doch auch schon seit dreieinhalb Dekaden. Steve Hackett gibt sich im Interview charmant und bleibt politisch-kritisch auf Kurs, Wilko Johnson ist dem Tod von der Schippe gesprungen, und John Watt und Fischer Z sind immer noch da. Hach ja, Red Skies Over Paradise. Ein Highlight ist die Werkschau-Auslese von Judas Priest. Die Truppe um Rob Halford gehört für mich zu den Speerspitzen nicht nur der NWOBHM, sondern des Metal generell, des melodischen noch dazu.

Freitag, 14. April 2017

Jimmy witzelt

Das tut der künstliche Scotchterrier diesmal ausgiebig. Er wird damit einmal mehr dem Kosenamen gerecht, mit dem ihn sein Erbauer Chris Shanton zuweilen belegt: Kodderschnauze. Ansonsten wird der kleine Roboterhund mit den zahlreichen Fähigkeiten zuweilen als Brikett auf Beinen bezeichnet, was seinem pechschwarzen Fell geschuldet ist.
 
Ich habe das nächste Manuskript für Ren Dhark fertiggestellt. Die Akte Grovis läutet das letzte Viertel des laufenden Zyklus ein. Beim Schreiben fiel mir auf, dass sich Jimmy, ohne dass mir das bislang richtig aufgefallen wäre, immer mehr zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt. Als humoriges Element muss er nicht immer mit dem Ernst zur Sache gehen wie beispielsweise Ren Dhark selbst. Also können er und ich schon mal Blödsinn machen.
 
Ren Dhark selbst steht in meinem neuen Manuskript im Mittelpunkt der Handlung. Zusammen mit einem Außenteam sucht er in einer merkwürdigen kosmischen Enklave nach Informationen. Die könnten sich als lebenswichtig erweisen, denn noch immer sitzen die Raumfahrer von der Erde als Gestrandete in der Galaxis NGK 3109 fest, in Voktar, wie die Kleingalaxis von ihren Bewohnern genannt wird, und werden gejagt von den erbarmungslosen Friedensstiftern und deren schießwütigen Vasallen. Auch meine anderen Lieblingsfiguren Chris Shanton und Arc Doorn sind mit von der Partie, ebenso wie der zur Künstlichen Intelligenz gewordene Roboter Artus und einige Cyborgs.
 

Donnerstag, 13. April 2017

Waldemar Kumming 1924 - 2017

In der deutschen Science Fiction-Szene gehörte Waldemar Kumming, geboren am 31. Juli 1924, zu den Urgesteinen. Untrennbar verbunden ist sein Name mit dem Fanzine Munich Round Up, das er 1958 mit einigen anderen Fans aus der Taufe hob. MRU, wie es abgekürzt wurde, widmete er sich über fünfzig Jahre lang. Ich erinnere mich daran, in den Achtziger Jahren die eine oder andere Ausgabe in der Hand gehabt zu haben.

Überhaupt war Waldemar Kumming über Dekaden im nationalen wie im internationalen Fandom aktiv. So war er auf zahlreichen SF-Cons anzutreffen, beispielsweise auf den Jahrescons des Science Fiction Club Deutschland oder auf verschiedenen Worldcons. Ich habe ihn – auch das muss in den Achtziger Jahren gewesen sein – ein paar Mal gesehen, doch stets nur aus der Ferne. Zu einem persönlichen Kontakt kam es nie.

Waldemar Kumming wurde auf dem Worldcon 2005 mit dem Big Heart Award für seine internationalen Aktivitäten ausgezeichnet. Er starb, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 5. April 2017. Waldemar wurde 92 Jahre alt.

Montag, 3. April 2017

Kölner Szenewirt Clemens Böll gestorben

Wenn in Zusammenhang mit Köln der Name Böll fällt, denkt man unwillkürlich an Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll. Doch auch dessen Neffe ist eine stadtbekannte Kölner Persönlichkeit. Clemens Böll hat sich über rund vier Dekaden einen Namen in der Kölner Kneipenszene gemacht.

Bekannte Namen haben die Läden, an deren Eröffnung er beteiligt war oder die er bewirtete, beispielsweise das Alcazar, das Tingel Tangel und am Barbarossaplatz der Rockschuppen Luxor. Und natürlich das Chlodwig-Eck, für mich ganz besonders das Chlodwig-Eck, nur einen Steinwurf entfernt vom Chlodwigplatz am Eingang zur Annostraße gelegen, gleich neben dem dortigen Obdachlosenasyl und mit Blick aufs Severinstor.

Ich lernte das Chlodwig-Eck in den frühen Achtziger Jahren kennen. Wenige Fußminuten weiter, im Humboldt-Gymnasium, kämpfte ich mich durch meine Oberstufenzeit. Statt dem Unterrichtsstoff zu folgen, begab ich mich oft genug schon vormittags ins Chlodwig-Eck, mit T. und O., und wir hingen dort ab, weil auch die BAP-Musiker zu Beginn ihrer Karriere dort ihr Wohnzimmer aufgeschlagen hatten.

Sicher hat uns Clemens damals so manches Kölsch serviert, wenn ich auch gestehen muss, mich heute nicht mehr an ihn hinter der Theke erinnern zu können. Nun ist Clemens Böll im Alter von 71 Jahren gestorben. Mit ihm geht ein Stück Kölner Kneipenkultur, obwohl das Chlodwig-Eck schon lange ohne ihn weiterbesteht. In Köln wurde schon zu Clemens Bölls Lebzeiten ein Bier nach ihm benannt, das Böll-Bier.

Sonntag, 26. März 2017

Sprechblase 236

Die 236. Ausgabe der Sprechblase legt den Schwerpunkt auf Michel Vaillant, den ich aus den Zack-Heften der Siebziger Jahre kenne. Die Rennfahrerserie, die Zeichner und Autor Jean Graton, heute 93 Jahre alt, 1957 schuf, umfasst mittlerweile über siebzig Alben und erfreut sich bis heute mit neuen Geschichten großer Beliebtheit. Auf dreißig Seiten befasst sich die Sprechblase mit dem bekannten, dem neuen und dem unbekannten Michael Vaillant und wartet dabei mit einer Fülle an Informationen und Bildmaterial auf. Interessant fand ich vor allem den Bericht über diverse Vaillant-Kurzgeschichten, die für die Werbebranche entstanden und nie auf Deutsch erschienen sind. Eins dieser Abenteuer, vierseitig, findet sich hier zum ersten Mal in deutscher Übersetzung.

Thematisch naheliegend ist die neue Welle der Rennfahrercomics im Windschatten von Michel Vaillant, eine mehrseitige Fleißarbeit, so dass das halbe Heft von diesem Thema beherrscht wird. Anderweitige Artikel fallen demzufolge eher kurz aus. Mit dem zur Verfügung stehenden Platz hat die Sprechblase bei dem stets vorliegenden Material ohnehin in jeder Ausgabe zu kämpfen. Stefan Meduna beschäftigt sich mit der Rückkehr des Corto Maltese, und Herbert Heinzelmann blickt zurück auf den 17. Erlanger Comic Salon. Eine Würdigung erfährt der im vergangenen Jahr verstorbene italienische Zeichner Gallieno Ferri, ebenso die Luxemburger Ikone Luke Haas durch die Worte seiner Tochter Natalie. Herausgeber Gerhard Förster beschäftigt sich mit Russ Mannings in Zeitungen erschienenen Tarzan Daily Strips, und Asterix erobert wieder einmal Rom.

