Samstag, 28. Januar 2017

Arndt Ellmer - Die Auris-Trilogie

Der BARDIOC-Zyklus gehörte für mich zu den Highlights der Perry Rhodan-Serie. Das kosmische Ringen der beiden Superintelligenzen Bardioc und Kaiserin von Therm erschien von 1976 bis 1978 in den Heftromanen 800 bis 867. Im letzten Roman des Zyklus kam es zur Vereinigung dieser auf phantastische Weise entstandenen Superwesen. Das körperlose Gehirn eines der ehemaligen Sieben Mächtigen Bardioc ging im Kristallgespinst der Kaiserin auf. Auch heute, vierzig Jahre später, löst dieser Zyklus noch Faszination bei mir aus. Das liegt am großen kosmischen Hintergrund der Geschichte, am Faszinosum der Superintelligenzen, die damals noch nicht inflationär in der Handlung auftauchten, an weiteren Figuren wie den Inkarnationen Bardios, dem Forscher der Kaiser Douc Langur (sicherlich eine meine Lieblingsfiguren, genau wie die mitspielenden Ganerc und Alaska Saedelaere) – und natürlich an der Tatsache, dass damals William Voltz die Geschicke der Serie lenkte und die meisten Schlüsselromane verfasste.

Mit Abschluss des Zyklus verschwanden Bardioc und die Kaiserin von Therm aus der Handlung, doch es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie sich das weitere Schicksal der Vereinigung und der verwaisten Mächtigkeitsballung Bardiocs gestaltet. Das dachte sich wohl auch Arndt Ellmer, denn der 1983 ins Perry Rhodan-Team eingestiegene Autor griff das Thema 1987 in nicht nur einem Taschenbuch wieder auf, sondern er machte gleich eine Trilogie daraus. Und das war, soviel vorweg, eine gute Idee, wie das Resultat eindrucksvoll belegt.

Das Ende der Duuhrt setzt knapp hundert Jahre nach der vermeintlichen Vereinigung der beiden Superintelligenzen ein. Es zeigen sich zunehmende Komplikationen bei dem Vereinigungsprozess. Die Kristallintelligenz droht wahnsinnig zu werden, weshalb Bardioc anbietet, sich wieder aus der Verbindung zu lösen. Dies jedoch lehnt die Kaiserin ab, woraufhin sie mehr und mehr die Kontrolle über die Völker ihrer Mächtigkeitsballung verliert und es zu kriegerischen Konflikten der bis dato verbündeten Völker untereinander kommt. Im Zusammenspiel verschiedener Figuren gelingt es schließlich, insbesondere durch das Wirken Bardiocs, die Kaiserin von Therm zu retten. In der Folge verschmelzen beide endgültig zu der neuen Superintelligenz Thermioc. Eine schöne Überraschung bereitete Arndt Ellmer mit dem Auftritt der Kelosker, jener einerseits plumpen, körperlich unförmigen Wesen, die jedoch andererseits brillante Rechner, Mathematiker und logische Denker sind, deren Denkprozesse bis in den siebendimensionalen Bereich hinaufreichen. Auch deren Rechenmeister Dobrak gehörte seinerzeit zu meinen Lieblingsfiguren, schon im Aphilie-Zyklus.

Zu Beginn des zweiten Bandes der Trilogie Die Symbionten des Limbus sind weitere einhundert Jahre vergangen. Der Paradieseffekt hat die Mächtigkeitsballung der ehemaligen Kaiserin befriedet, jene Bardiocs liegt hingegen weiterhin brach und stellt ein Machtvakuum mit einem erheblichen Machtpotential dar. Die Symbionten des Limbus werden aktiv, und eine bisher unbekannte Superintelligenz namens Ulgenland tritt auf den Plan. Zudem erscheint Bulloc, die ehemalige Vierte Inkarnation Bardiocs, und die mit Abstand mächtigste. Ulgenland gefiel mir nicht besonders. Ich fand die aus einer Roboterzivilisation hervorgegangene Superintelligenz blass, zu kalt, im Vergleich zur Entstehungsgeschichte der beiden anderen sogar ein wenig banal. Geschmackssache, klar, aber alle später auftauchenden Superintelligenzen mussten sich an den beiden Paradebeispielen messen lassen. Ulgenland spielt im Verlauf der Ereignisse um die Symbionten zwar eine wichtige Rolle, wird anschließend aber von dem geheimnisvollen Roboter aus der Vergangenheit Vlission kurzerhand in die Luft gesprengt, damit sie nicht auf die Idee kommt, sich Bardiocs verwaiste Mächtigkeitsballung untertan zu machen. Wie im ersten Band Dobrak, so ist hier Bulloc das überraschend auftauchende Highlight. Von dieser abgrundtief bösen Kreatur Bardiocs, die seinerzeit nur als ein Flimmern beschrieben wurde und die sich im damaligen Zyklus gegen ihren Schöpfer stellte und ihn zu vernichten trachtete, wurde nie endgültig geklärt, ob sie noch existiert.