Opulente achtzehn Comicseiten schließen das neue Sigurd-Abenteuer um die Rätsel von Rothenstein ab. Anlässlich der auch bereits in Albumform publizierten Geschichte, die Gerhard Förster und Martin Frei auf die Beine gestellt haben, interviewt der eine den anderen. Der schöne zweiseitige Funny "Gefährliche Liebschaften" legt augenzwinkernd dar, wie Gerhard sich bei der Ausarbeitung der weiblichen Figuren in eben jene verliebt hat. Harrys bunter Medienmix und die Generation Lehning runden das Heft ab. Hundert proppevolle Magazinseiten bieten wieder einmal eine Menge, sodass die Sprechblase Pflichtlektüre und Lesevergnügen gleichermaßen bleibt.

Montag, 20. März 2017

Dudelsack und roter Hut

Hansrudi Wäschers Ritter Falk von Steinfeld und Bingo Della Rocca setzen ihre Reise in den Süden fort, sowohl in ihrer als auch in unserer Realzeit. Den Winter über haben sie gerastet und es sich in der Wärme einer Burg gutgehen lassen, da der Weg über die Alpen unpassierbar war – und ich habe sie rasten lassen. Nun, bei Frühjahrseinbruch, sind die Wege und Pfade schneefrei und die Brücken und Steige im Gebirge wieder passierbar. Wir erinnern uns: Bingo hat einerseits Sehnsucht nach seiner Heimat und möchte sie endlich wieder einmal besuchen, und andererseits braucht er neue Zutaten für seine Zaubertricks, die er nur im Morgenland erhält.
 
Mit einem Lächeln im Gesicht habe ich die Arbeit an einem weiteren Manuskript für die Falk-Buchreihe beendet. Zumindest kam es mir so vor, denn es gab eine Menge witziger Szenen, die nicht weniger Spaß gemacht haben als die spannenden und actionreichen. Im Vergleich zu den ersten sechs Falk-Büchern sticht ein Unterschied hervor. Es gibt keine stringente Romanhandlung, wie der Leser es gewohnt ist, da es sich bei der Adaption nicht um eine lange Wäscher-Geschichte handelt. Stattdessen umfasst die Buchversion den Inhalt von fünf Falk-Sonderbänden. Ich würde es vergleichen mit fünf Kurzgeschichten oder Erzählungen, die jeweils in sich abgeschlossen sind, allerdings durch einen sie miteinander verbindenden roten Faden durchaus auch als Roman gelesen werden können. Erscheinen wird das Buch nach dem noch ausstehenden 6. Abenteuer Eine Sage wird Wirklichkeit. Ein Titel steht derzeit noch nicht fest.
 
Natürlich ist der Reiseweg – was unsere Helden erfahren müssen und Autor und Leser gleichermaßen freut – lang und steckt voller Gefahren. So ist die Überschrift dieses Posts nicht willkürlich gewählt. In der Geschichte spielen sowohl ein Dudelsack als auch ein markanter roter Hut wichtige Rollen. In einer Burgruine sehen sich Falk und Bingo zudem unvermittelt einem fliegenden Geist gegenüber. Ein alter Freund Bingos scheint zum geldgierigen Vampir geworden zu sein, und die Freunde treffen sogar auf einen Drachen und einen Drachentöter. Wenn da mal alles mit rechten Dingen zugeht.

Sonntag, 19. März 2017

Classic Rock 58

In der März-Ausgabe meines bevorzugten Musik-Magazins beschäftigen sich Redakteure und Mitarbeiter mit den „100 besten Alben der 80er“. Eine solche Aufstellung ist natürlich subjektiv bis zum geht-nicht-mehr, und das ist das Gute daran. Man mag zustimmen, man kann zweifeln, man darf sich daran reiben. Es gibt Konsens, es gibt Dissens. Wie schlimm wäre es doch, hätten alle den gleichen Geschmack. Ich mag solche Contests, ähnlich wie die Jahresrückblicke im Best-of-Modus. In den vorliegenden Top 100 findet sich alles: von Industrial (Bauhaus) bis Punk (Dead Kennedys), von AOR (Foreigner) bis Heavy Metal (Metallica), von Folk-Punk (The Pogues) bis zu Singer/Songwriter-Folk (Bob Dylan), dazu ganz viel Pop und einige Sachen, die ich nicht zuordnen kann – was man ja auch beileibe nicht bei allem muss.

Auf dem Siegertreppchen tummelt sich der Heavy Metal. Auf Platz 3 liegt High'n'Dry von Def Leppard, davor rangiert Van Halen mit Women And Children First, und ganz oben steht Black Sabbath mit dem durchaus epochalen Heaven And Hell. Sechzehn der aufgeführten Alben sind in meinem Besitz, manche kenne ich nicht, nicht einmal die Bands. Bei anderen wundere ich mich. Iron Maidens Piece Of Mind statt Number Of The Beast? Springsteens Tunnel Of Love statt des Jahrhundertwerks Born In The USA? Von den Großtaten der Dire Straits gar nichts? Auch keine Guns'N'Roses? Die Regeln könnten eine Erklärung dafür liefern, zum Beispiel: „Die bekanntesten Alben sind tabu.“ Aha. Neil Youngs Freedom ist dabei und wäre es bei mir auch. Aber Manowar mit Battle Hymns? Nun ja. Aber wie gesagt, darüber kann man trefflich streiten, und das ist schön.
 
Selbstverständlich hat die 58. Ausgabe von CLASSIC ROCK auch darüber hinaus eine Menge zu bieten. Die Rückblende dreht sich diesmal um Randy Rhoads. Ozzys Knappe starb vor 35 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Kein Jahr zuvor war der junge Ausnahmegitarrist vom Fachblatt Guitar Player als bestes neues Talent ausgezeichnet worden. Eine Tragödie, fürwahr. Chris Franzkowiak würdigt in seinem Artikel „Judas Priest – Zeitgeist auf der Überholspur“ das vor 30 Jahren erschienene bahnbrechende Album Turbo, und die Werkschau-Auslese widmet sich den AOR-Urgesteinen Survivor. Dass die Wirklichkeit die Berichterstattung zuweilen weit hinter sich lässt oder gar ad absurdum führt, beweist der Tod von Rick Parfitt. Wurde in der vorigen Ausgabe noch verkündet, der Status Quo-Gitarrist befinde sich nach schweren gesundheitlichen Problemen auf dem Weg der Besserung, gibt es diesmal einen Nachruf auf den jüngst Verstorbenen. Auch das tragisch.

Donnerstag, 9. März 2017

Hubert Haensel - Unendliches All

Darauf muss ich an dieser Stelle natürlich unbedingt hinweisen, weil ich mich über die Veröffentlichung freue: Nun ist er da, der lang erwartete Nick-Roman von Hubert Haensel. Mit Band 8, Unendliches All, legt der bekannte Autor, der unter anderem für Perry Rhodan schreibt und für Ren Dhark schrieb, einen Gastbeitrag für die Nick-Reihe vor, auf den viele seiner Fans gewartet haben.

Fan war er selbst einmal. Als Jungen brachten ihn Hansrudi Wäschers Nick-Comics zur Science Fiction, und so schließt sich in gewisser Weise ein Kreis. Denn für Hubert war es eine Herzensangelegenheit, selbst einmal schriftstellerisch in Nicks Welt einzutauchen und dem Weltraumhelden aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts literarisches Leben einzuflößen. Das ist ihm mit seinem Roman in beeindruckender Weise gelungen.

Mittwoch, 8. März 2017

Michael H. Buchholz 1957 - 2017

Ich konnte es kaum glauben, als ich vor einer Stunde erfuhr, dass Michael H. Buchholz gestorben ist. Ich wusste nicht, dass er anscheinend schon länger schwer krank war. Kein Wunder, ich kannte ihn kaum.

Wir sind uns bei irgendwelchen Veranstaltungen zwei oder drei Mal persönlich über den Weg gelaufen, beispielsweise beim Perry Rhodan Weltcon 2011 in Mannheim, haben bei diesen flüchtigen Begegnungen aber nicht mehr als ein paar Sätze gewechselt.

Als Autor war Michael in der Science Fiction-Szene wohl schon länger aktiv, so schrieb er einige Beiträge zu den Atlan-Miniserien. Richtig bewusst wurde mir sein Name aber erst im Zuge der Atlan-Taschenbücher, als er, ich und Rüdiger Schaefer 2007 die Rudyn-Trilogie schrieben. Es war unsere erste und einzige Zusammenarbeit.

Zuletzt verfasste Michael die Exposés für Perry Rhodan Neo, die Neuschreibung der Perry Rhodan-Serie. Dies tat er seit etwa zwei Jahren gemeinsam mit Rüdiger Schaefer. Mit Michael verliert die Szene einen weiteren kreativen Kopf. Michael H. Buchholz starb am 6. März 2017, wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag.

Dienstag, 7. März 2017

Teleportationstore und Unterwassermenschen

Nach dem dieser Tage erscheinenden siebten Nick-Roman - den Gastroman des bekannten Schriftstellers Hubert Haensel habe ich bereits früher erwähnt - habe ich wieder das Steuer von Nicks Sternenschiff übernommen. Inzwischen habe ich die Arbeit an der achten Romanadaption abgeschlossen. Sie ist recht umfangreich ausgefallen, mehr als zwei Heftromanlängen schlugen am Ende zu Buche.

Nick, der Weltraumfahrer, ist mit dem Kugelraumer in den Randbereichen der Milchstraße unterwegs. Dort, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist, gehen die Forscher von der Erde und der Marsianer Xutl ihrer Entdeckermission nach. Sie stoßen auf ein Sonnensystem, in dem gleich mehrere Planeten bewohnt sind oder einst bewohnt waren. Bei ihren Untersuchungen wirft der verschlagene Tierfänger Jack Hunter ihnen zahlreiche Knüppel zwischen die Beine. Zu spät erkennt Nick, dass Hunter hochtrabende Ambitionen hegt und vor keinem Mittel zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen.

Einmal mehr erweist sich Hansrudi Wäscher als Meister der großen, fast epischen Erzählung in Bilderform. Spannend und imposant, was er alles in sein achtes Nick-Abenteuer hineingepackt hat: ein Volk von Unterwasseratmern, die Hinterlassenschaften einer vor langer Zeit ausgestorbenen Zivilisation, die Romanze zwischen einem Menschen von der Erde und einer außerirdischen Sternenkönigin, eine interstellare Dunkelwolke, einen intriganten Mörder, skrupellosen Diktator und reichlich Action. Vor allem aber die legendären Teleportationstore, für mich eine der faszinierendsten Ideen Wäschers, Jahrzehnte vor Star Gate.

Folgende Nick-Piccolos sind in den Roman eingeflossen: 94 Wir wollen umkehren, 95 Der Tod hat einen langen Arm, 96 Der geheimnisvolle Bogen, 97 Wahnsinnig, 98 Spurlos verschwunden, 99 Eine Welt zu Füßen, 100 Gefährliches Experiment, 101 Die Dunkelwolke, 102 Hinter Mauern, 103 Landung bei Nacht, 104 Gier nach Macht, 105 Ein gewagtes Unternehmen, 106 Bei den Rebellen, 107 Verhängnisvoller Ehrgeiz, 108 Auge in Auge mit dem Tod, 109 Waffenlos, 110 Die Maus, 111 Überlistet, 112 Eine merkwürdige Entdeckung, 113 Kampf ohne Gnade, 114 Das Sternenschiff wird vernichtet, 115 Der Tod ist in der Luft, 116 Siebenfache Übermacht, 117 Flucht ins All, 118 Mit in die Tiefe gerissen, 119 Im Vorhof der Hölle.


Mittwoch, 1. März 2017

Alltagsleben an Bord der POINT OF

Mit Ren Dhark ging es auch zu Beginn des Jahres eifrig weiter. So habe ich die Arbeit an meinem Manuskript für das 69. Buch von Weg ins Weltall rechtzeitig vor Karneval abgeschlossen, bin bisher aber noch nicht dazu gekommen, ein paar Worte darüber zu verlieren. Beabsichtigt war, mich nach Abgabe des Manuskripts die närrischen Tage über in den Kölner Karneval zu stürzen, was jedoch durch einen Unfall verhindert wurde. Zu meinem Betrüben fiel Karneval für mich komplett aus. Dem Unfall und seinen Nachwirkungen ist es auch geschuldet, dass ich erst jetzt zu diesem Post komme.

Worum geht es denn nun in meinem neuen Manuskript? Ren Dhark und die Raumfahrer von der Erde sind mit der Point of weiterhin in der Kleingalaxis NGK 3109 gestrandet, bei deren Völkern Voktar genannt. Während unsere Weltraumhelden weiterhin nach einer Möglichkeit suchen, die es ihnen erlaubt, den Abgrund zwischen den Galaxien zu überwinden und in die Milchstraße heimzukehren, werden sie von den Friedensstiftern und deren Häschern gejagt.

Während wir im laufenden Zyklus weiter voranschreiten, zeichnen sich auch immer weitere Verbindungen zwischen den einzelnen Handlungsebenen ab. Neue Informationen erschließen sich, und doch ist das Puzzle noch zu verworren, als dass Ren Dhark einen stimmigen Sinn erkennen könnte. Auf der Suche nach Erkenntnis über die Hintergründe der geheimnisvollen Vorgänge in NGK 3109 gelangt die Point of in ein Sonnensystem, das es so eigentlich gar nicht geben dürfte.

Für Band 68 habe ich übrigens damit begonnen, Alltagsszenen aus dem Bordleben der Point of zu schildern - natürlich nicht als Selbstzweck, sondern im Kontext der laufenden Handlung. Die entsprechenden Passagen einfach zu überlesen ist also nicht möglich. In Band 69, der übrigens den Titel Ein sicherer Hort? tragen wird, setze ich die Schilderung solcher Szenen fort. Wie immer bin ich gespannt auf die Reaktion der Leser.

Montag, 27. Februar 2017

Harry Messerschmidt 1947 - 2017

Harry Messerschmidts Interesse am Zeichnen wurde durch die Comics der Fünfziger Jahre geweckt, und er entwickelte eine große Liebe für Piccolos. Beides sollte ihn sein Leben lang begleiten. Schon in jungen Jahren zeichnete er in der Schule seine ersten Motive, Science Fiction, Fantasy, Dschungelabenteuer, Western und Historie.
 
All diese Themen brachte er später in seine Zeichnungen und Cartoons ein – und in seine eigenen Piccolos, von denen weit über hundert Ausgaben erschienen. Daneben fertigte er Innenillustrationen für verschiedene Science Fiction-Serien an, unter anderem für Perry Rhodan.
 