Sie existiert, und wie. In Metamorphose einer Superintelligenz wird Bulloc erst richtig aktiv. Er plant einen Angriff auf Thermioc, und es kommt zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen der Vierten Inkarnation und der jungen Superintelligenz. Im Abschlussband der Trilogie kommt es zu zahlreichen Irrungen und Wirrungen, in denen die dem Dreiteiler seinen Titel gebende Auris sowie erneut der Roboter Vlission wichtige Rollen inehaben. Im Verlauf der Handlung verschmelzen Bardioc und die Kaiserin von Therm endgültig zu einer neuen Entität, und Bulloc wird durch eine List vernichtet. Thermioc gibt die körperliche Existenz auf und wird zu einem reinen Geisteswesen, eine zwar nachvollziehbare Entwicklung, jedoch auch ein wenig schade. Dadurch geht einiges an Reiz verloren. Allerdings ist dieses Manko insofern Makulatur, als der Handlungsstrang damit endgültig abgeschlossen ist – wenngleich Arndt Ellmer das Thema in seinem Roman Vlission, der Roboter später erneut aufgreifen sollte.

Bei den zahlreichen Handlungselementen, die hier einen großen Themenkomplex abschließen, zieht sich ein Element unterschwellig durch die gesamte Handlung, nämlich das Schicksal der Forscher der Kaiserin. Von jenen Sitzkissen ähnelnden Wesen war nie bekannt, ob es sich um natürliche Lebewesen handelt oder ob sie künstlich erschaffen wurden. Auch ihnen selbst blieb die Natur ihrer Existenz verborgen. Deren Zweck schien es zu sein, entlang der Großen Schleife Informationen zu sammeln. Gerade dieses Rätsel machte den großen Reiz der Forscher aus, was William Voltz anhand der Zerrissenheit des Douc Langur seinerzeit so einfühlsam wie blendend darstellte. Arndt Ellmer gelingt das Kunststück, plausible Antworten auf die Fragen der Leser und der Forscher gleichermaßen zu liefern und jene in einen übergreifenden Kontext zu stellen, ohne dass es an den Haaren herbeigezogen oder banal wirkt. Der Autor hat den faszinierenden Forschern eine würdige Bestimmung zukommen lassen. Wenn auch im Schatten der Mächtigen agierend, so sind doch sie, die Einsamen und Verzweifelten, die Mutigen und Kühnen die wahren Helden dieser Geschichte, auch wenn sie nicht als Helden dargestellt werden. Das wird der Konzeption der Forscher gerecht und gefiel mir ganz ausgezeichnet.

Fazit: Die Auris-Trilogie besteht aus drei Romanen, die tief in den kosmologischen Background der Serie eintauchen, und das in einem Handlungskontext, der mir seinerzeit großen Spaß gemacht hat – und dies, wie ich jüngst beim Lesen feststellte, auch dreißig Jahre später noch tut. Sie besticht durch jenen Sense of Wonder, der mich einst an Perry Rhodan fesselte. Die drei Bücher haben mich durchgehend bestens unterhalten, hielten mich bis zum Ende gepackt und ließen mich in der großen Bardioc- und Kaiserin-Zeit schwelgen. Seltsam, dass der Dreiteiler bisher an mir vorbeigegangen ist.
 

Arndt Ellmer - Auris-Trilogie
Band 1: Das Ende der Duuhrt (Perry Rhodan Planetenroman 293)
Band 2: Die Symbionten des Limbus (Perry Rhodan Planetenroman 295)
Band 3: Metamorphose einer Superintelligenz (Perry Rhodan Planetenroman 297)
Alle 1987, Taschenbuch jeweils ca. 160 Seiten, 5,80 DM bzw. 6,80 DM
Pabel-Moewig-Verlag Rastatt
 

Dienstag, 24. Januar 2017

Ein unheimliches Titelbild für Nick 9

Anfang Februar wird Nick 7 erscheinen, bei dem es sich bekanntlich um einen Gastroman von Hubert Haensel handelt. Ich schreibe derzeit an Band 8 - und das Titelbild für die Nummer 9 liegt auch schon vor. Warum also es lange zurückhalten? Für alle, die es nicht erwarten können, so sieht es aus:



Freitag, 20. Januar 2017

Black Sabbath mit furiosem Finale

Sie gelten als die Gründerväter des Heavy Metal und drückten dem Genre über annähernd fünf Dekaden ihren Stempel auf, wenn auch mit wechselnden Besetzungen. Neben Ozzy Osbourne sangen vorübergehend auch Ronnie James Dio sowie Ian Gillan bei Black Sabbath. Zudem sah ich vor ein paar Jahren bei einem Open Air in Bonn unter dem Bandnamen „Heaven and Hell“ die Besetzung Dio, Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice.