Harry, am 14. Januar 1947 geboren, starb vor wenigen Tagen. Persönlich kennengelernt habe ich ihn nie, ich erinnere mich nur an zwei oder drei kurze, aber schon Jahre zurückliegende Mail-Wechsel. Er wurde 70 Jahre alt, hatte aber noch lange nicht ans Aufhören gedacht. Mit Harry Messerschmidt geht der Szene ein begeisterter und kreativer Kopf verloren.

Sonntag, 26. Februar 2017

Sandelsmog

Mit dem Titelbild für Ren Dhark 68 hat Ralph Voltz einmal mehr ein kleines Meisterwerk abgeliefert. Welchem Volk Sandelsmog angehört, verrate ich noch nicht.


Montag, 13. Februar 2017

Rebellen gegen die Friedensstifter

Sechs Wochen sind schon rum im neuen Jahr, das so neu also gar nicht mehr ist. Diesmal hat es lange gedauert, bis meine ersten Belegexemplare eintrafen. Man bekommt ja Entzugserscheinungen, wenn man nicht hin und wieder ein eigenes neues Werk in Händen hält. Doch nun ist es endlich soweit.

Die druckfrische Ausgabe von Ren Dhark 67 ist angekommen. Das Buch trägt den Titel Rebellen gegen die Friedensstifter, die enthaltenen Romanbeiträge wurden von mir, Nina Morawietz und Andreas Zwengel geschrieben, das Exposé von Ben B. Black. Das Titelbild stammt wie gewohnt von Ralph Voltz. Ralphs Darstellung des Woniozell mit dem zungenbrecherischen Namen Dabophilorisoptyl gefällt mir immer noch ausgesprochen gut.

Sonntag, 12. Februar 2017

Kölsche Mundart mit dem Drei Mann Quartett

Kölsch wie auch andere regionale Mundarten wird immer weniger gesprochen, heißt es – und immer weniger gesprochen werden. Es sei abzusehen, dass die Dialekte aussterben. Bin ich in Köln in den Veedeln unterwegs, in der Straßenbahn oder selbst in kölschen Kneipen, fällt mir auf, dass die Behauptung stimmt. Oder zumindest bilde ich mir das ein. Kölsch sprechen überwiegend noch die alten Kölner.
 
Anders ist das im Karneval, wo die kölsche Sprache aus dem Liedgut nicht wegzudenken ist. Zu den Gruppen, die dort seit Jahrzehnten auftreten (Bläck Fööss, Höhner, Paveier, Räuber), gesellten und gesellen sich alljährlich neue Bands (wie beispielsweise die Klüngelköpp, Kasalla, Cat Balou, Die Domstürmer). Leider bekommt man sowohl von den Alteingesessenen als auch den Neuen in ihren Liedern kaum einmal mehr richtig schöne Geschichten erzählt, so wie es vor allem die Bläck Fööss in den Siebziger Jahren machten. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, aber überwiegend muss für jede Session eine neue Hymne her, die auch der letzte Depp noch mit drei Promille mitgrölen kann.
 
Glücklicherweise gibt es – abseits der großen Bühnen und zumeist unbeachtet seitens eines feierwütigen Publikums – Musiker, die sich der kölschen Mundart und den alten Texten verschrieben haben. Sie pflegen sie bei ihren Auftritten mit Begeisterung und erhalten sie am Leben. Zunächst fiel mir das vor ein paar Jahren bei der Familich auf, auch bei Philipp Oebel und vor geraumer Zeit bei Peter Schmitz-Hellwing. Und jetzt lernte ich eine Band kennen, von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte. Noch dazu geschah das, nachdem mir ein Flyer in die Hand gefallen war, nicht in Köln, sondern in der mittelalterlichen Burg Mauel im Windecker Ländchen.
 
Um ein Trio handelt es sich, das den im ersten Moment merkwürdig anmutenden Namen Drei Mann Quartett trägt. Verständlich wird er, wenn man erfährt, dass das Publikum als der vierte Mann (oder die vierte Frau) gilt. Dass das dreiköpfige Quartett bislang an mir vorbeiging, wundert mich, spielen die Jungs doch bereits seit einigen Jahren zusammen. Freddie Böhmer und Martin Hark spielen akustische Gitarre, Reinhold Schreiber zupft den E-Bass, jedoch kommen im Laufe des Konzerts auch weitere Instrumente wie beispielsweise die durch Hans Süper bekannt gewordene Flitsch zum Einsatz. Das Bild oben habe ich von Facebook entliehen, dort ist das Drei Mann Quartett präsent.
 
Der Gewölbesaal der Burg Mauel bot einen schönen Rahmen für den Auftritt. Wie lang mag er gewesen sein (der Auftritt, nicht der Gewölbesaal)? Zwei Stunden bestimmt, ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Wozu auch, denn die Zeit verging wie im Flug. Die Musiker konzentrierten sich auf Klassiker der kölschen Mundart wie Willi Ostermanns (1876 – 1936) Die Mösch und Kutt erop! oder Karl Berbuers (1900 – 1977) Heidewitzka, Herr Kapitän sowie das von Hans Knipp (1944 – 2011) komponierte und von Horst Muys (1925 – 1970) bekannt gemachte Ne Besuch em Zoo. Alles wohlklingende Namen von Komponisten, Textdichtern und Krätzchensängern. Diese klassischen Mundartlieder ließen sich damals durchaus dem Karneval zurechnen, gehen für mich aber viel weiter. Häufig liefern sie Alltagsbeobachtungen in musikalisch aufbereiteter Form, worin besonders Willi Ostermann ein Meister war. Ich bin ne kölsche Jung von Fritz Weber (1909 – 1984) kam ebenso zu Ehren wie De Pänz sin us dem Hus und weitere Stücke der Bläck Fööss, kein Wunder, gelten zahlreiche Leeder der Mutter aller kölschen Bands selbst längst als Klassiker. Noch viel mehr gab es, und manches kannte ich gar nicht.
 
Freddie Böhmer, Martin Hark und Reinhold Schreiber singen alle. Jeder der drei hat offenbar seine persönlichen Lieblingsstücke, und mit entsprechender Hingabe werden sie vorgetragen. Man merkt den Musikern ihre Freude beim Vortrag an, was noch unterstrichen wird durch die launigen Ansagen und die kleinen Verzällcher zwischen den einzelnen Stücken. Dank Musikern wie dem Drei Mann Quartett leben solche musikalischen Perlen in kölscher Mundart weiter, was aller Ehren wert ist und nicht genug anerkannt werden kann. Es war ein herrliches Konzert, und das dreiköpfige Quartett wird mich wiedersehen. So kündigten die Musiker bereits an, im kommenden August, und dann unter freiem Himmel, erneut in der Burg Mauel aufzutreten. Dann fahre ich wieder hin. Also, heißer Tip für alle Freunde von Krätzchen und kölschen Mundart-Evergreens: das Drei Mann Quartett!

Samstag, 4. Februar 2017

Tibor im Wunderland?

Ein weiteres Titelbild ist da, das ich schon vorstellen kann. Der Roman steht zwar erst in den kommenden Monaten auf meiner Schreibagenda, aber das Covermotiv gibt schon einen kleinen Ausblick. Jagt da etwa ein Riesenkaninchen ein Zebra?


Samstag, 28. Januar 2017

Arndt Ellmer - Die Auris-Trilogie

Der BARDIOC-Zyklus gehörte für mich zu den Highlights der Perry Rhodan-Serie. Das kosmische Ringen der beiden Superintelligenzen Bardioc und Kaiserin von Therm erschien von 1976 bis 1978 in den Heftromanen 800 bis 867. Im letzten Roman des Zyklus kam es zur Vereinigung dieser auf phantastische Weise entstandenen Superwesen. Das körperlose Gehirn eines der ehemaligen Sieben Mächtigen Bardioc ging im Kristallgespinst der Kaiserin auf. Auch heute, vierzig Jahre später, löst dieser Zyklus noch Faszination bei mir aus. Das liegt am großen kosmischen Hintergrund der Geschichte, am Faszinosum der Superintelligenzen, die damals noch nicht inflationär in der Handlung auftauchten, an weiteren Figuren wie den Inkarnationen Bardios, dem Forscher der Kaiser Douc Langur (sicherlich eine meine Lieblingsfiguren, genau wie die mitspielenden Ganerc und Alaska Saedelaere) – und natürlich an der Tatsache, dass damals William Voltz die Geschicke der Serie lenkte und die meisten Schlüsselromane verfasste.

Mit Abschluss des Zyklus verschwanden Bardioc und die Kaiserin von Therm aus der Handlung, doch es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie sich das weitere Schicksal der Vereinigung und der verwaisten Mächtigkeitsballung Bardiocs gestaltet. Das dachte sich wohl auch Arndt Ellmer, denn der 1983 ins Perry Rhodan-Team eingestiegene Autor griff das Thema 1987 in nicht nur einem Taschenbuch wieder auf, sondern er machte gleich eine Trilogie daraus. Und das war, soviel vorweg, eine gute Idee, wie das Resultat eindrucksvoll belegt.

Das Ende der Duuhrt setzt knapp hundert Jahre nach der vermeintlichen Vereinigung der beiden Superintelligenzen ein. Es zeigen sich zunehmende Komplikationen bei dem Vereinigungsprozess. Die Kristallintelligenz droht wahnsinnig zu werden, weshalb Bardioc anbietet, sich wieder aus der Verbindung zu lösen. Dies jedoch lehnt die Kaiserin ab, woraufhin sie mehr und mehr die Kontrolle über die Völker ihrer Mächtigkeitsballung verliert und es zu kriegerischen Konflikten der bis dato verbündeten Völker untereinander kommt. Im Zusammenspiel verschiedener Figuren gelingt es schließlich, insbesondere durch das Wirken Bardiocs, die Kaiserin von Therm zu retten. In der Folge verschmelzen beide endgültig zu der neuen Superintelligenz Thermioc. Eine schöne Überraschung bereitete Arndt Ellmer mit dem Auftritt der Kelosker, jener einerseits plumpen, körperlich unförmigen Wesen, die jedoch andererseits brillante Rechner, Mathematiker und logische Denker sind, deren Denkprozesse bis in den siebendimensionalen Bereich hinaufreichen. Auch deren Rechenmeister Dobrak gehörte seinerzeit zu meinen Lieblingsfiguren, schon im Aphilie-Zyklus.

Zu Beginn des zweiten Bandes der Trilogie Die Symbionten des Limbus sind weitere einhundert Jahre vergangen. Der Paradieseffekt hat die Mächtigkeitsballung der ehemaligen Kaiserin befriedet, jene Bardiocs liegt hingegen weiterhin brach und stellt ein Machtvakuum mit einem erheblichen Machtpotential dar. Die Symbionten des Limbus werden aktiv, und eine bisher unbekannte Superintelligenz namens Ulgenland tritt auf den Plan. Zudem erscheint Bulloc, die ehemalige Vierte Inkarnation Bardiocs, und die mit Abstand mächtigste. Ulgenland gefiel mir nicht besonders. Ich fand die aus einer Roboterzivilisation hervorgegangene Superintelligenz blass, zu kalt, im Vergleich zur Entstehungsgeschichte der beiden anderen sogar ein wenig banal. Geschmackssache, klar, aber alle später auftauchenden Superintelligenzen mussten sich an den beiden Paradebeispielen messen lassen. Ulgenland spielt im Verlauf der Ereignisse um die Symbionten zwar eine wichtige Rolle, wird anschließend aber von dem geheimnisvollen Roboter aus der Vergangenheit Vlission kurzerhand in die Luft gesprengt, damit sie nicht auf die Idee kommt, sich Bardiocs verwaiste Mächtigkeitsballung untertan zu machen. Wie im ersten Band Dobrak, so ist hier Bulloc das überraschend auftauchende Highlight. Von dieser abgrundtief bösen Kreatur Bardiocs, die seinerzeit nur als ein Flimmern beschrieben wurde und die sich im damaligen Zyklus gegen ihren Schöpfer stellte und ihn zu vernichten trachtete, wurde nie endgültig geklärt, ob sie noch existiert.

Sie existiert, und wie. In Metamorphose einer Superintelligenz wird Bulloc erst richtig aktiv. Er plant einen Angriff auf Thermioc, und es kommt zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen der Vierten Inkarnation und der jungen Superintelligenz. Im Abschlussband der Trilogie kommt es zu zahlreichen Irrungen und Wirrungen, in denen die dem Dreiteiler seinen Titel gebende Auris sowie erneut der Roboter Vlission wichtige Rollen inehaben. Im Verlauf der Handlung verschmelzen Bardioc und die Kaiserin von Therm endgültig zu einer neuen Entität, und Bulloc wird durch eine List vernichtet. Thermioc gibt die körperliche Existenz auf und wird zu einem reinen Geisteswesen, eine zwar nachvollziehbare Entwicklung, jedoch auch ein wenig schade. Dadurch geht einiges an Reiz verloren. Allerdings ist dieses Manko insofern Makulatur, als der Handlungsstrang damit endgültig abgeschlossen ist – wenngleich Arndt Ellmer das Thema in seinem Roman Vlission, der Roboter später erneut aufgreifen sollte.

Bei den zahlreichen Handlungselementen, die hier einen großen Themenkomplex abschließen, zieht sich ein Element unterschwellig durch die gesamte Handlung, nämlich das Schicksal der Forscher der Kaiserin. Von jenen Sitzkissen ähnelnden Wesen war nie bekannt, ob es sich um natürliche Lebewesen handelt oder ob sie künstlich erschaffen wurden. Auch ihnen selbst blieb die Natur ihrer Existenz verborgen. Deren Zweck schien es zu sein, entlang der Großen Schleife Informationen zu sammeln. Gerade dieses Rätsel machte den großen Reiz der Forscher aus, was William Voltz anhand der Zerrissenheit des Douc Langur seinerzeit so einfühlsam wie blendend darstellte. Arndt Ellmer gelingt das Kunststück, plausible Antworten auf die Fragen der Leser und der Forscher gleichermaßen zu liefern und jene in einen übergreifenden Kontext zu stellen, ohne dass es an den Haaren herbeigezogen oder banal wirkt. Der Autor hat den faszinierenden Forschern eine würdige Bestimmung zukommen lassen. Wenn auch im Schatten der Mächtigen agierend, so sind doch sie, die Einsamen und Verzweifelten, die Mutigen und Kühnen die wahren Helden dieser Geschichte, auch wenn sie nicht als Helden dargestellt werden. Das wird der Konzeption der Forscher gerecht und gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Fazit: Die Auris-Trilogie besteht aus drei Romanen, die tief in den kosmologischen Background der Serie eintauchen, und das in einem Handlungskontext, der mir seinerzeit großen Spaß gemacht hat – und dies, wie ich jüngst beim Lesen feststellte, auch dreißig Jahre später noch tut. Sie besticht durch jenen Sense of Wonder, der mich einst an Perry Rhodan fesselte. Die drei Bücher haben mich durchgehend bestens unterhalten, hielten mich bis zum Ende gepackt und ließen mich in der großen Bardioc- und Kaiserin-Zeit schwelgen. Seltsam, dass der Dreiteiler bisher an mir vorbeigegangen ist.
 