Jetzt, fünfzig Jahre nach den ersten gemeinsamen musikalischen Gehversuchen von Osbourne, Iommi, Butler und Bill Ward, begab sich die Legende auf Abschiedstour. Das letzte Konzert in Deutschland, bevor dann in ihrer Heimatstadt Birmingham endgültig der Vorhang fällt, fand in Köln statt. Der einzige Wermutstropfen war das Fehlen von Bill Ward am Schlagzeug, der durch den zugegeben hervorragenden Trommler, einen echten Berserker hinter der Schießbude, Tommy Clufetos ersetzt wurde.
 
Black Sabbath legten los mit Black Sabbath, und gleich vom ersten Stück an kochte die Halle. In der Bühnenmitte stand Ozzy am Mikrofonständer, an dem er das ganze Konzert über hüpfte und wibbelte und den er nur zu gelegentlichen Ausflügen losließ, um das Publikum unermüdlich zum rhythmischen Klatschen zu animieren. Was aber gar nicht nötig war, denn die 15.000 Besucher in der KölnArena feierten ihre Helden noch einmal frenetisch ab. Zur Linken (von den Zuschauern aus gesehen) malträtierte Geezer Butler seinen Bass, und rechts glänzte Tony Iommi an der Gitarre. Der von ihm produzierte schwere Gitarrensound war schon immer eins der Markenzeichen von Black Sabbath, das ihrer Musik einen ganz eigenständigen Sound verlieh, eine unverwechselbare Note, in meinen Augen ein Alleinstellungsmerkmal, ähnlich wie es bei Motörhead auf deren eigene Art der Fall war.
 
Was in den folgenden knapp zwei Stunden folgte, war ganz großes Kino. Ich war schon bei zahlreichen Konzerten, aber ich habe noch nicht erlebt, dass vier Männer einen solchen Geräuschorkan erzeugen können – der übrigens anschaulich demonstrierte, dass auch in der oft gescholtenen KölnArena eine hervorragende Akustik möglich ist, wenn man die Technik entsprechend präpariert. Jedenfalls fegte ein brachiales Hitfeuerwerk von Fairies Wear Boots über War Pigs bis hin zu Dirty Woman durch die Halle, das einen im Innenraum regelrecht von den Socken haute. Iommis Gitarrenriffs kamen gewohnt düster daher, gewohnt schwer und trugen den musikalischen Unterbau fast ebenso mit wie Butlers donnernder Bass und der wie entfesselt trommelnde Clufetos. Ozzy, der Fürst der Finsternis, war weitaus besser bei Stimme, als ich das vorab gelesen hatte. Er wetteiferte mit Tonys Gitarreninferno und schien geradezu besessen davon, sich nicht von dieser Riffkanonade unterkriegen zu lassen.
 
Bei Iron Man und Children of the Grave ging es dann dem heraufbeschworenen Ende entgegen. Spaß hatten sie bis zuletzt, das sah man besonders dem lachenden Ozzy an, und das Publikum war ohnehin aus dem Häuschen. Meinetwegen hätte das Konzert gern noch zwei Stunden weitergehen können, aber die älteren Herren auf der Bühne sind nun mal leider nicht mehr die Jugendlichen, die sich vor einem halben Jahrhundert aus Birmingham aufmachten, um die Welt zu erobern. Wehmut kam bei dem Konzert nicht auf, dazu blieb überhaupt keine Zeit, doch davon verspüre ich jetzt ein wenig, da ich diese Zeilen niederschreibe. Denn es ist wirklich vorbei, das wurde endgültig besiegelt mit dem finalen Stück, das kein anderes als Paranoid hätte sein können und bei dem Band und Publikum noch einmal durch die Decke gingen.
 
Danach war ich nicht nur zufrieden, nein, ich war schlichtweg begeistert von einem Auftritt, der eine Messlatte war, an die so schnell kein anderer herankommen dürfte. Black Sabbath spielten als gäbe es kein Morgen, was in gewisser Weise ja auch zutrifft. Dass dies das Ende gewesen sein soll, ist trotz allem nur schwer vorstellbar. Die Musiker spielten mit einem Elan und einer unbändigen Kraft, die, wüsste man es nicht besser, vermuten ließe, die Band stände ganz am Anfang und würde gerade jetzt erst so richtig loslegen.
 