Arndt Ellmer - Auris-Trilogie
Band 1: Das Ende der Duuhrt (Perry Rhodan Planetenroman 293)
Band 2: Die Symbionten des Limbus (Perry Rhodan Planetenroman 295)
Band 3: Metamorphose einer Superintelligenz (Perry Rhodan Planetenroman 297)
Alle 1987, Taschenbuch jeweils ca. 160 Seiten, 5,80 DM bzw. 6,80 DM
Pabel-Moewig-Verlag Rastatt
 

Dienstag, 24. Januar 2017

Ein unheimliches Titelbild für Nick 9

Anfang Februar wird Nick 7 erscheinen, bei dem es sich bekanntlich um einen Gastroman von Hubert Haensel handelt. Ich schreibe derzeit an Band 8 - und das Titelbild für die Nummer 9 liegt auch schon vor. Warum also es lange zurückhalten? Für alle, die es nicht erwarten können, so sieht es aus:



Freitag, 20. Januar 2017

Black Sabbath mit furiosem Finale

Sie gelten als die Gründerväter des Heavy Metal und drückten dem Genre über annähernd fünf Dekaden ihren Stempel auf, wenn auch mit wechselnden Besetzungen. Neben Ozzy Osbourne sangen vorübergehend auch Ronnie James Dio sowie Ian Gillan bei Black Sabbath. Zudem sah ich vor ein paar Jahren bei einem Open Air in Bonn unter dem Bandnamen „Heaven and Hell“ die Besetzung Dio, Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice.

Jetzt, fünfzig Jahre nach den ersten gemeinsamen musikalischen Gehversuchen von Osbourne, Iommi, Butler und Bill Ward, begab sich die Legende auf Abschiedstour. Das letzte Konzert in Deutschland, bevor dann in ihrer Heimatstadt Birmingham endgültig der Vorhang fällt, fand in Köln statt. Der einzige Wermutstropfen war das Fehlen von Bill Ward am Schlagzeug, der durch den zugegeben hervorragenden Trommler, einen echten Berserker hinter der Schießbude, Tommy Clufetos ersetzt wurde.
 
Black Sabbath legten los mit Black Sabbath, und gleich vom ersten Stück an kochte die Halle. In der Bühnenmitte stand Ozzy am Mikrofonständer, an dem er das ganze Konzert über hüpfte und wibbelte und den er nur zu gelegentlichen Ausflügen losließ, um das Publikum unermüdlich zum rhythmischen Klatschen zu animieren. Was aber gar nicht nötig war, denn die 15.000 Besucher in der KölnArena feierten ihre Helden noch einmal frenetisch ab. Zur Linken (von den Zuschauern aus gesehen) malträtierte Geezer Butler seinen Bass, und rechts glänzte Tony Iommi an der Gitarre. Der von ihm produzierte schwere Gitarrensound war schon immer eins der Markenzeichen von Black Sabbath, das ihrer Musik einen ganz eigenständigen Sound verlieh, eine unverwechselbare Note, in meinen Augen ein Alleinstellungsmerkmal, ähnlich wie es bei Motörhead auf deren eigene Art der Fall war.
 
Was in den folgenden knapp zwei Stunden folgte, war ganz großes Kino. Ich war schon bei zahlreichen Konzerten, aber ich habe noch nicht erlebt, dass vier Männer einen solchen Geräuschorkan erzeugen können – der übrigens anschaulich demonstrierte, dass auch in der oft gescholtenen KölnArena eine hervorragende Akustik möglich ist, wenn man die Technik entsprechend präpariert. Jedenfalls fegte ein brachiales Hitfeuerwerk von Fairies Wear Boots über War Pigs bis hin zu Dirty Woman durch die Halle, das einen im Innenraum regelrecht von den Socken haute. Iommis Gitarrenriffs kamen gewohnt düster daher, gewohnt schwer und trugen den musikalischen Unterbau fast ebenso mit wie Butlers donnernder Bass und der wie entfesselt trommelnde Clufetos. Ozzy, der Fürst der Finsternis, war weitaus besser bei Stimme, als ich das vorab gelesen hatte. Er wetteiferte mit Tonys Gitarreninferno und schien geradezu besessen davon, sich nicht von dieser Riffkanonade unterkriegen zu lassen.
 
Bei Iron Man und Children of the Grave ging es dann dem heraufbeschworenen Ende entgegen. Spaß hatten sie bis zuletzt, das sah man besonders dem lachenden Ozzy an, und das Publikum war ohnehin aus dem Häuschen. Meinetwegen hätte das Konzert gern noch zwei Stunden weitergehen können, aber die älteren Herren auf der Bühne sind nun mal leider nicht mehr die Jugendlichen, die sich vor einem halben Jahrhundert aus Birmingham aufmachten, um die Welt zu erobern. Wehmut kam bei dem Konzert nicht auf, dazu blieb überhaupt keine Zeit, doch davon verspüre ich jetzt ein wenig, da ich diese Zeilen niederschreibe. Denn es ist wirklich vorbei, das wurde endgültig besiegelt mit dem finalen Stück, das kein anderes als Paranoid hätte sein können und bei dem Band und Publikum noch einmal durch die Decke gingen.
 
Danach war ich nicht nur zufrieden, nein, ich war schlichtweg begeistert von einem Auftritt, der eine Messlatte war, an die so schnell kein anderer herankommen dürfte. Black Sabbath spielten als gäbe es kein Morgen, was in gewisser Weise ja auch zutrifft. Dass dies das Ende gewesen sein soll, ist trotz allem nur schwer vorstellbar. Die Musiker spielten mit einem Elan und einer unbändigen Kraft, die, wüsste man es nicht besser, vermuten ließe, die Band stände ganz am Anfang und würde gerade jetzt erst so richtig loslegen.
 
Die komplette Setlist: 1. Black Sabbath - 2. Fairies Wear Boots - 3. Under the Sun/Every Day Comes and Goes - 4. After Forever - 5. Into the Void - 6. Snowblind - 7. War Pigs - 8. Behind the Wall of Sleep - 9. N.I.B. - 10. Hand of Doom - 11. Rat Salad - 12. Iron Man - 13. Dirty Women - 14. Children of the Grave - 15. Paranoid
 

Montag, 16. Januar 2017

Falk-Sonderbände

In der Hochzeit der Piccolo-Comics zeichnete Hansrudi Wäscher nicht nur die regelmäßig erscheinenden Fortsetzungsgeschichten, sondern parallel dazu abgeschlossene Abenteuer der einzelnen Helden. Diese erschienen ebenfalls als Piccolos, aber als "Sonderband" deklariert, und wurden später wie die regulären Geschichten als Großbände neu aufgelegt.

Jetzt liegen mir fünf Falk-Sonderbände vor, die die Grundlage für mein nächstes Falk-Buch bilden. Von einem Roman kann man in diesem Fall nicht reden, es sei denn, man sieht die einzelnen Stories als Romankapitel an. Die Großbände sind heute eingetroffen, und ich konnte es mir nicht verkneifen, mich gleich auf den Rücken zu legen und ein wenig zu schmökern. Die fünf vergleichsweise kurzen Abenteuer bieten gewohnt spannende Falk-Kost, auf deren literarische Umsetzung ich mich in Kürze mit Freude stürzen werde.