Die komplette Setlist: 1. Black Sabbath - 2. Fairies Wear Boots - 3. Under the Sun/Every Day Comes and Goes - 4. After Forever - 5. Into the Void - 6. Snowblind - 7. War Pigs - 8. Behind the Wall of Sleep - 9. N.I.B. - 10. Hand of Doom - 11. Rat Salad - 12. Iron Man - 13. Dirty Women - 14. Children of the Grave - 15. Paranoid
 

Montag, 16. Januar 2017

Falk-Sonderbände

In der Hochzeit der Piccolo-Comics zeichnete Hansrudi Wäscher nicht nur die regelmäßig erscheinenden Fortsetzungsgeschichten, sondern parallel dazu abgeschlossene Abenteuer der einzelnen Helden. Diese erschienen ebenfalls als Piccolos, aber als "Sonderband" deklariert, und wurden später wie die regulären Geschichten als Großbände neu aufgelegt.

Jetzt liegen mir fünf Falk-Sonderbände vor, die die Grundlage für mein nächstes Falk-Buch bilden. Von einem Roman kann man in diesem Fall nicht reden, es sei denn, man sieht die einzelnen Stories als Romankapitel an. Die Großbände sind heute eingetroffen, und ich konnte es mir nicht verkneifen, mich gleich auf den Rücken zu legen und ein wenig zu schmökern. Die fünf vergleichsweise kurzen Abenteuer bieten gewohnt spannende Falk-Kost, auf deren literarische Umsetzung ich mich in Kürze mit Freude stürzen werde.

Sonntag, 15. Januar 2017

Sammlerherz 17

Das „Magazin für den Comic- und Nostalgiefreund“, so der Untertitel, erscheint einmal im Jahr. Die Ausgabe 17 habe ich von der letzten Intercomic mitgenommen. Seit ich das Sammlerherz dort vor zwei Jahren entdeckte, gehört es neben der Sprechblase und dem Hansrudi Wäscher-Magazin zu den Comic-Magazinen, die ich regelmäßig lese.
 
Das dynamische Titelbild nimmt einen auf den ersten Blick gefangen: ein sich aufbäumendes Pferd neben einer bellenden Hundemeute, dazu im Hintergrund eine Figur, die an einen Zauberer aus der einschlägigen Literatur erinnert und dem Bild einen Hauch von Fantasy verleiht. Ich wurde auf Anhieb neugierig, weil ich meinte, von dem Künstler noch nie etwas in einem Magazin oder Fanzine gesehen zu haben. Kein Wunder, denn der Künstler Hermann Vogel lebte von 1854 bis 1921. Im Heftinneren findet sich ein Artikel samt Lebensgeschichte des Plaueners, der als einer der besten und bekanntesten Illustratoren seiner Zeit galt. Unter anderem illustrierte er Märchen von Christian Andersen. Noch heute stellt das Vogtlandmuseum Plauen Werke von Vogel aus. Schöne Entdeckung eines mir bis dahin völlig unbekannten Künstlers.
 
Ein anderer interessanter Mensch scheint Luke Haas gewesen zu sein, „Den Toxkapp aus der Hiel“. Was Toxkapp bedeutet, erschließt sich mir zwar nicht, aber Hiel ist ein Stadtteil der Luxemburger Stadt Esch an der Alzette, die ich von häufigen Durchfahrten mit dem Auto kenne. Luke, gebürtig Lucien, Haas, dem Hans Simon einen längeren Nachruf widmet, war offenbar eine bekannte Luxemburger Größe. Er gehörte als Sänger, Gitarrist und Bassist verschiedenen Luxemburger Bands an, spielte dabei Rock'n'Roll, Prog-Rock und Balladen nicht nur in Luxemburgisch, sondern auch in Englisch, Französisch und Deutsch. Als Schriftsteller verfasste er das „Luxemburger Rock-Lexikon“ und den Bestseller „Luxemburger Rockstory“. Er war Comicsammler, Comiczeichner und publizierte das schwergewichtige Comicbuch „Comics in, aus und über Luxemburg“. Bemerkenswert ist, dass Luke Haas von der Kultusministerin für seine Pionierarbeit gewürdigt wurde, das kulturelle Leben in Luxemburg als Rockmusiker jahrzehntelang mitbestimmt zu haben. Ein umtriebiger, kreativer Mann, der mir bestimmt gefallen hätte, hätte ich ihn persönlich gekannt.
 
Zwei weitere Nachrufe finden sich in der vorliegenden Ausgabe. Auch Sammlerherz gedenkt des verstorbenen Hansrudi Wäscher, sowie zudem Dieter Lob, Sammler und profunder Kenner der Szene. Um einen – allerdings schon lange – Verblichenen geht es im Artikel „Georg Armstrong Custer – Die Schlacht am Little Big Horn“ von Hans Erich Dingel, in dem der Verfasser sich mit eben jenem Thema und Custers militärischer Laufbahn beschäftigt. Was mich im ersten Moment verwunderte, ist so erstaunlich gar nicht, dienten doch Custer, Crazy Horse und die Schlacht am Little Big Horn nicht nur als Vorlage für diverse Filme, sondern auch für eine Reihe von Comics. Erfreulich, dass Custers Wirken – exemplarisch der Angriff und das Massaker an den Cheyenne unter Black Kettle – durchaus kritisch betrachtet wird. Ein lesenswerter Blick über den Tellerrand.
 
Ein wichtiger Bestandteil im Sammlerherz ist die Fanszene. So findet sich ein Interview mit Detlef Lorenz, dem Vater des „Logbuch des Robinson Crusoe“, sowie ein weiteres mit dem Tarzan-Sammler Anton. Letzteren besuchte Fragesteller Eckhardt Walter zudem zu Hause und berichtet samt zahlreichen Bildern von einer Wohnung voller Tarzan-Schätze und anderer Dinge.
 
Der erste Teil eines zweiteiligen Artikels über – allerdings den neuen von Johann Kiefersauer – Mecki führt mich zurück in meine Kindheit. Als kleiner Junge habe ich auch Mecki gelesen, daran erinnere ich mich aber nur noch sehr verschwommen. Thematisch verwandt ist die Erinnerung an Werbehefte für Kinder in Comicform, wie sie vor einem halben Jahrhundert in Geschäften verteilt wurden, sei es Rotkäppchen oder Rumpelstilzchen, Der kleine Muck oder Max und Moritz. Wenn meine Eltern mit mir Schuhe kaufen gingen, durfte das niemals in einem anderen als in einem Salamander-Schuhgeschäft geschehen. Schließlich gab es dort bei jedem Einkauf immer die kostenlosen Lurchi-Heftchen dazu, sowie gelegentlich Gummifiguren von Lurchi oder seinen Freunden. Leider hat bei mir nichts davon überlebt. Das Zeug dürfte heute beim Verkauf einen ordentlichen Preis erzielen.
 
Neuland war für mich der Bericht über „Saint-Tin und sein Freund Lou“, eine Persiflage auf Tim und Struppi, die wegen Plagiatsverdachts sogar die französischen Gerichte beschäftigte. Als selbst kreativ Schaffender stehe ich dieser Tim und Struppi-Parodie äußerst skeptisch gegenüber. Weitaus mehr erwärmen könnte ich mich vermutlich für das französisch-belgische Comicepos „Hopfen und Malz“, das die Geschichte einer Bierbrauer-Dynastie über einen Zeitraum von 150 Jahren erzählt.
 
Ein Comic darf nicht fehlen. Hier ist es „Hauptmann Greko“ von Johannes Günther. Der Zeichenstil gefällt mir sehr. Allerdings werfen die fünf Seiten der Fortsetzungsgeschichte nicht mehr als ein kurzes Schlaglicht. Dies dürfte jedoch, nehme ich zumindest an, dem für das Magazin reichlich vorliegenden Material geschuldet sein. Gleiches gilt wohl auch für die siebenseitige Romanfortsetzung „Arthur – Die Odyssee“ von Hans Simon, illustriert ebenfalls von Johannes Günther. Der Text kommt nämlich ziemlich gedrängt daher, der Satz könnte durchaus ein wenig mehr Auflockerung und Struktur vertragen. Aber bei der Fülle des Materials, das die Herausgeber in ihrem Magazin unterbringen, ist das ein Jammern auf hohem Niveau.
 
Abgerundet wird die vorliegende Ausgabe durch die Sammlerherz Extrablätter, einen launig-bebilderten Bericht über die Bettelarmbänder Charms und eine Rezension zur Trigan-Neuauflage bei Panini. Während ich Storm schon als Jugendlicher klasse fand, habe ich zu Trigan nie einen Bezug gefunden. Römer im Comic-Weltraum? Das passte für mich einfach nicht zusammen.
 