Sonntag, 15. Januar 2017

Sammlerherz 17

Das „Magazin für den Comic- und Nostalgiefreund“, so der Untertitel, erscheint einmal im Jahr. Die Ausgabe 17 habe ich von der letzten Intercomic mitgenommen. Seit ich das Sammlerherz dort vor zwei Jahren entdeckte, gehört es neben der Sprechblase und dem Hansrudi Wäscher-Magazin zu den Comic-Magazinen, die ich regelmäßig lese.
 
Das dynamische Titelbild nimmt einen auf den ersten Blick gefangen: ein sich aufbäumendes Pferd neben einer bellenden Hundemeute, dazu im Hintergrund eine Figur, die an einen Zauberer aus der einschlägigen Literatur erinnert und dem Bild einen Hauch von Fantasy verleiht. Ich wurde auf Anhieb neugierig, weil ich meinte, von dem Künstler noch nie etwas in einem Magazin oder Fanzine gesehen zu haben. Kein Wunder, denn der Künstler Hermann Vogel lebte von 1854 bis 1921. Im Heftinneren findet sich ein Artikel samt Lebensgeschichte des Plaueners, der als einer der besten und bekanntesten Illustratoren seiner Zeit galt. Unter anderem illustrierte er Märchen von Christian Andersen. Noch heute stellt das Vogtlandmuseum Plauen Werke von Vogel aus. Schöne Entdeckung eines mir bis dahin völlig unbekannten Künstlers.
 
Ein anderer interessanter Mensch scheint Luke Haas gewesen zu sein, „Den Toxkapp aus der Hiel“. Was Toxkapp bedeutet, erschließt sich mir zwar nicht, aber Hiel ist ein Stadtteil der Luxemburger Stadt Esch an der Alzette, die ich von häufigen Durchfahrten mit dem Auto kenne. Luke, gebürtig Lucien, Haas, dem Hans Simon einen längeren Nachruf widmet, war offenbar eine bekannte Luxemburger Größe. Er gehörte als Sänger, Gitarrist und Bassist verschiedenen Luxemburger Bands an, spielte dabei Rock'n'Roll, Prog-Rock und Balladen nicht nur in Luxemburgisch, sondern auch in Englisch, Französisch und Deutsch. Als Schriftsteller verfasste er das „Luxemburger Rock-Lexikon“ und den Bestseller „Luxemburger Rockstory“. Er war Comicsammler, Comiczeichner und publizierte das schwergewichtige Comicbuch „Comics in, aus und über Luxemburg“. Bemerkenswert ist, dass Luke Haas von der Kultusministerin für seine Pionierarbeit gewürdigt wurde, das kulturelle Leben in Luxemburg als Rockmusiker jahrzehntelang mitbestimmt zu haben. Ein umtriebiger, kreativer Mann, der mir bestimmt gefallen hätte, hätte ich ihn persönlich gekannt.
 
Zwei weitere Nachrufe finden sich in der vorliegenden Ausgabe. Auch Sammlerherz gedenkt des verstorbenen Hansrudi Wäscher, sowie zudem Dieter Lob, Sammler und profunder Kenner der Szene. Um einen – allerdings schon lange – Verblichenen geht es im Artikel „Georg Armstrong Custer – Die Schlacht am Little Big Horn“ von Hans Erich Dingel, in dem der Verfasser sich mit eben jenem Thema und Custers militärischer Laufbahn beschäftigt. Was mich im ersten Moment verwunderte, ist so erstaunlich gar nicht, dienten doch Custer, Crazy Horse und die Schlacht am Little Big Horn nicht nur als Vorlage für diverse Filme, sondern auch für eine Reihe von Comics. Erfreulich, dass Custers Wirken – exemplarisch der Angriff und das Massaker an den Cheyenne unter Black Kettle – durchaus kritisch betrachtet wird. Ein lesenswerter Blick über den Tellerrand.
 
Ein wichtiger Bestandteil im Sammlerherz ist die Fanszene. So findet sich ein Interview mit Detlef Lorenz, dem Vater des „Logbuch des Robinson Crusoe“, sowie ein weiteres mit dem Tarzan-Sammler Anton. Letzteren besuchte Fragesteller Eckhardt Walter zudem zu Hause und berichtet samt zahlreichen Bildern von einer Wohnung voller Tarzan-Schätze und anderer Dinge.
 
Der erste Teil eines zweiteiligen Artikels über – allerdings den neuen von Johann Kiefersauer – Mecki führt mich zurück in meine Kindheit. Als kleiner Junge habe ich auch Mecki gelesen, daran erinnere ich mich aber nur noch sehr verschwommen. Thematisch verwandt ist die Erinnerung an Werbehefte für Kinder in Comicform, wie sie vor einem halben Jahrhundert in Geschäften verteilt wurden, sei es Rotkäppchen oder Rumpelstilzchen, Der kleine Muck oder Max und Moritz. Wenn meine Eltern mit mir Schuhe kaufen gingen, durfte das niemals in einem anderen als in einem Salamander-Schuhgeschäft geschehen. Schließlich gab es dort bei jedem Einkauf immer die kostenlosen Lurchi-Heftchen dazu, sowie gelegentlich Gummifiguren von Lurchi oder seinen Freunden. Leider hat bei mir nichts davon überlebt. Das Zeug dürfte heute beim Verkauf einen ordentlichen Preis erzielen.
 
Neuland war für mich der Bericht über „Saint-Tin und sein Freund Lou“, eine Persiflage auf Tim und Struppi, die wegen Plagiatsverdachts sogar die französischen Gerichte beschäftigte. Als selbst kreativ Schaffender stehe ich dieser Tim und Struppi-Parodie äußerst skeptisch gegenüber. Weitaus mehr erwärmen könnte ich mich vermutlich für das französisch-belgische Comicepos „Hopfen und Malz“, das die Geschichte einer Bierbrauer-Dynastie über einen Zeitraum von 150 Jahren erzählt.
 
Ein Comic darf nicht fehlen. Hier ist es „Hauptmann Greko“ von Johannes Günther. Der Zeichenstil gefällt mir sehr. Allerdings werfen die fünf Seiten der Fortsetzungsgeschichte nicht mehr als ein kurzes Schlaglicht. Dies dürfte jedoch, nehme ich zumindest an, dem für das Magazin reichlich vorliegenden Material geschuldet sein. Gleiches gilt wohl auch für die siebenseitige Romanfortsetzung „Arthur – Die Odyssee“ von Hans Simon, illustriert ebenfalls von Johannes Günther. Der Text kommt nämlich ziemlich gedrängt daher, der Satz könnte durchaus ein wenig mehr Auflockerung und Struktur vertragen. Aber bei der Fülle des Materials, das die Herausgeber in ihrem Magazin unterbringen, ist das ein Jammern auf hohem Niveau.
 
Abgerundet wird die vorliegende Ausgabe durch die Sammlerherz Extrablätter, einen launig-bebilderten Bericht über die Bettelarmbänder Charms und eine Rezension zur Trigan-Neuauflage bei Panini. Während ich Storm schon als Jugendlicher klasse fand, habe ich zu Trigan nie einen Bezug gefunden. Römer im Comic-Weltraum? Das passte für mich einfach nicht zusammen.
 
Sammlerherz 17, herausgegeben von Hans Simon und Eckhardt Walter, kommt ausgesprochen abwechslungsreich daher und berührt auch Themen, die ich nicht unbedingt erwarte, die aber dennoch oder gerade deshalb zum Schmökern einladen. Die vollgepackten 68 Seiten im Magazinformat sind professionell aufgemacht, wunderbar bebildert und durchgängig lesenswert.
 