Sammlerherz 17, herausgegeben von Hans Simon und Eckhardt Walter, kommt ausgesprochen abwechslungsreich daher und berührt auch Themen, die ich nicht unbedingt erwarte, die aber dennoch oder gerade deshalb zum Schmökern einladen. Die vollgepackten 68 Seiten im Magazinformat sind professionell aufgemacht, wunderbar bebildert und durchgängig lesenswert.
 
Weitere Informationen findet der Interessierte hier: www.sammlerherz.com.
Dort kann man das Magazin auch bestellen.

Sonntag, 8. Januar 2017

Goguls Armee im Zauberspiegel gelobt

Schon seit längerem bespricht der Fan Schlomo die Ren Dhark-Neuerscheinungen im Online-Magazin Zauberspiegel. Zu diesem Zweck wurde dort eigens eine Ren Dhark-Kolumne eingeführt, was Dhark-Macher und Leser gleichermaßen freut.

In seinem bereits 20. Beitrag - Respekt dafür, Schlomo. Alle Achtung! - befasst er sich mit Goguls Armee, dem aktuellen Sonderband aus meiner Feder. Er bespricht den Roman sehr ausführlich, geht Kapitel für Kapitel vor, und das in der ihm eigenen unterhaltsamen Art. Das geschieht unter der Überschrift: Achim Mehnert in Top Form. Ich gebe zu, das geht runter wie Öl.

Goguls Armee hat Schlomo gefallen, soviel kann ich der Besprechung also vorwegnehmen. Mehr noch, bei deren Überschwang kommt hoffentlich niemand auf die Idee, ich habe Schlomo für seinen Artikel bezahlt. Ich habe sogar kurz gezögert, die Besprechung an dieser Stelle zu verlinken - doch sonst tue ich es ja auch regelmäßig. Warum also nicht auch diesmal?

Den kompletten Kolumnenbeitrag findet man hier:
http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/zauberstern-kolumnen-mainmenu-75/ren-dhark-das-all/29701-februar-schlomos-zwanzigste-Kolumne

Freitag, 6. Januar 2017

Schönes Titelbild für Nick 8

An dem Roman schreibe ich derzeit, das Titelbild habe ich heute erhalten. Das ausgewählte Motiv gefällt mir sehr gut. Man beachte vor allem den Torbogen. Er spielt in der Geschichte nämlich eine wichtige Rolle. Der Romantitel steht, wie man sieht, auch schon fest. Erscheinen wird das Buch voraussichtlich zur Jahresmitte.


Donnerstag, 5. Januar 2017

William Voltz - Die letzten Menschen der Erde

Die Menschen haben einen zwanzig Jahre währenden Krieg gegen die Torrels verloren, die Menschheit wurde dabei fast vollständig ausgerottet. Die wenigen hundert Überlebenden wurden auf eine lebensfeindliche Ödwelt deportiert, auf der ständige Staubstürme herrschen und man kaum einmal das Tageslicht zu sehen bekommt. Im Laufe der Zeit wird den Menschen immer klarer, dass sie auf diesem lebensfeindlichen Planeten endgültig zum Aussterben verurteilt sind. Eine Rückkehr zur Erde ist ihnen jedoch verboten, und Wachschiffe sorgen dafür, dass sie ihre Gefängniswelt nicht verlassen.
 
Dennoch starten die Überlebenden ein verzweifeltes Unternehmen. Sie wollen bei dem Versuch, ihre Heimatwelt zu erreichen, lieber sterben, als in der Ödnis des Staubplaneten elendiglich zu Grunde zu gehen. Mit einer Handvoll alter Raumer und einem Täuschungsmanöver gelingt ihnen tatsächlich die Flucht, doch von nun an werden sie von den überlegenen Streitkräften der Torrels gejagt, die unter allen Umständen verhindern wollen, dass die Überlebenden einen Fuß auf Terra setzen.
 
Martin Dennister, der sich mehr und mehr als Führungsgestalt der Menschen herauskristallisiert, sieht sich dabei zwei Anführern der Torrels gegenüber. Der junge, in der Militärhierarchie aufstrebende Heiiti Jaason, der die Menschen am liebsten ganz ausrotten würde, steht dabei dem erfahrenen, alten Kriegsveteranen Tiit Pootsepp gegenüber. Pootseep begegnet den Terranern nicht nur respektvoll, er hegt sogar Sympathie für diese Wesen. Als sich die meisten Raumer der Menschen opfern, damit ein einziges Schiff bis zur Erde vordringen kann, rettet Pootsepp Martin Dennister vor dem Tod im Weltall.
 