Weitere Informationen findet der Interessierte hier: www.sammlerherz.com.
Dort kann man das Magazin auch bestellen.

Sonntag, 8. Januar 2017

Goguls Armee im Zauberspiegel gelobt

Schon seit längerem bespricht der Fan Schlomo die Ren Dhark-Neuerscheinungen im Online-Magazin Zauberspiegel. Zu diesem Zweck wurde dort eigens eine Ren Dhark-Kolumne eingeführt, was Dhark-Macher und Leser gleichermaßen freut.

In seinem bereits 20. Beitrag - Respekt dafür, Schlomo. Alle Achtung! - befasst er sich mit Goguls Armee, dem aktuellen Sonderband aus meiner Feder. Er bespricht den Roman sehr ausführlich, geht Kapitel für Kapitel vor, und das in der ihm eigenen unterhaltsamen Art. Das geschieht unter der Überschrift: Achim Mehnert in Top Form. Ich gebe zu, das geht runter wie Öl.

Goguls Armee hat Schlomo gefallen, soviel kann ich der Besprechung also vorwegnehmen. Mehr noch, bei deren Überschwang kommt hoffentlich niemand auf die Idee, ich habe Schlomo für seinen Artikel bezahlt. Ich habe sogar kurz gezögert, die Besprechung an dieser Stelle zu verlinken - doch sonst tue ich es ja auch regelmäßig. Warum also nicht auch diesmal?

Den kompletten Kolumnenbeitrag findet man hier:
http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/zauberstern-kolumnen-mainmenu-75/ren-dhark-das-all/29701-februar-schlomos-zwanzigste-Kolumne

Freitag, 6. Januar 2017

Schönes Titelbild für Nick 8

An dem Roman schreibe ich derzeit, das Titelbild habe ich heute erhalten. Das ausgewählte Motiv gefällt mir sehr gut. Man beachte vor allem den Torbogen. Er spielt in der Geschichte nämlich eine wichtige Rolle. Der Romantitel steht, wie man sieht, auch schon fest. Erscheinen wird das Buch voraussichtlich zur Jahresmitte.


Donnerstag, 5. Januar 2017

William Voltz - Die letzten Menschen der Erde

Die Menschen haben einen zwanzig Jahre währenden Krieg gegen die Torrels verloren, die Menschheit wurde dabei fast vollständig ausgerottet. Die wenigen hundert Überlebenden wurden auf eine lebensfeindliche Ödwelt deportiert, auf der ständige Staubstürme herrschen und man kaum einmal das Tageslicht zu sehen bekommt. Im Laufe der Zeit wird den Menschen immer klarer, dass sie auf diesem lebensfeindlichen Planeten endgültig zum Aussterben verurteilt sind. Eine Rückkehr zur Erde ist ihnen jedoch verboten, und Wachschiffe sorgen dafür, dass sie ihre Gefängniswelt nicht verlassen.
 
Dennoch starten die Überlebenden ein verzweifeltes Unternehmen. Sie wollen bei dem Versuch, ihre Heimatwelt zu erreichen, lieber sterben, als in der Ödnis des Staubplaneten elendiglich zu Grunde zu gehen. Mit einer Handvoll alter Raumer und einem Täuschungsmanöver gelingt ihnen tatsächlich die Flucht, doch von nun an werden sie von den überlegenen Streitkräften der Torrels gejagt, die unter allen Umständen verhindern wollen, dass die Überlebenden einen Fuß auf Terra setzen.
 
Martin Dennister, der sich mehr und mehr als Führungsgestalt der Menschen herauskristallisiert, sieht sich dabei zwei Anführern der Torrels gegenüber. Der junge, in der Militärhierarchie aufstrebende Heiiti Jaason, der die Menschen am liebsten ganz ausrotten würde, steht dabei dem erfahrenen, alten Kriegsveteranen Tiit Pootsepp gegenüber. Pootseep begegnet den Terranern nicht nur respektvoll, er hegt sogar Sympathie für diese Wesen. Als sich die meisten Raumer der Menschen opfern, damit ein einziges Schiff bis zur Erde vordringen kann, rettet Pootsepp Martin Dennister vor dem Tod im Weltall.
 
Während sich zwischen den beiden ehemaligen Feinden eine Freundschaft entwickelt, führen die Umstände dazu, dass sie gemeinsam zurück auf die Staubwelt fliegen müssen, wo sie ihr weiteres einsames Dasein fristen. Indes wiederholt sich die Geschichte, wenn auch mit anderen Vorzeichen. In einem weiteren Krieg besiegen die Burl die Torrels und jagen deren Überlebende in alle Richtungen davon.
 
Bei Die letzten Menschen der Erde handelt es sich um ein Frühwerk des 1938 in Offenbach geborenen und 1984 verstorbenen Science Fiction Autors William Voltz, dessen erste Fassung 1966 erschien. Der überzeugte Humanist Voltz, der über mehr als zwei Jahrzehnte die Geschicke der Perry Rhodan-Serie lenken sollte, thematisiert in seinem serienunabhängigen Roman die Unterdrückung von Minderheiten und mögliche daraus resultierende Folgen, die bis zum Völkermord gehen können.
 
Der vorliegende Roman ist ein tragischer, was umso deutlicher wird, wenn man weiß, auf welchem realen Vorbild die Handlung basiert. Von jeher erschütterte William Voltz nämlich das Schicksal der Cheyenne-Indianer, die man um ihre Heimat gebracht und fast ausgerottet hatte. Er griff dieses traurige Schicksal auf und versetzte die Handlung in die Zukunft und ins Weltall. Die Figuren des Romans, allen voran Martin Dennister, der sich nach den Wirren der Ereignisse als einsamer Mensch in einer verhassten Umwelt wiederfindet, nehmen viel von jenen Charakteren vorweg, die der Autor später für Perry Rhodan schuf, besonders den im Kosmos verlorenen Alaska Saedelaere.
 
Die Geschichte ist weitgehend stringent geschrieben, abwechselnd erzählt aus den Perspektiven von Martin Dennister, Heiiti Jaason und Tiit Pootsepp. Sie verzichtet auf Bögen und Umwege und konzentriert sich auf den verzweifelten Versuch der letzten Menschen, zur Erde zu gelangen. Bei aller Tragik gestaltet Voltz das Ende versöhnlich. Als Dennister nach vielen Jahren und als alter Mann mit Hilfe seines Freundes Pootsepp doch noch den Weg nach Hause findet, wenn auch nur für einen Augenblick, trifft er auf den Kern einer neuen menschlichen Zivilisation. Terra und die Terraner können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.
 
Als William Voltz den Roman in den frühen Achtziger Jahren, damals schon schwer krank, noch einmal überarbeitete, verfasste er dazu ein Vorwort, dessen Botschaft leider auch heute noch traurige Gültigkeit besitzt: „Die Gewalt, die unsere Welt überflutet, Rücksichtslosigkeit und Haß sind letztlich nur Zeichen von Angst. Sie muß überwunden werden, bevor eines Tages wirklich die letzten Menschen der Erde vor den Trümmern unserer Zivilisation stehen."

 
William Voltz: Die letzten Menschen der Erde
Utopische Klassiker Band 1
HJB-Verlag 1996, herausgegeben von Gerd Rottenecker
Hardcover, ca. 176 Seiten, DM 16,80