Während sich zwischen den beiden ehemaligen Feinden eine Freundschaft entwickelt, führen die Umstände dazu, dass sie gemeinsam zurück auf die Staubwelt fliegen müssen, wo sie ihr weiteres einsames Dasein fristen. Indes wiederholt sich die Geschichte, wenn auch mit anderen Vorzeichen. In einem weiteren Krieg besiegen die Burl die Torrels und jagen deren Überlebende in alle Richtungen davon.
 
Bei Die letzten Menschen der Erde handelt es sich um ein Frühwerk des 1938 in Offenbach geborenen und 1984 verstorbenen Science Fiction Autors William Voltz, dessen erste Fassung 1966 erschien. Der überzeugte Humanist Voltz, der über mehr als zwei Jahrzehnte die Geschicke der Perry Rhodan-Serie lenken sollte, thematisiert in seinem serienunabhängigen Roman die Unterdrückung von Minderheiten und mögliche daraus resultierende Folgen, die bis zum Völkermord gehen können.
 
Der vorliegende Roman ist ein tragischer, was umso deutlicher wird, wenn man weiß, auf welchem realen Vorbild die Handlung basiert. Von jeher erschütterte William Voltz nämlich das Schicksal der Cheyenne-Indianer, die man um ihre Heimat gebracht und fast ausgerottet hatte. Er griff dieses traurige Schicksal auf und versetzte die Handlung in die Zukunft und ins Weltall. Die Figuren des Romans, allen voran Martin Dennister, der sich nach den Wirren der Ereignisse als einsamer Mensch in einer verhassten Umwelt wiederfindet, nehmen viel von jenen Charakteren vorweg, die der Autor später für Perry Rhodan schuf, besonders den im Kosmos verlorenen Alaska Saedelaere.
 
Die Geschichte ist weitgehend stringent geschrieben, abwechselnd erzählt aus den Perspektiven von Martin Dennister, Heiiti Jaason und Tiit Pootsepp. Sie verzichtet auf Bögen und Umwege und konzentriert sich auf den verzweifelten Versuch der letzten Menschen, zur Erde zu gelangen. Bei aller Tragik gestaltet Voltz das Ende versöhnlich. Als Dennister nach vielen Jahren und als alter Mann mit Hilfe seines Freundes Pootsepp doch noch den Weg nach Hause findet, wenn auch nur für einen Augenblick, trifft er auf den Kern einer neuen menschlichen Zivilisation. Terra und die Terraner können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.
 
Als William Voltz den Roman in den frühen Achtziger Jahren, damals schon schwer krank, noch einmal überarbeitete, verfasste er dazu ein Vorwort, dessen Botschaft leider auch heute noch traurige Gültigkeit besitzt: „Die Gewalt, die unsere Welt überflutet, Rücksichtslosigkeit und Haß sind letztlich nur Zeichen von Angst. Sie muß überwunden werden, bevor eines Tages wirklich die letzten Menschen der Erde vor den Trümmern unserer Zivilisation stehen."

 
William Voltz: Die letzten Menschen der Erde
Utopische Klassiker Band 1
HJB-Verlag 1996, herausgegeben von Gerd Rottenecker
Hardcover, ca. 176 Seiten, DM 16,80
 

Mittwoch, 4. Januar 2017

Im Bett mit Ren Dhark

Pünktlich zum Jahreswechsel habe ich die Arbeit an Ren Dhark 68 abgeschlossen und das alte Jahr damit, was die schriftstellerische Arbeit betrifft, positiv beendet. Die Überschrift dieses Posts mag dem einen oder der anderen vielleicht ein wenig merkwürdig vorkommen, doch das ist sie beileibe nicht. Schließlich ist der gute Ren Dhark, wenn es ihm auch bestimmt zu sein scheint, die Galaxis zu retten, ein Mann aus Fleisch und Blut und als solcher nicht gegen die betörenden Reize einer schönen Frau gefeit.

Und so geschieht es halt in meinem neuen Manuskript, dass Ren, wie oben angedeutet, tatsächlich mit einer Frau im Bett landet. Getreu dem Motto: Schatz, wir müssen reden, zieh dich schon mal aus. Als ich die kleine Episode bei einem Telefonat mit Expokrat Ben B. Black erwähnte, entfuhr es Ben prompt: "Du hast hoffentlich keinen Porno draus gemacht." Ich sah ihn buchstäblich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber ich konnte ihn beruhigen. Nein, habe ich natürlich nicht.

Der Schwerpunkt der Handlung liegt diesmal ganz und gar auf der POINT OF und ihrer Besatzung. Es treten Umstände ein, die eine Rückkehr aus der Zwerggalaxis Voktar in die heimatliche Milchstraße unmöglich machen. Bei ihrer Suche nach einer Lösung für das Problem stoßen die Raumfahrer von der Erde auf ein ganz spezielles Volk, bei dem sie erhellende Informationen über die Hintergründe der Geschehnisse in Voktar erhalten. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass diese Erkenntnisse dazu angetan sind, Ren Dhark und seine Leute gewaltig zu schockieren.

Ein unheimliches Erlebnis hat Arc Doorn. Der jahrtausendealte Worgun in Menschengestalt erhascht unerwartet einen Blick in die Vergangenheit. In einer Vision erhält er Eindrücke einer gefährlichen Macht, von der die Menschheit schon früher rudimentäre Kenntnis erlangte. Um wen es sich dabei handelt, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. Nur, dass der Titel dieses Posts auch anders hätte lauten können, nämlich: Rückkehr nach Arkan-23.

Dienstag, 3. Januar 2017

Hansrudi Wäscher Magazin 42

Die 42. Ausgabe dieses immer wieder schönen Magazins ist bereits im November zur Intercomic erschienen, nun bin ich endlich dazu gekommen, sie zu lesen. Das Titelbild schmückt diesmal ein Motiv von „Jim, der Cowboy“. Wäscher fertigte die Zeichnung bereits 2002 für die SPRECHBLASE an, dort ist sie aber nie erschienen. Wir haben also tatsächlich eine Erstveröffentlichung vor Augen.
 
Erstveröffentlichungen gibt es auch im Heftinneren. Der Bastei-Verlag ließ einst beim Abdruck von Buffalo Bill-Comics diverse Zeichnungen oder gar ganze Seiten weg. Die verschwundenen Zeichnungen sind wieder aufgetaucht und werden an dieser Stelle in Fortsetzungen nachgeliefert. Den Anlass nutzen die Macher des Magazins dazu, gleich einen ganzen Buffalo Bill-Comic zu präsentieren – neu handgelettert und mit einer tollen Colorierung! Die ersten zwölf Seiten des Abenteuers Abrechnung mit den Skalpjägern finden sich in diesem Heft.
 
Sympathisch rüber kommt das Interview mit Herrn Wäschers Witwe Helga, die Einblick gibt in die gemeinsamen Tagesabläufe und in Arbeitsabläufe ihres Mannes. Dazu passen weitere Berichte von Lesern über ihren Besuch bei den Wäschers sowie Fan-Rückblicke in die Vergangenheit, beispielsweise Herbert Karbaumers Betrachtung von begossenen Lehning-Anstecknadeln, Hans-Joachim Neuperts Jugenderinnerungen an Eisblumen, Wundertüten und Old Shatterhand oder Dieter Herolds Gedenken an einen schlechten Tausch. Solche persönlichen Eindrücke aus einer längst vergangenen Zeit lese ich immer gern.
 
Akribische Leserarbeit darf in einem Wäscher-Magazin nicht fehlen, so zu finden in Form einer Check-Liste zu Jim, was sich bei dem Titelbild ja anbietet, oder eines Berichtes von Dietmar Taubert über Sigurd-Piccolo-Titelbilder. Ohnehin findet sich wieder eine Menge Bildmaterial aus dem Schaffenswerk Wäschers. Nicht nur wird der Abdruck von Telefonkarten-Originalen mit dem fünften Teil fortgesetzt, die Herausgeber haben ein bislang völlig unbekanntes Akim-Motiv aufgetrieben.
 
Man beginnt des weiteren mit dem Abdruck der schönsten Sprechblase-Titelbilder. Auf die bin ich gespannt, da ich natürlich längst nicht alle Sprechblase-Ausgaben kenne. Hinzu kommt die Fortsetzung der Bleistiftvorzeichnungen eines Falk-Piccolos – derlei bekommt man nur selten zu sehen – sowie der dritte und abschließende Teil eines Lanowen-Comics von Jan Hoffmann. Und noch eine schöne Sache: Hansrudi Wäscher hat ein zwei Piccolos umfassendes Nick-Abenteuer mit Titel Das Zeiträtsel hinterlassen, von dem wir als Vorabdruck das Titelbild und drei Piccolo-Streifen zu sehen bekommen.
 
Abgerundet wird die 42. Nummer des abwechslungsreichen und lesenswerten Wäscher-Magazins durch einen Blick auf Sigurd-Puzzles aus dem Jahr 1967, Bilder von den Clubtreffen der rührigen Wäscher-Entusiasten und Leserbriefe. Das Heft, und nicht nur diese Ausgabe, ist wie immer mehr als nur einen Blick wert.